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Vleit Medane

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341

25.09.2017, 16:25

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2…us-fluechtlinge

hier die genannte Rede (die meisten hier sind wohl zu Jung um sie damals wahrgenommen zu haben bzw. mussten schon im Bett sein, als sie ausgestrahlt wurde ^^ .:


Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Tangalur

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342

25.09.2017, 16:43

https://www.facebook.com/hasnain.kazim

Zitat

Ich höre heute mehrfach, ich solle die Ostdeutschen "endlich ernst nehmen". Entschuldigung, ihr kamt 1990 mit nem Trabbi angeknattert und wählt heute mehrheitlich AfD - wie, bitteschön, soll ich euch da ernst nehmen?


Zitat

Natürlich gibt es auch ein Zuviel an Integration. Ich erlebe es ja gerade. So etwas wie Überanpassung. Ich frage mich, wo die Grenze ist. Österreichisches Essen gut finden ist okay, klar. Aber österreichisches Deutsch übernehmen und Mistkübel zum Mülleimer sagen? Sich gar für Eisstockschießen begeistern? Das geht zu weit!

Hamiris

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343

25.09.2017, 17:07

Dem haben se aber auch ins Gehirn geschissen, oder?

Vleit Medane

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344

25.09.2017, 17:29

Ich will mich nicht zuweit aus dem Fenster lehnen, aber es könnte eine Art Eiertritt unter der Gürtellinie sein, der an die Vergangenheit der Ostdeutschen erinnern soll.

Wenn ich mir z.B. das erste Zitat angucke...

Immerhin ist Ostdeutschland unter der Fahne der populistischen DDR absolut kaputt gewirtschaftet worden, und nicht nur das. Familien wurden getrennt, Menschen auf den Straßen wurden - weil sie anders dachten - verschleppt und eingesprrt, und auch wurden Menschen erschossen. Brauche ich glaube ich nicht viel drüber erzählen.

Also sollte der Osten unseres Landes es doch viel besser wissen als wir Andere, was es wirklich bedeutet unter Populisten, die an der Macht sind, leben zu müssen. Aber nein, viele wählen AfD - und die Statistik gibt einem da leider Recht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie ich das bewerten soll.

Kurios ist es allemal.

Ich glaube das ist es, worauf das Zitat anspielt. Ich kann mich aber auch irren.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Kara

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345

25.09.2017, 17:40

Dem haben se aber auch ins Gehirn geschissen, oder?


Ich fürchte, das ist vor allem Satire, die man nicht zu ernst nehmen sollte. Aber wenn man sich von satirischem Inhalt angesprochen fühlt, findet man es selbst meist nie lustig ;)

Padra

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346

25.09.2017, 17:45

So wie es gelaufen ist KANN das Ganze gut ausgehen:
- CDU/CSU stärkste Kraft mit einer Kanzlerin wo man wenigstens weiß woran man ist. Soll heißen: es kann nur besser werden.
- SPD geht in die Opposition und hat der AFD somit einen Strich durch die Rechnung gemacht Oppositionsführer zu werden. Desweiteren kann sich die SPD wieder "regenerieren" wie es damals die FDP gemacht hat. Nur bitte setzt die Nahles nicht da oben hin =/.
- Grüne immerhin besser als 2013, dürfen mitregieren und freuen sich einen Keks. Özdemir will Außenminister werden. Das wird mit Bruder Erdogan noch lustig ^^.
- Linke....... sind halt die Linke. Vllt. kommt Gisi wieder.
- FDP wird das Zündlein an der Wage sein. Hoffentlich will der Machtgeile Lindner nicht zu viel vom Kuchen. Welche Leute hat er eigentlich hinter sich stehen? Kennt keiner :D
- AFD hat der Regierung einen Denkzettel verpasst, der vllt. gar nicht so schlecht war. Nun liegt es in der Hand der neuen Regierung und der SPD die Wähler zurück zu gewinnen und die AFD in 4 Jahren zu schmälern.

Wenn sich die SPD erholt, die Grüne die richtigen Themen findet, der Lindner nicht zu viel will, die CDU in die Pötte kommt und die AFD wieder verschwindet, können die Wahlen in vier Jahren wieder "Wahlen" sein und keine Entscheidung zwischen Pest, Cholera, Kretze, Lepra, Ebola und Tuberkulose.
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Hamiris

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347

25.09.2017, 17:53

Dem haben se aber auch ins Gehirn geschissen, oder?


Ich fürchte, das ist vor allem Satire, die man nicht zu ernst nehmen sollte. Aber wenn man sich von satirischem Inhalt angesprochen fühlt, findet man es selbst meist nie lustig ;)


Ich finde es nicht lustig, liegt vielleicht daran das ich die DDR selber kennengelernt habe.
Die meisten waren froh nach ewiger Wartezeit einen Trabi zu bekommen und nicht alle Ossis haben AFD gewählt aber schön alle in einen Haufen schmeißen.

Wenn sich die SPD erholt, die Grüne die richtigen Themen findet, der Lindner nicht zu viel will, die CDU in die Pötte kommt und die AFD wieder verschwindet, können die Wahlen in vier Jahren wieder "Wahlen" sein und keine Entscheidung zwischen Pest, Cholera, Kretze, Lepra, Ebola und Tuberkulose.



:thumbup:

Tangalur

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Tangalur

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349

25.09.2017, 20:29

Definitiv Satire

Zitat


Ich erhalte viele sehr freundliche, ernst gemeinte Einladungen aus Sachsen. Danke dafür! Ich werde die eine oder andere demnächst annehmen, versprochen! (In Wahrheit geht es mir ja nur darum, mit meiner Großfamilie kostenlos durch Sachsen zu fahren und sich bei den Leuten durchzuschnorren. P. S.: Bitte haltet ausreichend Eierschecke bereit! Ich tausche gegen Punschkrapfen.)

Kara

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350

26.09.2017, 16:51



Mann, Mann...

Vleit Medane

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351

26.09.2017, 17:34

Da braucht man ja beim Demaskieren nicht mehr nachhelfen.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

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352

26.09.2017, 19:08

:D

Lutz van der Horst will kein Gesicht für AfD-Werbung sein - heute-show vom 25.11.2016 | ZDF


Lutz van der Horst bei der Afd nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern | Heute-Show
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

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353

27.09.2017, 18:27

Gefunden auf welt.de [Edit] Link

Zitat

Am kommenden Wochenende feiert Deutschland die Wiedervereinigung, den Tag der Deutschen Einheit, in Mainz, weil Rheinland-Pfalz den Vorsitz im Bundesrat hat. Wer in der Nähe wohnt, darf nicht mehr dort parken. Wer dort einen Laden besitzt, wird seit Tagen nicht mehr beliefert – Zufahrt gesperrt. Die Anwohner freuen sich nicht wirklich auf diese Feier, die den ganzen Innenstadtbereich wochenlang lahmlegt. Und vielleicht geht es dem ganzen Land so nach diesen Wahlen.
Selten war eine Feier vom Timing her so unpassend. Selten waren wir so wenig wiedervereinigt wie jetzt. Die Bundestagswahlen haben gezeigt, dass es in Ostdeutschland Tendenzen zur Entwiedervereinigung gibt. Dass die AfD in Ostdeutschland solche Zustimmungswerte und in Sachsen sogar die meisten Zweitstimmen erhält, ist eine Zumutung für alle Demokraten.
Ostdeutschland liegt im europäischen Durchschnitt
Die immer wieder gezeigten Fernsehbilder von ostdeutschen Dörfern vermitteln den Eindruck, als ob dort auf dem Land nur Hinterwäldler leben. Dabei haben auch dort die allermeisten Menschen Arbeit, und in den Städten ist einiges los. Leipzig hat im letzten Städteranking den zweiten Platz erreicht.

In Sachsen ist die Arbeitslosenquote fortlaufend gesunken, im August waren es nur noch 7,8 Prozent. Selbst in Mecklenburg-Vorpommern, das den schlechtesten Wert hat, sind es nur noch 11,3 Prozent – so viel wie in ganz Italien. In Frankreich sind es 9,6 Prozent. Ostdeutschland liegt also in seinen strukturschwächsten Gebieten immer noch im Durchschnitt unserer Nachbarländer.
Wieso wählen dann so viele die AfD? Der „Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Online-Ausgabe über einen Ort namens Wilsdruff. 13.900 Einwohner, zehn Asylbewerber. Und 36 Prozent wählen die AfD. Nicht zu fassen. Sachsen hat die niedrigste Ausländerquote und die größte AfD-Wählerschaft. Es gibt offensichtlich immer noch eine DDR-Nostalgie, die vergisst, wie viele Menschen der DDR-Diktatur zum Opfer gefallen sind. Diese Vergangenheit mit 700.000 Stasi-Spitzeln wurde ja nie aufgearbeitet, geschweige denn bewältigt.

Dankbarkeit muss man nicht erwarten
Bei einer Umfrage im Auftrag des MDR fragte Infas 2014 nach den „besonderen Stärken“ der DDR. Die DDR punktete mit Schutz vor Kriminalität (66 Prozent), Gleichberechtigung von Mann und Frau (69 Prozent) und mit sozialer Absicherung (75 Prozent). Lebensstandard.
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Viel Geld ist von West nach Ost geflossen. Das Dresdner Ifo-Institut hat den Nettotransfer allein zwischen 1991 und 2013 auf 1800 Milliarden Euro geschätzt. Dankbarkeit muss man dafür nicht erwarten. Aber wenigsten Vernunft statt Anti-Merkel-Geschrei.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Vleit Medane« (27.09.2017, 22:29)


Kara

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354

27.09.2017, 18:59

Kannst du bitte den Link noch dazusetzen?

Kara

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Tangalur

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356

28.09.2017, 08:39

https://sophiesumburane.com/2017/09/25/d…afd-fckafd/amp/

Zitat

Gedanken einer Mutter äußerlich nicht deutscher Kinder zum Ergebnis der AfD

Die Sächsische Schweiz

Dass es in Deutschland Orte gibt, an die man nicht geht, wenn man scheinbar kein Deutscher ist, dass wusste ich schon länger. Spätestens, seit damals, als ich im Pizzaladen um die Ecke arbeitete und die dortige Bäckerin rief: „Hey, guckt mal der Schwarze (sie sagte ein anderes Wort) da draußen. Holt den mal rein, ich wollte schon immer einen dressierten Affen, der mir mein Bier bringt.“ Sie fuhr am nächsten Tag in den Urlaub – in die Sächsische Schweiz. Diese Sächsische Schweiz, in der die AfD gestern 35,5% der Stimmen bekam, die, wie vielen bekannt ist, schon lange eine Hochburg der Rechten in Deutschland ist. In diese Sächsische Schweiz fuhr die Rassistin, die für ihren Spruch Gelächter bekam, zusammen mit Freunden in einem auffälligen BMW, der vor Nazi-Symbolik triefend unbehelligt vor unserer Leipziger Haustür parkte.

Die Sächsische Schweiz ist der Ort, wo ich schon damals mit meinem aus Mosambik stammenden Partner und unserer gemeinsamen Tochter wohl nicht in den Urlaub gefahren wäre. Was ich als gar nicht weiter betrauernswert empfand, dass es eben Berge gibt, die ich nur auf Fotos sehen werde. Fotos zum Beispiel von Facebook-Freunden, die romantische Bergpanorama Bilder posten und die Beflaggung an den Häusern der Dörfer unkommentiert wehen lassen. Ebenso, wie ich den Spruch der Pizzabäckerin. Was soll das schon bringen? Die sind halt dumm, lasse reden.

Das war vor fünf Jahren. Wir leben nicht mehr in Leipzig, auch, weil der latente Rassismus uns zu zermürben drohte. Weil wir es nicht mehr hören konnten, wenn Menschen im Zoo sagten: „Schau, da ist einer aus dem Affenhaus abgehauen.“ Weil wir uns nicht mehr zwei Mal überlegen wollten, ob man Abends wirklich noch mal auf die Straße will, ob man wirklich ein sprichwörtliches Fass aufmachen muss, wenn ein Kind aus dem Kindergarten das eigene Kind als „Kaka“ bezeichnet und die Mutter lacht, ob man sich wirklich ärgern will, wenn die Nachbarn tuscheln: „Seit die Schwarze hier wohnt, spielen die Kinder viel lauter.“, ob man sich wirklich als „stinkend“ bezeichnen lassen möchte.

Unter anderem all das haben wir stillschweigend hingenommen, haben unsere Sachen gepackt und sind weg aus Sachsen, wo die AfD gestern stärkste Kraft geworden ist, nach Potsdam, doch die braune Soße ist uns hinterher geflossen.

Zugegeben, es hat gedauert, aber nun gibt es auch hier Orte, an die wir nicht gehen wollen. Menschen, denen wir nicht begegnen wollen. Es gab sie schon immer, einige wenige. Kaum sichtbar, nur für die, die sich ihnen in den Weg stellen, durch Taten oder durch die äußere Erscheinung. Doch nun werden sie mehr und davor habe ich Angst.

Ich möchte meinem Kind nicht erklären müssen, warum die Leute ständig ihre Haare anfassen wollen, warum andere Kinder über sie lachen, nur weil sie da ist, warum man sie im Schwimmunterricht mehrfach fragt, ob sie wirklich schwimmen könne, bevor man sie ins Wasser lässt, warum die Menschen sie immerzu fragen, woher sie kommt.

Ich möchte nicht mit ansehen müssen, wie eine Partei die rote Linie durch ständiges Übertreten immer mehr in die Mitte schiebt, immer ein Stück weiter, immer noch ein bisschen krasser. Ich möchte nicht ertragen müssen, dass Rassismus wieder salonfähig wird.

Ich weiß, dass er es schon längst geworden ist. Ich weiß, dass man als äußerlich Deutscher davon kaum etwas spürt, den Kopf über einen Gauland schüttelt und den Fernseher abstellt, abharkt, weiter macht. Ich weiß aber auch, wozu das führt.

Damals, vor fünf Jahren, nahm ich meine Pizza-Bestellung und trug sie zum Auto, schüttelte den Kopf über den dressierten Affen und versuchte, das zu vergessen. Heute fühle ich mich, als hätte ich meine Familie verraten, weil ich nicht schon damals etwas sagte, etwas tat.

Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es Orte gibt, an die ich nicht gehen darf. In der ein kleines Kind ein Aggressor ist, ein Ding, das man anfassen und bestaunen kann. Das in den Mathe-Nachhilfeunterricht für Dyskalkulieverdacht geschickt wird, in dem sich sämtliche äußerlich nicht deutsche Kinder der Klassenstufe treffen.

Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der ich auf offener Straße gefragt werde, ob sich mein Schwarzer (wieder ein anderes Wort) fröhlich das Visum ervögelt hat und nun in Saus und Braus auf Staatskosten lebt, wenn ich mit meinen Kindern ohne ihn unterwegs bin. Wenn er doch mitkommt, ist er übrigens ein arbeitsloser Schmarotzer, der unsere Deutschen Frauen stiehlt. Als ob Frauen nicht mündig wären selbst zu entscheiden, an wen sie sich binden, aber das macht ein anderes Fass auf.

Ich habe Angst vor der AfD, vor dem Menschenbild, das diese Partei schürt, vor dem Feuer, dass sie legt. Angst, weniger um meinet Willen, als für meine Kinder, die einen Hass zu spüren bekommen, den sie nicht verstehen können. Den ich nicht verstehen will.

Kara

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357

28.09.2017, 08:48

Puh... de fehlen mir echt mal die Worte.

Tangalur

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358

28.09.2017, 09:37

https://www.facebook.com/hasnain.kazim/p…155206378798264

Zitat

Gestern schrieb ich den Spruch: „Ich höre heute mehrfach, ich solle die Ostdeutschen ‚endlich ernst nehmen‘. Entschuldigung, ihr kamt 1990 mit nem Trabbi angeknattert und wählt heute mehrheitlich AfD - wie, bitteschön, soll ich euch da ernst nehmen?“ Wie erwartet, sorgte das für Aufregung, und zwar für Zustimmung wie Widerspruch gleichermaßen.
Ich möchte das erklären, denn ich denke, es ist nach der Bundestagswahl vom 24. September an der Zeit, einige Dinge in Zukunft anders anzugehen, deutlich anzusprechen und sich dem Streit zu stellen. Das gilt übrigens nicht nur für Politiker, Journalisten, Autoren und Publizisten, sondern für jeden. Seit Sonntagabend werde ich das allen abverlangen. Immerhin haben wir eine völkisch denkende Partei im Parlament.
Selbstverständlich ist der Spruch zugespitzt und polemisch. Korrekt hätte er sich an die Wählerinnen und Wähler der AfD im Osten richten müssen, immerhin etwa ein Drittel aller Wahlteilnehmer in Sachsen und ein Viertel in ganz Ostdeutschland. Das ist immer noch katastrophal viel.
FAZ-Wirtschaftsredakteur Franz Nestler schreibt mir auf Twitter, als Ostdeutscher sei er es leid, mit allen AfD-Wählern in einen Topf geworfen zu werden. Ich kann das nachvollziehen. Schließlich sei es ja auch nicht in Ordnung, wenn Muslime sich nach Terroranschlägen rechtfertigen müssten für die Gewalt.
Ich will diesen Vergleich aufgreifen. Natürlich ist es falsch, wenn man von allen Muslimen verlangt, sich von Terror zu distanzieren. Als hätten sie damit etwas zu tun, als wären sie Komplizen der Terroristen. Aber ebenso ist es falsch von Muslimen, wenn sie reflexhaft sagen: „Der Terror hat mit Islam nichts zu tun!“ Doch, hat er! Er kommt aus dem Islam heraus, das radikale Gedankengut wächst dort heran und wird religiös begründet, und innerhalb der islamischen Gesellschaft(en) läuft gewaltig etwas schief. Also müssen Muslime sich mit dem Thema auseinandersetzen. Nur: Sie tun es in weiten Teilen nicht. Ich habe es selbst in Pakistan, in Afghanistan, in der Türkei erlebt. Da wird weggeschaut, kleingeredet, gerechtfertigt. Aus Scham, aus Lethargie, aus geistiger Umnachtung, aus (falscher) Verbundenheit gegenüber den Glaubensbrüdern und -schwestern.
Genauso verhält es sich, leider, in Ostdeutschland. Da wird auch weggeschaut und sich aufgeplustert aufgeregt, wenn man es wagt, das Thema auch nur anzusprechen. Natürlich ist Rechtsextremismus kein alleiniges ostdeutsches Problem. Aber es ist vor allem ein ostdeutsches Problem, und zwar ein gewaltiges! Aber anstatt das anzugehen, werden „national befreite Zonen“ toleriert, wird so etwas Perverses wie „Pegida“ hingenommen, werden Rechtsextreme gewählt, dass es kracht, und ansonsten wird sich empört, als wäre es eine Unverschämtheit, das Problem zu benennen.
So, wie es in der islamischen Welt eine Zivilgesellschaft gibt, die sich den Extremisten entgegenstellt, gibt es in Ostdeutschland Bewegungen, die gegen die Rechten kämpfen. Ich habe sie hier wie dort besucht und kennengelernt. Und hier wie dort sind sie, das muss man leider sagen, relativ erfolglos.
Ich bekomme seit Jahren Hassbriefe, Drohungen, Beleidigungen aller Art. Ich veröffentliche sie nur zu einem ganz kleinen Bruchteil. All jene, die sich über den Spruch mit den Ostdeutschen, den Trabbis und der AfD aufregen und sich geradezu naserümpfend empören, haben dazu noch nie, noch nie ein Wort des Mitgefühls geäußert, gefragt, ob sie etwas tun können oder ob alles in Ordnung sei, geschweige denn, dass man sich dagegen engagieren müsse. Aber wo sie irgendwie sich selbst zu Unrecht behandelt fühlen, da ist der Aufschrei groß. Wahnsinn.
Ich bin es schon seit Jahren leid, Extremismus jeglicher Art unwidersprochen hinzunehmen. Wer meine Arbeit kennt, weiß, dass ich islamischen Extremismus kritisiere, ebenso Extremismus in Deutschland (und für beides einen Preis zahle).
Warum ich besonders hart mit Ostdeutschland ins Gericht gehe, kann ich benennen. Der Mist hat für mich als jemand, der offensichtlich Wurzeln in einem anderen Teil der Welt hat, 1990 begonnen. Mit der deutschen Einheit. Ich war damals 16 Jahre alt, damals begannen die Übergriffe, die Jagden auf Menschen, die fremd aussahen, die brennenden Häuser. Damals hörte ich zum ersten Mal jemanden zu mir sagen: „Pass auf, da solltest du mit deinem Aussehen besser nicht hinfahren.“ Es ging um Rostock. So etwas hatte ich zuvor noch nie gehört, es gab gar nicht die Notwendigkeit.
Solche Gewalt kam auch in Westdeutschland auf, erinnert sei an dieser Stelle an Solingen. Aber vor allem in Ostdeutschland. Meine ersten Hassbriefe bekam ich nicht mit der Erfindung des Internets. Ich erhielt sie Anfang der Neunzigerjahre, per Post, getippt, an „KAZIM, HOLLERN-TWIELENFLETH“. Sie kamen an. Es gab keine anderen Kazims in dem Dorf. Die Briefe kamen fast ausschließlich aus Ostdeutschland. Ich hatte es gewagt, als Schüler in diversen Zeitungen die Übergriffe zu kritisieren.
Ich habe trotzdem den Dialog gesucht, versucht zu verstehen, offen zu sein. Das wurde selten angenommen. Ich reiste durch den Osten, erlebte viel Gutes – wurde aber auch böse angestarrt, angespuckt, feindselig behandelt, in der Uckermark, in Magdeburg, in der Sächsischen Schweiz, auf Rügen. In einer Form, wie ich es im Westen nie erlebt habe. Trotzdem galt Kritik als „Nestbeschmutzung“. Man sollte bloß nicht sagen, der Osten sei besonders rechts, man müsse die Leute doch verstehen, ihre „Sorgen und Nöte“, den Bruch in ihren Biografien, die Schwierigkeiten des erzwungenen Systemwandels.
Ich kann all das verstehen. Und auch nachvollziehen, dass man unzufrieden ist, weil sich alles anders entwickelt hat, als man es erwartet hat. Und doch rechtfertigt das nicht, was ich erlebt habe und erlebe. Keine brennenden Flüchtlingsheime. Keine feindselige Behandlung von Menschen, nur weil sie anders aussehen und von woanders kommen. Und keine Wahl von Rechtsextremisten, deren Programm völkisches Gedankengut beinhaltet. Mit Erschrecken stelle ich fest, dass der Versuch, den Dialog zu suchen, die Hand zu reichen, nichts bringt. Es schlägt einem der blanke Hass entgegen, geifernde „Lügenpresse“-Schreie, „Hau ab!“- und „Verpiss dich“-Rufe. Man will überhaupt nicht verstehen, man will überhaupt nicht reden, man will überhaupt keinen Frieden.
Und so, wie sich die Muslime – ja, alle Muslime – mit dem Thema Extremismus auseinandersetzen müssen, werden nun eben auch die Ostdeutschen – ja, alle Ostdeutschen – nicht darum herumkommen, sich mit den Problemen in ihrer eigenen Mitte zu beschäftigen. Sie müssen die Ursachen finden, und sie müssen die Probleme lösen. Eine Rechtfertigung für all diese Scheiße gibt es nicht.
Ich für meinen Teil werde nicht mehr schweigen. Das habe ich am Sonntag gelernt.

Tangalur

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359

28.09.2017, 09:44

https://www.facebook.com/zoebeck75/posts/10159316742145371

Zitat

als erstes müsste man AfD-anhänger*innen mal das mit der meinungsfreiheit beibringen. dass ihnen niemand ihre meinung verbietet, sondern man ihnen lediglich (gern auch vehement) widerspricht, was wiederum ebenso unter meinungsfreiheit fällt. meinungsfreiheit ist nicht dasselbe wie widerspruchsfreiheit. was hingegen nicht unter meinungsfreiheit fällt, sind beleidigungen und drohungen. und holocaustleugnung. also, es gibt viel zu lernen.

Vleit Medane

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360

28.09.2017, 12:55

Das Folgende sind keine geheimen Infos - Mal so als kleiner Erfahrungsbericht, weil ich ja bis dato überhaupt nichts mit politischer bzw. parteiinnerlicher Arbeit zu tun hatte, bis ich eben „wo“ eingetreten bin ^^

Gestern war die erste Partei-Ortsvereinssitzung nach der Wahl. Ich war eingeladen. Dort wurde mir auch gleich mein Parteibuch übergeben. Es war eine kleine Runde von 11 Leuten. Man muss sich das so vorstellen, dass der Kreis Recklinghausen in mehrere Vereinsbezirke aufgeteilt ist. Jeder Verein hat seinen eigenen Vorstand. Die einzelnen Vereine arbeiten politisch in ihren eigenen Bezirken. Diese Bezirke nennen sich Ortsvereine. Aktuelle Anliegen der Bürger werden in den Ortsvereinen direkt kommuniziert. Auch werden Dinge auf den Tisch gebracht die nicht gut laufen bzw. verbessert werden müssen. Das geht hin bis zum Bau eines einfachen Kreisverkehres, oder z.B. Modernisierungen von Schulen, oder andere Dinge. Als konkretes Beispiel von gestern: Eine Grundschule hat sich an unseren Ortsverein gewandt, weil sie es sich nicht mehr leisten können, mit ihren Klassen die Bustickets für Fahrten innerhalb Recklinghausens zu bezahlen.

Tatsächlich kann der Ortsverein der Schule dazu verhelfen gehört zu werden. Was auch daran liegt, dass der Bürgermeister aktuell von unserer Partei gestellt wird. Der jeweilige Ortsverein versucht also zunächst zu klären, was wichtig ist. Dann schickt der Ortsverein einen ausgewählten Vorstandsvertreter los, der sich mit den Vorständen der anderen Ortsvereine trifft. Diese Vorstandsgruppe hat dann den direkten Draht zum Bürgermeister. Das muss aber nicht immer so laufen. Gestern war z.B. ein direkter Vertreter des Bürgermeisters bei unserem Ortsverein zu Besuch und hat alles Wichtige direkt mitgenommen.

Großes Thema war natürlich das Wahlergebnis der Bundestagswahl. Es wurde analysiert wie unser Kreis Recklinghausen abgestimmt hat. Dafür wurden an alle Sitzungsteilnehmer Listen verteilt, die so detailliert waren, dass ich tatsächlich nachlesen konnte, wie viele Menschen in meiner eigenen Straße z.B. AfD gewählt haben. Namen konnte man natürlich nicht nachlesen.

Da diese Listen so detailliert waren, konnte man sehr leicht ermitteln wo die AfD „Zonen“ gelegen sind. Tatsächlich bewohnt die Mehrheit der AfD Wähler im Kreis Recklinghausen, die wirtschaftlich schwächeren Gebiete. Aber es waren auch viele Rentner dabei. Dann gab es natürlich noch andere Stimmenverluste an z.B. die FDP usw.

Alles in allem, war diese Sitzung sehr interessant und auch ich durfte meinen Senf dazugeben :D Ich wurde als neues Mitglied oft dazu angesprochen, wie ich die Arbeit der Partei in unserer Stadt denn bisher von „außen“ so betrachtet habe und vor allem ob mir die Arbeit der Ortsvereine bekannt war.
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