Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Outpost 7 Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

21

12.02.2015, 15:33

Ein unsanftes Vibrieren erfasste die gesamte Plattform als die zwei Triebwerke des Schiffes gestartet wurden und einen gelben Feuerstrahl zum Boden schickten. Innerhalb weniger Augenblicke erreichten sie ihre maximale Leistung und die Solis Ortis erhob sich sanft und majestätisch in den wolkenlosen Himmel.



“Entfernung zur Plattform 50 Meter… 100 Meter…. 200 Meter. Ich aktiviere das Haupttriebwerk.”

Eine Schockwelle fürchtend, verkrampfte Ethan seine Hände und wartete darauf, dass das Schiff durchgerüttelt wurde. Doch anstelle der Schockwelle spürten die drei Personen im Cockpit der Merchantman nur die sanfte Beschleunigung, die das Haupttriebwerk durch seine Leistung verursachte, während das Schiff weiter durch die Atmosphäre von Terra glitt und sich immer weiter dem Weltraum näherte.

Am Steuer dieses großen Transportschiffes saß Chloe und obwohl sie sehr aufgeregt war, steuerte sie das Schiff nahezu perfekt. Ethan saß an einer Konsole neben ihr und unterstützte sie, indem er die Flugdaten im Auge behielt.
Ihr neuer Partner und Mitbewohner, Enyalios, stand hingegen weiter hinten neben der Eingangstür und beobachtete die Geschwister bei ihrem ersten Flug. Eine kurze Einführung und ein paar Simulationen hatten ausgereicht, um sie mit dem Schiff in der Theorie vertraut zu machen und es gab keinen Grund, sie nicht auch gleich ans Steuer zu lassen. Natürlich konnte er im Notfall eingreifen, aber sein Vertrauen sollte sich bestätigen.

Chloe entspannte sich sichtlich, als die Solis Ortis die Atmosphäre verlassen hatte und im freien Raum flog und auch Eny kam jetzt nach vorne.

“Wie ich sehe, ist mein Schiff bei Ihnen in sehr guten Händen, gut gemacht. Wohin wollen Sie jetzt fliegen? Ich könnte ein paar Angebote für den Start raussuchen, falls Sie Hilfe benötigen.”

Ethan wusste immer noch nicht so recht, wieso dieser Kerl ihnen das Schiff überlassen hat, aber er wurde mit jedem Tag sympathischer. Hatte er selbst bei dem ersten Treffen noch verhindern wollen, dass seine Schwester die Wahrheit sagt, so bereute er das jetzt immer mehr. Natürlich bestand ein Großteil des Händlerlebens daraus, andere über den Tisch zu ziehen und die besten Konditionen zu bekommen, aber ebenso wichtig war es, dass man seinen Partnern vertrauen konnte. Und bei Eny war dies scheinbar der Fall.

“Danke für das Angebot, aber ich habe gestern bereits etwas gefunden, das sehr interessant klingt.”

Mit ein paar Eingaben aktivierte er ein Display und ließ darauf die Anzeige erscheinen.


Das neu gegründete Unternehmen Outpost 7 mit Firmensitz auf der Erde sucht für eine dauerhafte Verpflichtung einen Spezialisten für Nachschub und Logistik. Das Tätigkeitsfeld umfasst die folgenden Aufgaben:

- Aufbau und Pflege von Handelsbeziehungen
- Sicherung des Nachschubs des Unternehmens
- Sektorübergreifende Versorgungsmissionen des Unternehmens
- Verkauf und Ankauf von Waren
- Materialplanung
- Verwaltungsaufgaben

Der Outpost 7 ist ein auf Suche und Bergung von wertvollen Artefakten spezialisiertes Unternehmen. Das Einsatzgebiet des Unternehmens wird aufgrund des Aufgabengebietes variieren. Entsprechende Pauschalen werden selbstverständlich übernommen. Das Profil möglicher Bewerber umfasst Kenntnisse im Handel, Verwaltung und Bürokratie. Ein eigenes Raumschiff wird zudem vorausgesetzt. Sollten Sie an einem langfristigen Engagement interessiert sein, senden Sie ihre Bewerbung an die in der Signatur befindliche Adresse.


Chloe konnte sich mit der Idee auch gleich anfreunden, allerdings fiel ihr auf, wo sie dafür hin müssten.

“Aber… dafür müssten wir zur Erde.”

Auch das beste Angebot hatte immer einen Haken. Und so war es auch hier. Es war eine Ausschreibung von einer Organisation, die ihren Sitz auf der Erde hatte. Also mussten sie wohl oder übel ins Zentrum des Imperiums reisen, dass sie auf Terra eigentlich loswerden wollten. Die Aussicht auf einen langfristigen Auftrag war verlockender und die Rebellen brauchten dringend Geld.

“Ich weiß, dass die Erde nicht unsere erste Wahl ist, aber wir haben keine große Auswahl.”

“Sie haben Recht,” mischte sich Enyalios ein. “Wenn die Beschreibung zutrifft, wäre es das beste Angebot, dass sie derzeit bekommen könnten. Eine hohe Gewinnaussicht und langfristige Bindung. Es werden sich vermutlich einige Unternehmen darum bemühen, den Zuschlag zu bekommen. Je länger sie warten, desto schlechter sind ihre Chancen.”

Chloe dachte einen Moment nach, bevor sie schließlich zustimmte.

“In Ordnung, dann fliegen wir zur Erde.”




Wenige Tage später erreichten Sie die Erde und setzten zum Landeanflug an. Diesmal saß Ethan am Steuer und die Solis Ortis wurde behutsam auf dem Landeplatz in der Nähe von New York aufgesetzt. Ethan und Chloe wollten das Schiff verlassen und sahen Eny an der Einstiegsrampe stehen. Jedoch sah er nicht so aus, als würde er mitkommen wollen, was Ethan etwas stutzig machte.

“Wollen Sie nicht mitkommen, Eny?”

“Nein. Es ist zwar mein Schiff, aber Sie Beide haben es gemietet und ich möchte mich nicht in Ihre Angelegenheiten einmischen. Das ist ganz alleine ihre Sache und Sie werden das auch ohne mich schaffen.”

Damit verabschiedete er sich und verschwand im Inneren des Schiffes, während sich Chloe und Ethan auf den Weg zu diesem Unternehmen machten.


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Tanner

RP Charakter Tanner SC

  • »Tanner« ist der Autor dieses Themas

Titel: ***

  • Nachricht senden

22

12.02.2015, 16:16

Nach seiner Unterredung mit Carol Danvers war Tanner voller Tatendrang.

Zwar hatte er insgeheim natürlich von Anfang an gehofft, dass er die Pilotin letzten Endes irgendwie für sein Projekt gewinnen können würde, doch hatte er sich den Weg dorthin irgendwie anders vorgestellt. Geistesabwesend goss er sich in seinem Sessel auf der Brücke eine Tasse Kaffee aus einer herumstehenden Kanne ein und verzog angewidert das Gesicht, als er das schwärzliche Gebräu herunterwürgte. Er war froh, dass die Errungenschaft der Menschheit nicht an ihrer Fähigkeit genießbaren Kaffee zu kochen gemessen wurde. Er zog jedoch ernsthaft in Betracht, die Löhne seiner Besatzung in Zukunft daran zu koppeln. Seufzend kippte er den Rest wieder zurück in den Behälter.

Dann ließ er seinen Blick zufrieden über die verlassene Kommandozentrale seines Schiffs gleiten und ließ seinen Blick auf dem Holotisch ruhen. Dabei ließ er vor seinem geistigen Augen die letzten Stunden noch einmal Revue passieren.

Zunächst schien es ein absoluter Glücksfall gewesen zu sein, dass sich Carol Danvers nicht mehr im aktiven Dienst befand – von ihrem damaligen Träger hätte er sie wohl kaum ohne weiteres herunter bekommen. Dann hatte sich seine Euphorie zugegebenermaßen ein wenig gelegt, als er ihren Hang zur Flasche bemerkt hatte und für einen Augenblick hatte er sich gefragt, ob das Alles möglicherweise doch nicht ganz die brillante Idee war, für die er sie zunächst gehalten hatte. Seine Zweifel waren jedoch schnell verflogen. Trotz des Alkohols schien die Ex-Soldatin sich gut im Griff zu haben und ihre Reaktion nach Sichtung ihrer Informationen hatte ihn davon überzeugt, das Richtige zu tun. Eigentlich hatte sie seine Erwartungen sogar übertroffen und schien wesentlich mehr zu diesem Projekt beitragen zu können als eine reine Informationsquelle. In ihrem Innern schien ein Feuer zu lodern, dass aufgrund der vergangenen Ereignisse einfach fast erloschen war, jedoch immer noch darauf wartete, wieder entfacht zu werden. Die Suche nach der Artemis mochte der passende Katalysator dafür sein. Darüber hinaus hatte er den Eindruck, dass der Lt.Comander außer Dienst auch sonst eine wahre Bereicherung für ihn darstellen konnte.

Nachdem Skeeter und Shen sich überraschend dazu entschlossen hatten, lieber auf Nummer Sicher zu gehen und mit ihren Geldmitteln ein gemeinsames Unternehmen für Drohnenwartung aufzuziehen anstatt sich auf die zumindest unsichere Sache mit der Artemis einzulassen, fehlten ihnen einige zusätzliche Crewmitglieder. Danvers war Pilotin, ebenso wie Flores – allerdings verfügte Letztere auch über fundierte Kenntnisse in Computertechnik und war mehr als gewillt, den Platz an der Con abzutreten. Auch sonst waren sowohl Flores als auch Ron von ihrem Neuzugang sehr angetan. Danvers musste mit ihrem losen Mundwerk einigen Eindruck hinterlassen haben – für gewöhnlich waren die beiden nicht so nachsichtig, wenn es um Leute ging, mit denen sie in Zukunft zwangsläufig viel Zeit verbringen mussten. Tanner schüttelte lächelnd den Kopf und erinnerte sich an die lange Zeit, in der sie ohne Energie durchs All gedriftet waren. Eine Woche mehr und er hätte vermutlich nicht verhindern können, dass Flores Skeeter nach einem weiteren sarkastischen Kommentar an die Außenhülle des Schiffes genagelt hätte.

Dann wurde er wieder ernst. Es wurde Zeit, sich wieder dem Hier und Jetzt zu widmen. Danvers würde sich um den Geleitschutz und ihre neue Firmenzentrale kümmern. Offenbar hatte sie da auch schon ein paar Vorstellungen und er war gespannt, mit was sie aufwarten würde. Er selbst wollte sich um ihre Logistik und einem Spezialisten für Bergung kümmern. Beide Bereiche waren von essentieller Bedeutung, wenn Sie langfristig Erfolg haben wollten. Leute zu finden, war an sich nicht schwer - die Kunst lag darin, die richtigen Leute zu verpflichten.

Seine Hände wanderten über die Konsole an der Lehne seines Sessels, in der sich ein kleiner Bildschirm befand und die Ergebnisse einer zuvor initiierten Suche wieder spiegelte. Dabei hatte er einen simplen Algorithmus initiiert, der das System nach zurzeit angedockten Schiffen und kleineren Firmen durchsuchte, die für die gesuchten Tätigkeiten in Frage kamen. Leider schienen jedoch aktuell nur wenige Kandidaten in Frage zu kommen. Nachdem er diese kontaktiert und entsprechende Gespräche vereinbart hatte, rieb er sich nachdenklich sein stoppeliges Kinn.

Er hatte eigentlich gehofft, eine Ausschreibung vermeiden zu können doch so wie die Dinge standen gab es wohl keinen anderen Weg. Die Auswahl der qualifizierten Kandidaten war einfach zu dünn. Eine öffentliche Bekanntgabe würde dieses Problem zweifellos lösen – auf der anderen Seite war eine Ausschreibung in einer der Kernwelten in etwa so, als würde man einen Brocken blutigen Fleisches in ein Haifischbecken werfen. Es würde viel Zeit in Anspruch, die nützlichen Angebote von den unseriösen zu trennen und die ganzen Halsabschneider und Taugenichtse auszusieben. Davon gab es leider stets mehr als genug. Leider sah er jedoch keine Alternative.

Schließlich öffnete er eine kleine Konsole und begann, ihr Gesuch zu formulieren. Dabei konzentrierte er sich ausschließlich auf die Logistik. Er war lange genug im Bergungsgeschäft gewesen, um dort selbst jemanden zu finden, der eine vertrauenswürdige Reputation besaß. Das sah in Bezug auf einen Spezialisten für Handel und Nachschub leider anders aus. Er dachte kurz nach und ließ seine Finger erst langsam und dann immer schneller über die Tasten gleiten. Schließlich beendete er seine Arbeit und las in Ruhe noch einmal den Text.

Tanner

RP Charakter Tanner SC

  • »Tanner« ist der Autor dieses Themas

Titel: ***

  • Nachricht senden

23

12.02.2015, 16:16

Zufrieden drückte er die Senden-Taste und streckte sich. Dann erstellte er einen Plan, um die bereits zuvor eruierten Kandidaten zu treffen und blätterte durch ihre Resümees.

Drei Tage später hatte er bereits ein gutes Dutzend Kandidaten gesprochen und zwei weitere Dutzend Bewerbungen in seinem Postfach. Bisher waren die Ergebnisse eher ernüchternd gewesen, doch damit hatte er gerechnet. Er überflog die neuen Unterlagen und begann damit, die Spreu vom Weizen zu trennen. Letzten Endes blieben drei mehr oder weniger interessante Bewerbungen offen. Er kontaktierte die Absender und vereinbarte mit ihnen Termine für den kommenden Tag. Als er anschließend das Postfach gerade wieder schließen wollte, traf noch eine weitere Nachricht ein. Beiläufig überflog er den Text und wollte bereits seine Standard-Absage schicken, in der er höflich ablehnte – doch dann viel sein Blick auf ein höchst bemerkenswertes Detail. Dieser Interessent schien überraschenderweise über eine eigene Merchantman zu verfügen, die ein mehr als beachtliches Asset darstellten würde. Leider ließ der Besitzer nur wenig Erfahrung in dem von ihnen gesuchten Bereich erkennen, doch das mochte täuschen. Auf jeden Fall würde ein Blick in diesem Fall sicher nicht schaden, auch wenn die aktuellen Konkurrenten wesentlich bessere Referenzen aufweisen konnten.

Kurz entschlossen hinterließ er eine weitere Nachricht und schlug wie bei den bisherigen Treffen ein lokales Hotel als Treffpunkt vor. Zwar hatte Danvers offenbar tatsächlich eine vielversprechende Immobilie für ihre neue Firma auftun können, doch musste dort noch einiges an Arbeit investiert werden. Der Captain der „Pegasus“ wollte es vermeiden, dass potentielle Kandidaten gleich beim ersten Treffen absprangen, nur weil ihr Hauptquartier zum aktuellen Zeitpunkt noch eher einem alten Schrottplatz glich. Darüber hinaus hatte sich gezeigt, dass der kleine abgeschiedene Saal, den er im „Merlot“ für seine Treffen angemietet hatte, für seine Zwecke ideal war. Viele der Bewerber waren das Ambiente nicht gewohnt und boten daher eine Einsicht in ihren Charakter. Das war zwar nicht unbedingt nett, aber zweckdienlich. Er sah auf seine Uhr, dann widmete er sich seinem zweiten Anliegen und studierte die Aufenthaltsorte einiger interessanter Kandidaten.

Am nächsten Morgen stand er in aller Frühe auf und machte sich erneut auf den Weg zum „Merlon“. Auf den Straßen herrschte bereits rege Betriebsamkeit, als er das Hotel schließlich erreichte und vom Empfang freundlich begrüßt wurde. Nach einem ausgiebigen Frühstück zog er sich schließlich zurück und empfing seinen ersten Termin.

Vier Stunden später dehnte er leicht erschöpft seine Glieder, nachdem er einen weiteren Termin verabschiedet hatte. Wenigstens hatte es sich heute gelohnt. Gleich zwei Kandidaten erfüllten die Voraussetzungen und konnten mit einer guten Reputation aufwarten. Eigentlich gab es nichts zu beanstanden und dennoch war der Boreaner aus nicht näher ersichtlichem Grunde nicht so recht zufrieden. Dann schüttelte er den Kopf und verschob diese Gedanken erst einmal auf später. Ein weiterer Blick auf die Uhr teilte ihm mit, dass sein letzter Termin an diesem Tag in Kürze eintreffen sollte. Er blickte auf das Dossier vor sich. Es handelte sich um einen Ethan Fox, doch abgesehen von einer Erwähnung der Merchantman konnte er nicht viel über diesen Mann in Erfahrung bringen. Aus Erfahrung wusste er jedoch, dass das nichts heißen musste.

Tanner

RP Charakter Tanner SC

  • »Tanner« ist der Autor dieses Themas

Titel: ***

  • Nachricht senden

24

06.03.2015, 11:19

Das Personal des „Merlon“ wurde seinem Ruf wirklich mehr als gerecht. Bereits wenige Minuten nach der Verabschiedung seines vorangegangenen Gastes war der Tisch bereits wieder neu eingedeckt. Statt Gebäck befand sich nun eine Keramikschüssel mit einer großen Variation an Obst in der Mitte des Tisches. Dominiert wurde der farbenfrohe Blickfang von einer großen Ananas, die geradezu zum Hineinbeißen einlud. Nun, zumindest wenn man sich etwas aus Ananas machte. Tanner lehnte sich auf dem bequemen Stuhl zurück und warf noch einmal einen Blick auf das Datapad, auf dem sich die Nachricht von Mr. Ethan Fox befand. Der Text war kurz und knapp gehalten gewesen und hatte erstaunlich wenige Informationen beinhaltet. Unter normalen Umständen hätte er keinen weiteren Gedanken daran verschwendet, doch die Merchantman war einfach zu verlockend gewesen. Kein anderer Kandidat hatte auch nur ansatzweise mit etwas vergleichbarem aufwarten können. Das rechtfertigte zumindest einen Blick, auch wenn ein großes Schiff natürlich nicht alles war. Zumindest war das ursprünglich seine Motivation gewesen.

Mittlerweile war er auch unabhängig davon glücklich, dass er Mr. Fox nicht einfach ausselektiert hatte. Irgendwie hatte seine Bewerbung, je öfters er sie überflog, etwas erfrischend anderes. Sicher, aus rein wirtschaftlicher Sicht war ein Treffen mit einer Partei, die keinerlei Referenzen aufweisen könnte oder wollte, reine Zeitverschwendung. Und doch… bisher hatte ihm bei jedem Gespräch, auch bei den zweien, die sich für ihn in der engeren Auswahl befanden, etwas gefehlt. Er blickte aus dem Fenster auf die belebte Straße, auf der die letzten Regentropfen des frühen Vormittags von der Sonne verdunsteten.

Er konnte eigentlich gar nicht so genau sagen, was ihm fehlte. Captain Paxton beispielsweise betrieb bereits seit Jahrzehnten einen schwunghaften Handel, hatte eine gute Reputation und verlangte einen fairen Preis. Auch Mr. Stratholm von der Magnussen Handels-Corporation hatte eine interessante Offerte gemacht. Zwar konnten sie mit Paxtons Preis nicht mithalten, doch bot ihre Systemübergreifende Infrastruktur andere Vorteile. Beide hatten das Potential, vertrauenswürdige und gute Geschäftspartner zu werden. Und dennoch… der Boreaner rieb sich geistesabwesend den Nacken und blickte erneut auf den Zeitmesser auf seinem Handgelenk. In diesem Moment klopfte es und ein Angestellter des „Merlon“ geleitete zwei Personen in den Raum, bevor er sich mit einem kurzen Nicken wortlos verabschiedete und die Tür geräuschlos wieder hinter sich schloss.

Der Captain der „Pegasus“ blickte überrascht auf. Mr. Fox hatte nicht erwähnt, dass er in Begleitung erscheinen würde – noch dazu in Form einer umwerfenden rothaarigen Frau, die sich im Gegensatz zu ihrem Begleiter erst einmal aufmerksam im Raum umzusehen schien. Der Mann, bei dem es sich wohl um Ethan Fox handelte, schien von direkterer Natur zu sein und kam umgehend auf ihn zu, bis er direkt vor dem Tisch stand.

„Tanner Mirabel, nehme ich an?“

Der Boreaner setzte ein freundliches Lächeln auf und erhob sich aus seinem Stuhl.

„Sie nehmen richtig an. Sie müssen Ethan Fox sein. Bitte, nehmen doch Platz und fühlen Sie sich wie zu Hause. Und Sie sind, Miss?“

Fox

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: ***

  • Nachricht senden

25

06.03.2015, 12:59

Chloe zeigte ein warmes, breites Lächeln und ergriff die Hand ihres Gegenüber.

“Miss Fox, Sir. Neben meinem Bruder bin ich die andere Hälfte von Fox Twins Ltd, aber das haben sie natürlich schon längst erkannt. Es freut mich außerordentlich Sie kennenzulernen, Mister Mirabel.”

Ihr potentieller neuer Arbeitgeber war ganz anders, als Chloe ihn sich vorgestellt hatte, aber er bot ihr galant einen Platz an und zeigte ein anziehendes Lächeln und ein selbstsicheres Auftreten. Der rothaarigen jungen Frau wurde etwas klamm in der Brust und ihre Zuversicht schwand ein wenig. Dieser Mann hatte sicher schon viel erlebt und wusste genau was er wollte. Das machte ihn attraktiv, aber er würde die beiden unerfahrenen Geschwister bestimmt mit skeptischen Nachfragen auseinandernehmen und zügig herausfinden, dass sie eigentlich nicht viel zu bieten hatten. Außer Eny’s Schiff vielleicht.
Chloe schloss kurz die Augen und wagte dann einen forschen Angriff. Dieser war eben manchmal die beste Verteidigung.

“Mister Mirabel, bevor wir die Qualifikationen auf den Tisch legen und Sie unsere Kompetenzen sezieren, lassen Sie mich bitte kurz etwas sagen.”

Sie räusperte sich und versuchte gegen die schwach schimmernden, hektischen Flecken anzukämpfen, die sich auf ihrem Hals und Dekolleté ausbreiteten.

“Wie Sie zweifellos bemerkt haben, sind wir als Handelsunternehmen noch recht unerfahren. Sie suchen Spezialisten, die am besten einen Erfahrungsschatz, Connections und die skrupellose Händlerseele mitbringen, die für diesen Job erforderlich ist.”

Chloe atmete tief durch.

“Lassen wir mal kurz beiseite, womit wir uns schwer tun, sondern, was wir Ihnen bieten können. Nun, Sir… nicht nur Sie sind auf der Suche, sondern wir auch. Und wir suchen nicht nach irgendeinem Geschäftspartner… einem Mann, der unsere Leistung bezahlt und beide Seiten versuchen dabei den meisten Profit herauszuholen. Nein, was wir suchen ist…”

Ihre Augen richteten sich einen Moment in die Ferne.

“... ein zu Hause. Einen Platz, im übertragenen Sinne, an dem wir leben können. Wo wir uns wohl und geborgen fühlen, wo wir Vertrauen finden und Vertrauen geben können. Aber auch einen Ort, für den wir sorgen können, und den wir, wenn es sein muss, bis auf das letzte verteidigen werden. Wir kommen von Terra, Mister Mirabel, und was wir bieten können, ist innovativer Eifer, Engagement und Motivation.”

Chloe sah den Mann mit einer hochgezogenen Braue an. Sie wusste, sie hatte mit dieser Rede viel riskiert und wenn es schief ging, würde Ethan sie vermutlich lynchen.

“Wenn es also das ist, was Sie suchen, Mister Mirabel, wenn Sie mehr Wert auf die inneren, formbaren Aspekte legen, als auf die formalen… tja, dann sind Sie unser Mann und wir ihre… äh Twins.”

Sie lächelte unbeholfen.

“Achso, was wir natürlich noch bieten, sind drei Schiffe, eines davon eine Merchantman, wie Sie wissen. Sie gehört unserem… Freund und Geschäftspartner, Mister Enyalios. Also? Was sagen Sie? Ethan, möchtest du noch etwas ergänzen?”

Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

26

06.03.2015, 15:18

Diese Ansprache seiner Schwester kam überraschend und er hatte große Mühe um sich nach Außen nichts anmerken zu lassen. Es war allerdings keine schlechte Idee, wie er fand. Denn immerhin hatten sie wirklich nur ein Schiff anzubieten, was nicht einmal ihnen selbst gehörte und ansonsten war da... Nichts. Chloe hatte den typischen Gesprächsablauf torpediert und ihnen damit eine Möglichkeit geboten, selbst die Initiative zu übernehmen.

Er nickte seiner Schwester mit einem lächeln zu und wendete sich nun selbst an den Boreaner.

"Sie sehen, Mister Mirabel, auch wir haben gewisse Ansprüche und Erwartungen an so eine Zusammenarbeit und dafür sind wir auch bereit, alles zu investieren. Sie werden sicher schon mit einigen anderen Bewerbern gesprochen haben und ich vermute, deren Prioritäten lagen ausschließlich bei der Bezahlung. Da unsere Prioritäten jedoch woanders liegen, bin ich zuversichtlich, dass wir uns einig werden könnten."

Er betrachtete sein Gegenüber für einen kurzen Augenblick und wechselte dann mit einem freundlichen Lächeln das Thema.

"Und jetzt Mister Mirabel, erzählen Sie uns doch ein wenig über den Outpost...."


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Tanner

RP Charakter Tanner SC

  • »Tanner« ist der Autor dieses Themas

Titel: ***

  • Nachricht senden

27

06.03.2015, 17:53

Äußerlich zeigte Tanner keine Regung, doch innerlich war ihm für einen Moment der Kiefer heruntergefallen – der unerwartete Vorstoß der rothaarigen Frau hatte ihn geradezu überfahren. In all den Gesprächen, die er im Laufe der Jahre uns insbesondere in den letzten Tagen geführt hatte, hatte er so etwas noch nicht erlebt.

Auch konnte er sich nicht entsinnen, dass ein Bewerber auf der Suche nach einem Job ihm gegenüber je das Gespräch damit eröffnet hatte, auf die eigenen Schwächen in genau den Bereichen aufmerksam zu machen, nach denen er suchte. Und doch… mit einem Schlag wurde ihm klar, dass diese Beiden vor ihm genau das waren, was er suchte – und was er bei den bisherigen Gesprächen vermisst hatte. Eigentlich hatte es Miss Fox unwissentlich genau auf den Punkt gebracht: Eigentlich war er von Anfang an auf der Suche nach jemandem gewesen, der über das Geschäft hinaus an ihrer Organisation interessiert war. Jemand, der… wie hatte sie es doch ausgedrückt? Jemand, der ein Zuhause suchte und für den Geld nicht alles war.

Der Captain der „Pegasus“ nickte, während der männliche Zwilling noch ein paar ergänzende Worte hinzufügte und gab seinen beiden Gesprächspartnern im Anschluss wie gewünscht einen kurzen Abriss über den Outpost, ihre Zielsetzungen und ihre aktuellen Projekte. Darüber hinaus offerierte er ihnen ihre potentielle Bezahlung, die gemessen an den Standards leicht überdurchschnittlich sein würde – insbesondere, wenn man ihre mangelnde Erfahrung berücksichtigte. Gleichzeitig arbeitete sein Gehirn auf Hochtouren und versuchte abzuwägen, worauf er sich einließ.

Sein wirtschaftlicher Verstand mahnte ihn zur Vorsicht, zumal die Logistik und der Nachschub für sie von essentieller Bedeutung sein würden. Das galt insbesondere für Zeiten, in denen sie möglicherweise außerhalb des bekannten Raumes operieren mussten. Hier Leute einzusetzen, die keinerlei Referenzen oder Erfahrungen aufweisen konnten, war bestenfalls töricht. Dennoch… er hatte nie vergessen, wie es ein kleiner boreanischer Waisenjunge ohne Vorkenntnisse jeglicher Art mit nichts anderem als innovativem Eifer, Engagement und Motivation bis zum Captain eines Raumschiffs gebracht hatte. Wenn er eins gelernt hatte dann war es das: Erfahrung war nicht alles, Kenntnisse konnte man erwerben.

Als er schließlich seinen Monolog beendete und in die Gesichter der beiden Anwesenden blickte, hatte er seine Entscheidung getroffen. Die Fakten mochten dagegen sprechen, doch sein Bauchgefühl riet ihm, dass das Risiko sich lohnen würde. Er war sich allerdings ziemlich sicher, dass Danvers ihn für verrückt erklären würde, wenn sie darüber reden würden, doch er war sich ebenso sicher, dass sie seine Beweggründe letztendlich verstehen würde.

Er lehnte sich leicht nach vorne und stützte seine Ellbogen auf dem Tisch auf, während er die Hände zu einer Raute faltete. Dann blickte er die beiden Interessenten erwartungsvoll an.

„Nachdem ich ihnen nun einen Überblick über den Outpost verschafft habe und sie mir sehr eindrucksvoll mitgeteilt haben, wo ihre Stärken und ihre Schwächen liegen bliebe eigentlich nur noch die Frage, ob sie auch weiterhin interessiert sind. Was mich betrifft, haben sie mich überzeugt und wir können wir uns eine nähere, wie hatten sie es ausgedrückt, Sezierung ihrer Fähigkeiten sparen.“

Er machte eine kurze Pause, fuhr dann jedoch fort.

Eins sollte ihnen jedoch klar sein: Es wird ein hartes Stück Arbeit und sie beide werden sich mit all ihrer Kraft reinhängen müssen, um sich das anzueignen, was ihre Mitbewerber ihnen aktuell noch an Wissen voraushaben. Wenn sie meinen, dass sie das schaffen können, dann haben sie ihr zu Hause gefunden. Dann sind sie genau das, wonach ich suche und damit meine…“

Er warf einen Blick in die Augen der attraktiven rothaarigen Frau und schmunzelte

„… Twins. Was sagen sie dazu?“

Fox

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: ***

  • Nachricht senden

28

06.03.2015, 18:17

Chloe grinste ihn verschmitzt an.

“Mister Mirabel, uns beiden ist in unserem Leben noch nie etwas geschenkt worden. Wir kennen es gar nicht anders, als für unsere Ziele hart zu arbeiten.”

Chloe war überraschenderweise sehr angetan von dem Projekt, welches Mirabel ihnen vorgestellt hatte. Zuerst war sie sich sicher, dass Ihre eigene Rede bloß Show war. Ein gewagter Trick, um an den Job zu kommen. Um letztendlich doch so viel Kohle wie möglich abzugreifen und die Rebellen damit zu unterstützen.

Aber je mehr Minuten verstrichen, desto stärker wurde ihr bewusst: es war doch keine Show. Es war tatsächlich das, was sie in ihrem Inneren suchte. Ein Platz… wo man sie respektierte und wo sie sich zu Hause fühlen konnte. Keinen kleinen Laden, der unter der Verantwortung, die man selbst tragen musste, zusammenbrach. Keinen hübschen Anführer, der zwar viel Charisma versprühte, aber sie sonst nur ausnutzte und ins Bett zerrte, wenn ihm danach war.

Nein, im Innern sehnte sie sich nach einem Ort, an dem die Gefahr und die Sorgen klein waren und Vertrauen und Respekt in den Vordergrund rückten. Aber war sie auch bereit, dafür… für so egoistische Bedürfnisse… ihre Ideologie über Bord zu werfen? Und würde Sie beim Outpost überhaupt das finden, wonach sie suchte?

Sie zögerte nur kurz und beschloss dann, das Risiko einzugehen. Sie sah kurz ihren Bruder an, suchte Zustimmung in seinen Augen und streckte Mirabel dann die Hand entgegen.

“Ich würde sagen, ich darf Sie beglückwünschen, Mister Mirabel. Sie haben sich soeben Fox Twins Logistics an Bord geholt.”

Mirabel schüttelte die Hand freudig und hielt ergriff dann auch Ethans.

“Das freut mich sehr. Mister Fox, diese Entscheidung ist auch in Ihrem Sinne?”

Ethan nickte.

“Sie haben meine Schwester gehört, Mister Mirabel. Auf eine gute Zusammenarbeit. Wie geht es nun weiter?”

Mirabel kratzte sich am Kopf.

“Nun, das Unternehmen ist in einigen Bereichen noch in der Entwicklungsphase, momentan bauen wir einen Firmensitz in... “

Er schien kurz zu überlegen.

“... New York, hier auf der Erde auf. Ich würde sagen, wir bleiben in Kontakt und treffen uns so in zwei Wochen dort. Die genaue Adresse lasse ich Ihnen noch zukommen.”

“Einverstanden.”

Chloe und Ethan erhoben sich. Sie zog ihren recht kurzen Rock glatt.

“Ich freue mich schon sehr darauf. Es war schön, Sie kennengelernt zu haben.”

Die drei verabschiedeten sich und verließen das Hotel. Chloe hakte sich bei Ethan ein und ging beschwingt und mit einem guten Gefühl in Richtung Transferverbindung zum Raumhafen. Sie war gespannt, was Eny von dem Deal halten würde…

Candrielle

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Hamburg

  • Nachricht senden

29

06.03.2015, 20:45

Währenddessen..

Erde, Boston

Die Straßen von Eagle Hill waren bei Tage bestenfalls schäbig. Ein Wind der nach den unerfreulichen Überresten der letzten Nacht roch, trieb Verpackungsfetzen und die zertrampelten Reste von Einwegbechern vor sich her.
Die Gassen waren zu dicht bebaut, die grauen Fassaden zu hoch. Hier her verirrte sich nur für wenige Minuten am Tag einmal ein Sonnenstrahl.
Nathaniel Grey lehnte an einer dieser Fassaden, den altmodischen Hut tief ins Gesicht gezogen, und beobachtete gelangweilt die vorbei hetzenden Passanten. Eine junge Mutter zerrte ein quäkendes Kind hinter sich her während jede Bewegung, jeder fahrige Blick aus den gelblich verfärbten Augen geradezu ihren übertriebenen Speed-Konsum heraus schrie.
Ein paar Geschäftsleute die sich wohl verlaufen hatten, irrten mit unsicherer und enttäuscht wirkender Miene in die entgegen gesetzte Richtung und versuchten Krampfhaft der jungen Frau blos keinen Blick zuzuwerfen.

Nathaniel verabscheute diesen Ort. Alles war irgendwie gekünzelt. Selbst diese junge Mutter wirkte wie von einem schlechten Drehbuchautoren hierher versetzt. Jederzeit hätte ein feuerspuckender Riese im Bikini um die Ecke kommen können, ohne dass Nate allzu überrascht gewesen wäre.
Er bekam einfach kein Gefühl für diese Stadt – oder den ganzen Planeten, was das anging. Ständig wurde man daran erinnert, wie alt dies oder jenes war. Der überhebliche Stolz der Bevölkerung des menschlichen Ursprungs. Als ob es so viel an dieser Vergangenheit gäbe, auf dass diese Menschen so stolz sein konnten.

Der vergangene Abend war nicht gut gelaufen und Nate musste zugeben, dass dies seine Laune vielleicht beeinflusste.
Zuerst hatte der Johnson ihn über eine Stunde warten lassen. Welcher Idiot war auf die brillante Idee gekommen, jeden Hehler oder Händler fragwürdiger Waren Johnson zu nennen, als würde das irgendeinen Einfluss auf deren Ansehen oder Legalität haben?
Er hatte ihn also warten lassen nur um dann mit einem schmierig entschuldigenden Lächeln zu betonen, wie leid es ihm täte, aber leider hätte der Bedarf an Idonischem Whisky stark nachgelassen. Er könnte einfach keine Kunden finden die auch noch an den Fässern in Nates Frachtraum interessiert wären. Wenn Nate allerdings mit der Hälfte des Preises zufrieden wäre..
Nate war nicht zufrieden gewesen und gegangen. Und seit dem schlenderte er durch dieses Viertel, trank hier und dort ein Bier – eins der wenigen Dinge, die ihm auf der Erde tatsächlich besser schmeckten als andernorts – und suchte nach einer Idee, die seinem Flug hier her zumindest noch einen kleinen Rest an Nutzen bringen könnte.

Kara

Stellv. Gildenleitung

Titel: RP-Queen

  • Nachricht senden

30

07.03.2015, 08:53

“Also abgemacht? Du trägst das Zeug da raus und darfst alles behalten und verticken, was du wertvolles findest. Okay? Keine nachfolgenden Ansprüche mehr.”

Carol lächelte einen dünnen Mann an, der sich ständig an den Oberarmen zu kratzen schien und überaus unstet wirkte.

“Ich… ich weiß nicht, Warbird. Was ist, wenn bei dem Schrott nichts dabei ist? Weißt du wieviel Arbeit das ist, die Antigrav-Heber nach New York zu karren und die Halle leer zu räumen?”

“Eddie, Eddie, Eddie…”

Sie legte einen Arm um ihn und bemühte sich, das Ekelgefühl zu unterdrücken. Der Typ stank nach dem Gift, mit dem er seinen Körper täglich ruinierte.

“Das ist doch kein Schrott, das ist ein Reichtum aus interstellaren Artefakten. Sag mir mal bitte, wer dir sonst uneingeschränkt so einen Schatz überlässt. Du musst nur hinfliegen und dich bedienen. Einfach abgreifen und wieder verkaufen. Das ist schnelles Geld! Du brauchst doch schnelles Geld, nicht wahr, Eddie?”

Er kratzte sich an den Oberarmen. Carol vermutete, dass seine nächste Dosis überfällig war.

“J… ja, natürlich.”

“Dann haben wir einen Deal? Komm schon, du bist mein Kumpel, aber wenn du dich anstellst wie ne Jungfrau beim Anstich, muss ich mir jemanden suchen, der eine Gelegenheit erkennen kann.”

Der Junkie und Hehler ergriff ihre Hand.

“Schon gut Warbird, alles klar. Ich hole das Zeug morgen ab.”

Carol nickte.

“Alles klar. Wir sehen uns, Eddie.”

Sie verließ die kleine, versiffte Wohnung und trat ins Freie in eine dunkle Gasse. Der Geruch, der ihr entgegenschlug war keinen Deut besser. Eagle Hill… sie hasste diesen Teil Bostons, aber irgendwie gehört er auch schon immer zu ihrem Leben dazu. Und wenn man Geschäfte bestimmter Art machen wollte, kam man nicht darum herum, sich hier durch den menschlichen Dreck zu wühlen.
Sie ging einige Meter weiter, als sie vor einer Bar anhielt. Den ganzen Tag hatte sie sich gut gehalten, aber jetzt wo sie hier war… sie brauchte einen Drink. Dringend. Sie würde dafür töten. Ja, sie wollte damit aufhören, aber… Gott, was war schon ein Drink? Nur einer? Gar nichts war das.
Carol ging an einer kleinen Gestalt mit altmodischem Hut vorbei, die sie kaum bemerkte und öffnete die Tür der finsteren Kneipe. Ein dichter Nebel von Zigarettenqualm kam ihr entgegen. Wenige Sekunden später war sie darin verschwunden.

Nach einer halben Stunde wurde die Tür aufgestoßen und ein großer Kerl mit einem fetten Wanst und einer schmierigen Schürze stapfte heraus. Er hatte Carol am Hals gepackt und schob sie vor sich her ins Freie.

“Du dämliche Fotze wirst es nicht noch einmal wagen, meinen Laden zu beleidigen und dann auch noch die Zeche prellen zu wollen. Her mit der Kohle!”

Carol japste nach Luft und griff nach der Hand des Barbesitzers.

“Das… war keine Beleidigung, du Fettcontainer, dein Whiskey, den du verscherbelst, ist eine Zumutung! Womit streckt du das Zeug, mit Rattenpisse?”

Der große Typ knurrte.

“Und das fiel dir auch schon auf, nachdem du die halbe Flasche geleert hast, was? Du zahlst dafür, dass das klar ist!”

Die blonde Frau hustete.

“Von wegen! Du müsstest mir was zahlen, Schmerzensgeld!”

Das Gesicht des Barbesitzers rötete sich erst vor Zorn, doch dann grinste er lüstern und lockerte den Griff etwas.

“Hör zu, du kleine Schlampe, ich verstehe schon. Du wolltest dir einen genehmigen, bist aber pleite. Hey, ich kann das verstehen, mit mir kann man doch reden. Es gibt andere Möglichkeiten, mit denen du bezahlen kannst.”

Er griff ihr mit der freien Hand grob an die Brust. Carol zeigte ein gequältes Lächeln und berührte ihn vorne an der Hose.

“Du meinst… das würdest du für mich tun?”

Sie beobachtete, wie ein Speichelfaden von seinem Mundwinkel hinabhing und griff kräftig zu. Der Fettsack jaulte auf und ließ sie los. Im gleichen Moment ließ Carol ihren Kopf vorschnellen. Ein deutliches, metallenes Geräusch erklang.

“Ploing.”

Dann brach mit einem Krachen die Nase des Barbesitzers. Er taumelte benommen zurück und setzte sich auf fetten Hintern. Carol holte aus und trat ihm mit dem Knie gegen die Schläfe. Der große Mann sackte in sich zusammen und rührte sich nicht mehr. Carol spie aus.

“Auch wenn mir Captain Logan in den Arsch tritt, dich fettes Stück Drek schaffe ich mit Links und vier Promille.”

Sie trat ein paar wackelige Schritte zurück, um zu verschnaufen. Dann wirbelte sie herum, als sie plötzlich hinter sich ein Klatschen hörte. Es war der hagere Mann mit dem Hut, der ihr offenbar amüsiert Beifall spendete.

„Nicht schlecht Lady, sauber erlegt. Extra dafür das Metall im Schädel?”

Carol versuchte die Gestalt im Zwielicht zu erkennen, aber ihr Gesicht lag im Schatten der Kopfbedeckung verborgen.

“Die Vanduul haben mir einen Teil davon weggeschossen.”

“Mmm. Jungveteranin hm?”

Die Blondine blinzelte.

“Das ist noch freundlich ausgedrückt. Man könnte auch ‘abgehalftertes Kriegsopfer’ sagen. Wer bist du?”

Er trat auf sie zu und jetzt konnte Carol ein Lächeln erkennen.

“Nate. Keine Sorge, ich tu dir nichts.”

Carol entspannte sich und wischte sich mit einem Ärmel das Blut des Barbesitzers von der Stirn.

“Dann tu ich dir auch nichts. Ich bin Carol. Manchmal… früher auch Warbird. Das hier…”

Sie deutete auf den bewusstlosen Haufen Elend.

“... das wollte ich eigentlich gar nicht. Ich wollte nur einen anständigen Schluck zu trinken haben. Aber das ist in dieser Ecke wohl nicht möglich.”

Nate lachte mit einem heiseren Kichern.

“Zumindest nicht, wenn du Whiskey willst. Es sei denn, du triffst jemanden wie… mich.”

Er holte aus der Innentasche seiner Jacke eine kleine Metallflasche heraus und hielt sie Carol hin. Diese beäugte sie misstrauisch.

“Was ist das?”

Nate fummelte einen Zigarrenstumpen aus einer anderen Tasche und klemmte ihn sich zwischen die Zähne.

“Kein Vertrauen hm? Keine Sorge, is einfach nur nen guter Tropfen.”

Die ehemalige Soldatin zögerte noch einen Moment, dann nahm sie einen Schluck. Ihr Gesicht erhellte sich.

“Wow. Das ist gut. Sehr gut sogar. Idonisch, richtig?”

Nate hob eine Augenbraue und Carol genehmigte sich noch einen Schluck.

“Nicht Dein erster Whiskey, hm?”

“Nein. Leider.”

Sie reichte ihm die Flasche zurück.

“Gutes Zeug. Woher hast du es?”

Nate zog zufrieden schmatzend an seiner Zigarre.

“Mehr? Ich hab noch ein paar Fässer davon auf meinem Schiff. Mir ist da… gerade ein Deal geplatzt, wenn du also die Glückliche sein willst, die diese Gelegenheit ausnutzen möchte?”

Carol lachte und schüttelte dann den Kopf.

“Sorry Nate, lass mal gut sein, ich versuche eigentlich gerade davon loszukommen.”

Sie beobachtete ihn und strich sich nachdenklich über die kahle Schädelseite.

“Aber vielleicht… habe ich ja noch ein anderes Angebot für dich.”

Er sah sie überrascht an und schien dann mit sich zu hadern. Schließlich lächelte er entschuldigend.

“Nett von dir, ‘Warbird’, aber wir kennen uns kaum und ich will mir nichts einfangen. Außerdem…”

Carol hob drohend einen Zeigefinger.

“Ich bin keine Nutte, Chummer, sei vorsichtig, was du sagst. Ich bin heute in Nasenbrechstimmung.”

Nate hob die Hände.

“Oh. hey, nichts für Ungut. Um was geht’s denn dann?”

Carol dachte kurz nach.

“Ich gehöre normalerweise nicht in dieses Viertel, meine Angelegenheiten hier waren… eher Zufall. Stattdessen gehöre ich zu den Gründern eines neuen Unternehmens mit dem Namen Outpost 7. Wir sind auf die Suche und Bergung von wertvollen Artefakten ausgerichtet, unser neuestes Projekt ist das Auffinden der Artemis.”

Sie sah ihn an.

“Das Unternehmen ist noch im Aufbau und wir benötigen noch einige Mitarbeiter und… Kooperationspartner. Unter anderem auch Leute, die sich in der Galaxie auskennen… die viel herumgekommen sind und überall Kontakte haben. Spezialisten für Beschaffung und Transport von… Dingen. Dinge, um die vielleicht auch kein Aufsehen gemacht werden sollte. Und um ehrlich zu sein, Mister Nate, scheint es mir fast so, als könnten Sie jemand sein, auf den diese Beschreibung zutrifft.”

Der Mann mit dem großen Hut wirkte übertrieben desinteressiert und bugsierte seine Zigarre von einem in den anderen Mundwinkel.

“Schon möglich. Aber ich arbeite nicht für irgendwelche Firmen.”

Carol strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht.

“Wir sind nicht irgendeine Coorporation. Bei uns zählen nicht nur die Credits. Bei uns geht es um Exploration und die Geheimnisse des Alls. Aber auch um Vertrauen, Zusammenarbeit und Sicherheit. Wenn du uns bescheißen oder hintergehen willst, bist du dran. Aber sonst bieten wir dir ein großes Maß an individuellen Freiheiten. Wenn wir dich nicht brauchen, kannst du deinem Treiben nachgehen wie du möchtest. An jedem Erfolg wirst du beteiligt, das sichert dir ein regelmäßiges Einkommen und ein wenig Sicherheit. Du wirst immer einen Ort haben, wo du bleiben kannst und Gesellschaft findest. Und du wirst Aufträge haben, die du für uns erledigen musst. Dafür musst du dir keine Sorgen mehr machen, ob du deinen geklauten Whiskey loswirst.”

Er inhalierte das Nikotin und sah sie nur ausdruckslos an. Gegen diesen Typen würde Carol nicht pokern wollen. Sie griff in ihre Jackentasche und zog eine kleine Karte heraus. Es war eine behelfsmäßige Visitenkarte mit dem Firmennamen, Tanners und ihren Kontaktdaten und der Adresse der Lagerhalle in New York.

“Hör zu, Nate, denk einfach darüber nach. Wir haben schon Händler und Söldner, Aufklärer und Bergungskräfte. Jemand wie du, würde mir noch gut ins Konzept passen.”

Was Mirabel zu dieser Gestalt sagen würde, wusste Carol allerdings nicht. Sie hielt Nate die kleine Karte hin und dieser nahm sie unwillig entgegen. Ein Fingerabdruck mit dem Blut des Barbesitzers war zu sehen.

“Falls du doch noch Interesse hast, melde dich einfach. Ich verschwinde jetzt hier und brauche dringend eine Dusche. Viel Glück mit deinem Whiskey.”

Carol verschwand in den Schatten und hoffte, sich in dem kleinen Mann mit dem Hut nicht getäuscht zu haben.

Taya

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: Miss Facepalm

  • Nachricht senden

31

08.04.2015, 15:38

Missmutig lenkte Jessie die Interceptor in den Boxenhangar. Der sechste Platz… so hatte sie sich das nicht vorgestellt. Marv würde toben.

Das Rennschiff hatte einige Schrammen abbekommen und als die junge Frau es unsanft aufsetzte, knirschte die Aufhängung der Landeräder. Von der Boxencrew, sofern sie diesen Namen verdiente, war weit und breit nichts zu sehen. Wo mochten sie hin sein? Vermutlich war ihnen schon ein Licht aufgegangen, dass Jessica sie nicht würde bezahlen können.

Sie öffnete das Cockpit der kleinen M50 und verließ das Schiff. Die Rennpilotin streckte sich müde, als das Aufleuchten eines Bildschirmes ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Das dunkelhäutige Gesicht eines genervt aussehenden Mannes erschien darauf.

„Das war SCHEISSE, Bandit, der letzte Dreck! Sechster Platz, Himmel, Mädchen, was ist mit dir los?!“

Jessie zog eine Schublade heraus und kramte nach einem olivfarbenen Tabaksbeutel.

„Halt die Fresse, Marv. Ich bin gut geflogen. Hätte die 350 mich zum Schluss nicht abgedrängt, wäre es anders ausgegangen. Das hätte geahndet werden müssen.“

Der Mann auf dem Bildschirm hob drohend einen Finger.

„Aber natürlich, immer sind die anderen Schuld. Soll ich dir was sagen, Bandit?! Du bist jetzt in der Loser-Liga und solltest lieber mal etwas für deine Konzentration und Kondition tun, als andauernd diesen Shit zu rauchen. Das hier ist nicht mehr der Murray Cup, da wärest du mit dem sechsten Platz gut bedient gewesen, das war ein beschissenes, terranisches Hinterhofrennen, und da gibt es keinen müden Credit, wenn man nicht unter die Top 5 kommt!“

Provokativ nahm sie ein kleines Stück Papier zur Hand und begann sich eine Zigarette zu drehen.

„Ich sagte doch, halt die Fresse, Marv.“

Das dunkle Gesicht des Mannes verfärbte sich noch düsterer.

„Vorsicht, Miss James, du solltest so nicht mit mir reden. Ich bin für dich das, was einem Agenten am nächsten kommt. Du kannst froh sein, wenn ich überhaupt nochmal einen Sponsor für dich an Land ziehen kann. Hast du schon mal überlegt, wie du das alles bezahlen willst? Die Reparaturen, den Stellplatz, eine Boxencrew… mich? Du wirst jetzt exakt das tun, was ich dir sage, denn du hast keine andere Wahl!“

Jessie steckte sich die Kippe in den Mundwinkel und zündete sie an.

„Oh doch, Marv. Es gibt immer eine Wahl.“

Sie inhalierte einmal tief.

„Du bist gefeuert, Arschgeige.“

Jessica legte einen Schalter um und der Bildschirm wurde dunkel. Ein paar Sekunden lang genoss sie die Ruhe in dem Boxenhangar. Sie wusste, damit war es schon bald vorbei, sie musste bald raus. Aber wohin? Auch wenn sie es nicht zugeben wollte, Marv hatte Recht, sie war pleite. Also, wohin? Zu Jadon? Pah, sie hatte das alles so satt. Es reichte, sie würde die andere Option wählen, auch wenn sie es vielleicht bereuen sollte. Aber was bliebe ihr sonst? Sie brauchte Geld. Und sie brauchte dazu Hilfe. Und sie wusste schon von wem… Ethan Fox!

Der Kerl hatte zwar etwas von einem Mathe-Nerd und sein albernes Gehabe um seine achso geliebte Zwillingsschwester, das naive Blödchen, die Matratze von Jadon, das nervte Jessica James tierisch. Aber sonst war er echt in Ordnung. Er hatte immer ein Ohr für sie gehabt, sowohl damals in der Ingenieursausbildung, wo die beiden sich kennengelernt hatten, wie auch später in der AFT. Er stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Jessie lächelte. Und er stand ja sowas von auf ihren Arsch und ihre Titten. Manche Männer ließen sich unter bestimmten Umständen leicht manipulieren, und vielleicht gehörte Ethan in ihrem Fall dazu. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie beide noch nicht im Bett gelandet waren… aber was nicht war, konnte ja noch werden.
Sie nahm einen kleinen Zettel zur Hand, auf dem eine Kommunikationsfrequenz notiert worden war und begann an der Konsole eine Verbindung herzustellen. Jessica war gespannt. Wenn das, was sie gehört hatte, wahr war, gondelte Ethan zusammen mit seiner dämlichen Schwester inzwischen auf einer Merchantman durch die Gegend, geradezu unglaublich! Wie hatte er das nur angestellt? Er war der richtige, das hatte Jess im Gefühl, an ihn musste sie sich wenden.

Nach ein paar Sekunden ging der Bildschirm erneut an und Ethans Gesicht erschien. Jessica war verblüfft. Er sah… gut aus, sehr gut sogar. Gar nicht wie ein Nerd, sondern eher wie ein…

„Hey, Geschäftsmann!“

Fox lächelte erfreut.

„Bandit! Na das ist ja eine Überraschung! Es ist schön dich zu sehen, lange nichts mehr gehört von dir. Wie bist du denn an diese Frequenz gekommen? Und was machen die Rennen? Fliegst du allen davon?“

Jessica erwiderte das Lächeln.

„Ich freue mich auch dich zu sehen. Ach, weißt du… es geht so.“

Ihr Gesicht wurde ernster.

„Nein… nein, eigentlich trifft es das nicht. Im Grunde ist alles scheiße. Ich sitze ziemlich auf dem Trockenen, habe kein Geld für Investitionen in mein Schiff oder meine Crew, und so laufen die Rennen nicht besonders.“

Ethan sah sie mitleidig an.

„Das tut mir Leid, Jess. Manchmal ist das Leben echt ungerecht. Kann ich dir irgendwie helfen?“

Sie sah zu Boden.

„Nun… das habe ich gehofft, deshalb rufe ich an. Wie man hört, geht es euch ziemlich gut. Fox Twins Logistics? Peinlicher Name zwar, aber hey, ihr seid jetzt im Big Business, fliegt mit einer Merchantman umher, arbeitet für eine große Firma und so.“

Fox hob überrascht eine Augenbraue und sah sie dann nachdenklich an.

„Das hört man so? Wirklich? Nun, Bandit, du weißt, ich würde viel für dich tun, aber wenn du mich anpumpen willst, so muss ich dir sagen, dass unser Schiff nur gemietet ist und das Geschäft erst noch…“

„Nein, nicht doch! Sowas würde ich doch nie tun!“

Jessica setzte ein möglichst verletztes Gesicht auf.

„Nein, Ethan, wirklich nicht, das wäre auch keine Lösung. Ich muss… mich irgendwie umorientieren. Die Rennen bringen es zur Zeit nicht und dieser ganze Scheiß bei der AFT… komm schon du weißt doch was ich meine. Jadon redet viel, während er sich durch die weiblichen Rebellenmitglieder vögelt, aber passiert irgendwas? Das ganze ist irgendwie… hohl, wie der Rest meines Lebens, und muss irgendwie neu gefüllt werden. Und vielleicht…“

Ein kokettes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

„… vielleicht kannst du ja ein Teil dieser neuen Füllung sein. Du arbeitest du neuerdings für diese neue archäologische Gesellschaft, oder? Wie war der Name? Outpost 7?“

Ethan sah sie wieder überrascht an.

„Ich staune, wie gut du informiert bist. Ja, das ist richtig.“

Jessica nickte.

„Kannst du da nicht irgendetwas für mich drehen? Mich auch da reinbringen? Du weißt, ich habe meine Talente, ich verlange auch nicht viel und würde alle arbeiten machen. Bitte, kannst du nicht mal schauen, was da möglich ist? Es würde mir einen festen Platz und ein festes Einkommen bescheren, und außerdem… nun, ich wäre in deiner Nähe.“

Sie grinste amüsiert.

„Das würdest du bestimmt nicht bereuen.“

Ein hoffnungsvoll fragender Blick schlich sich in ihr Gesicht.


Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

32

09.04.2015, 12:44

Sein Herzschlag erhöhte sich schlagartig, als er ihr Gesicht auf dem Monitor erblickte. Er hatte sie schon lange nicht mehr gesehen und sie sah noch attraktiver aus, als er in Erinnerung hatte.
Sie schien aber mit der AFT ebenso wenig Glück gehabt zu haben, wie auch seine Schwester und er selber. Aber dass dieser Jadon keine Ahnung hatte, war ja nun nichts Neues. Ethan wollte ihr gerne helfen, aber er wusste auch, dass er nicht einfach mit diesem Tanner reden und nach einem Job für Jessie fragen konnte.
Aber alleine die Aussicht wieder in ihrer Nähe sein zu können, mit ihr zu reden, zu arbeiten… und vielleicht auch mehr… das war für den neuen Unternehmer Anreiz genug um einen Weg zu finden. Zugegeben, das war nicht unbedingt sein Verstand, der da die Entscheidung traf.
Aber neben ihrer Anziehungskraft auf Ethan hatte sie ja auch einige andere Talente, die sicher gut zu gebrauchen wären.

Er dachte einen Moment lang nach, bevor ihm eine Idee in den Sinn kam.

“Jess, ich kann dir nicht mal eben zu einem Job im Outpost verhelfen, dazu fehlt mir leider der Einfluss. Wir haben ja selber erst vor ein paar Tagen dort angefangen.”

Das lächeln verschwand langsam aus ihrem Gesicht und Ethan konnte eine leichte Enttäuschung sehen.

“Aber es gibt vielleicht eine Möglichkeit, wie ich zumindest den Kontakt für dich herstellen kann. Allerdings...”

Sie blickte ihn forschend an.

“... hat die Sache einen Haken?”

Ethan fing an zu grinsen und kratze sich verlegen am Hinterkopf.

“Sowas in der Art.”

Jessica lehnte sich ungeduldig nach vorne zum Bildschirm.

“Na los, spuck’s schon aus.”

Ethan wurde wieder ernst und erklärte seine Idee.

“In ein paar Wochen gibt es ein Treffen im Firmensitz des Outpost. Ich könnte dich vielleicht dorthin mitnehmen und jemandem vorstellen, der was zu sagen hat. Ich habe bisher auch nur Einen von dem Laden kennengelernt.”

Er machte eine kurze Pause.

“Ich kann da aber nicht nach belieben irgendwelche Leute anschleppen. Wenn du allerdings für FTL arbeiten würdest, dann könnte ich dich sicher als Teil unseres Teams reinbringen.
Der Haken an der Sache ist, dass wir dich nicht wirklich bezahlen können, weil wir selber fast pleite sind und die Aufträge vom Outpost erst noch kommen. Und dazu kommt noch,...”

Er sah sie etwas verlegen an.

“dass Chloe dem auch zustimmen muss. Denn du arbeitest dann auch für sie. Wenn du einverstanden bist, kann ich mit ihr reden und mal sehen, was sie dazu sagt.”

Er wartete einen Augenblick auf ihre Reaktion.

“Also was denkst du?”


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Taya

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: Miss Facepalm

  • Nachricht senden

33

09.04.2015, 13:59

Jessica James starrte den jungen Mann auf dem Bildschirm für einige Sekunden ausdruckslos an. Dann schnippte sie die Zigarette achtlos in eine Ecke des kleinen Hangars.

„Lass mich das nochmal rekapitulieren, Buddy. Das einzige, was du für mich tun kannst, ist mir einen UNBEZAHLTEN Job zu besorgen für eine Person wie ausgerechnet deine Schwester? Wow, also ich muss schon sagen… nicht gerade eine Verbesserung meiner Situation.“

Sie schwieg einen Moment und dachte nach.

„Also schön. Wenn dafür die Möglichkeit dabei herauskommt, bei diesem komischen Outpost angestellt zu werden… bin ich bereit, das Risiko einzugehen. Besorg mir wenigstens etwas zu essen, Treibstoff für mein Schiff und einen Platz zum Schlafen und ich bin eventuell dazu in der Lage, deine Schwester für ein bis zwei Wochen zu ertragen. Übermittle mir die Koordinaten von eurer Merchantman an meine Navi-Frequenz und ich mache mich gleich auf dem Weg. Bandit, Ende.“

Sie unterbrach die Kommunikation und packte ihr weniges Hab und Gut in den kleinen Stauraum der M50. Ein akustisches Signal bestätigte den Empfang der Koordinaten und Jessie startete den Antrieb. Das lief zwar nicht ganz so wie gedacht, aber es war ein Anfang. Die Teilnahme an diesem Treffen mit dem Outpost 7 war die ideale Gelegenheit. Sie würde sich gut vorbereiten müssen, um es nicht zu versauen.

Kurz darauf verließ die Interceptor den terranischen Orbit und nahm Kurs in Richtung Erde.


Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

34

09.04.2015, 16:59

Es war gar nicht so schlecht, dass Jessica die Verbindung einfach gekappt hat. Denn Ethan fehlten in dem Moment auch irgendwie die Worte. Danke für deine Mühe, Ethan. Natürlich war es nicht das beste Angebot, das es gibt. Aber wer braucht hier denn Hilfe? Und so richtig was anzubieten hatte sie ja auch nicht. Blöde Kuh.. dachte er sich und musste dabei noch ein wenig grinsen.
Ihr vorlautes Mundwerk sorge zwar öfters für Verstimmung, aber es war auch eine Eigenschaft, die er an ihr mochte. So hat er sie damals schon kennengelernt und er machte sich meist nicht viel daraus. Es war auch irgendwie einfacher, wenn man eine Meinung direkt bekommt und nicht um den heißen Brei geredet wird.

Nach einigen Augenblicken sendete er ihr noch schnell die Koordinaten und Atmete erstmal tief durch. Jetzt hab ich erstmal die Arschkarte, irgendwie muss ich Chloe von der Idee überzeugen...
Er wanderte eine Weile ziellos im Schiff umher und dachte darüber nach, wie er das am besten anstellen sollte. Er landete irgendwann im Wohnbereich des Schiffes bzw. in dem einzigen Raum, den man so nennen konnte. Es war im Grunde nur ein einfacher Gemeinschaftsraum mit einem großen Tisch und ein paar Stühlen.
Chloe saß gerade mit einem alten Buch am Tisch, als sie ihren Bruder bemerkte.

“Hey Ethan, wie läuft’s? Kommst du mit dem Schiff zurecht, oder siehst du immer noch nicht durch?”

“Naja geht so. Eny hilft zwar mit den Details wo er kann, aber das ist keine Aurora. Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich weiß, wofür das ganze Zeug gut ist. Und du?”

Er setzte sich neben sie an den Tisch und sah sich an, womit sich seine Schwester gerade beschäftigt.

“‘Jenseits von Angebot und Nachfrage’... wo hast du das denn her? Nicht gerade ein Standardwerk. Hab gehört, es soll gut sein, vermutlich können wir daraus noch eine Menge über den Handel lernen.”

Er musterte sie für einen Augenblick und war der Meinung, dass der Zeitpunkt nicht so schlecht war.

“Ich hatte gerade eine Nachricht von einem unserer AFT Freunde. Sie hat gefragt, ob wir ihr nicht ein wenig Helfen könnten, weil es bei ihr wohl genauso mies lief, wie bei uns.”

Während Chloe’s Interesse geweckt war, beobachtete Ethan seine Schwester aufmerksam. Schon das kleinste Anzeichen von Zweifel oder Skepsis wäre nicht sehr gut gewesen.

“Sie hat von unserer Beteiligung am Outpost gelesen und will mitmachen. Ich hab ihr gesagt, dass es höchstens eine Kontaktmöglichkeit auf der Eröffnungsfeier geben könnte, aber da kommt sie nur hin, wenn sie vorher für uns arbeiten würde.
Bezahlung will sie natürlich keine, nur ein Quartier und was zu essen. Aber das haben wir ja hier auf dem Schiff alles. Sie könnte mir als Ingenieurin zur Hand gehen und Raumschiffe fliegen kann sie auch ganz passabel.”

Chloe wirkte schon etwas misstrauisch und Ethan setzte ein bittendes Lächeln auf.

“Und es wäre nur für zwei Wochen. Wärst du damit einverstanden?”


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Fox

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: ***

  • Nachricht senden

35

13.04.2015, 07:47

Chloe sah ihren Zwillingsbruder leicht irritiert an.

“So ganz komme ich da nicht mit. Sie will beim Outpost angestellt werden und damit das klappt, soll sie vorher für uns arbeiten? Also entweder sie bewirbt sich direkt beim Outpost und ist dann dort Mitarbeiterin, oder sie gehört zu unserer Crew und wird von uns bezahlt und ist damit indirekt auch Mitglied beim Outpost. Wenn aber…”

Die Worte, die nun folgen sollten, blieben Chloe geradezu auf der Zunge kleben, als sie die Erkenntnis wie eine Bratpfanne ins Gesicht traf. Ihr Blick wurde eindringlich und bohrend.

“Moment, einen Augenblick. AFT Freunde? Wir reden doch hier nicht etwa von ‘Bandit’ Jessie James, oder? Diese Rennfahrer-Schlampe? Diese dreiste, unmögliche Kuh? Oder? Sag mir, dass es nicht diese Frau ist, die du hier auf unser Schiff holen willst!”

Ihr Bruder errötete und schien nicht genau zu wissen, was er sagen sollte.

“Nun, äh… also weißt du...”

Chloe spie beinahe aus.

“Ich wusste es. Wie kannst du das auch nur in Betracht ziehen? Diese Person… bringt unser ganzes Unternehmen in Gefahr! Hat sie Talent? Oh ja, mag sein. Dass sie passabel fliegen kann, ist die Untertreibung des Jahres, Ethan. Aber sie reißt alles wieder ein und richtet sich selbst zu Grunde. Durch Drogen, durch Verschwendung, durch ihre Launenhaftigkeit. Wenn man den Gerüchten glauben kann, feuert sie ständig ihre Manager und Crews. So jemanden willst Du zu FTL ins Boot holen?”

Fassungslosigkeit war ihr ins Gesicht geschrieben. Ethan runzelte verärgert die Stirn.

“Findest du nicht, dass du da übertreibst? Mag sein, dass es bei ihr momentan nicht so ganz rund läuft, dennoch ist sie ein gewieftes Mädchen und eine gute Pilotin, was sie bei der AFT auch bewiesen hat. Und sein wann hörst du auf Gerüchte? Kann es sein, dass du in deine Bewertung da zu viel Persönliches hineinfließen lässt? Dass ihr euch beide nicht grün seid, ist nicht gerade ein Geheimnis. Außerdem wäre es doch nur für zwei Wochen, danach hat sie entweder ihren eigenen Job beim Outpost, oder sie wird woanders nach Arbeit suchen. Denkst du nicht, dass du das aushalten kannst?”

Chloe presste die Lippen fest aufeinander.

“Wage es nicht, mir persönliche Befangenheit vorzuwerfen, DU willst sie doch nur hier haben, weil du immer noch hoffst, dass sich dich mal an ihr herumspielen lässt. Hat sie dir das im Gegenzug vielleicht versprochen, hm?”

Ethan schnappte nach Luft und Chloe sah ein wenig beschämt zu Boden. Die Entrüstung ihres Bruders wirkte nicht gespielt, so dass sie das Gefühl bekam, zu weit gegangen zu sein. War sie wirklich zu befangen? War es vielleicht sogar eine günstige Gelegenheit, dieses vorerst kostenlose Unterstützung zu bekommen? Was sollte sie tun?
Ethan schien sich unterdessen wieder gefangen zu haben, war aber immer noch wütend.

“Chloe, du weißt ich stehe sonst immer hinter dir und deiner Meinung, aber das jetzt ist…”

“... schon gut!”

Die rothaarige Frau hatte die Hände gehoben.

“Entschuldige bitte. Ich gebe nach, du hast gewonnen. Zwei Wochen, bis zu diesem Treffen in New York, nicht länger. Und du bist für diese Frau und ihr Tun verantwortlich, und wenn ich merke, dass ihre Anwesenheit unsere Firma negativ beeinträchtigt, schmeiße ich sie höchstpersönlich von Bord.”

Ethan verschränkte die Arme, nickte dann wenig zufrieden und verließ den Raum. Chloe seufzte. Sie hasste es, mit ihrem Bruder zu streiten, was selten genug vorkam. Aber es gab gewisse Dinge, bei denen sie ab und zu nicht übereinkamen. Und meistens betrafen diese Dinge geschlechtsspezifische Themen, ob sie nun Jadon Korov oder Jessica James hießen.

Tanner

RP Charakter Tanner SC

  • »Tanner« ist der Autor dieses Themas

Titel: ***

  • Nachricht senden

36

16.04.2015, 09:31

Zwischenzeitlich im Orbit zwischen Mond und Erde

Mirabel genoss innerlich die Aussicht auf den friedlich unter ihm liegenden Planeten, als der mittelgroße Passagier-Raumer, auf dem er sich befand, eine leichte Kursänderung durchführte und mit dem Wiedereintritt in die Atmosphäre begann. Flammenzungen schienen kurzzeitig über die äußere Hülle zu lecken und bildeten ein spektakuläres Bild, dessen Naturgewalt leider nicht jeder an Bord zu schätzen wusste. Seufzend überhörte er das kurzweilige Gespräch zweier Teenager, die sich von dem Schauspiel deutlich gelangweilt fühlten. Aber das war wohl der Preis des Fortschritts. In einer Welt, in der die Wunder der Vergangenheit zu etwas alltäglichem geworden waren blieb wohl nicht mehr viel Raum für die Wertschätzung der ganz normalen Dinge. Er schüttelte leicht den Kopf und lehnte sich tiefer in seinen bequemen Sessel.

Dann ließ er seinen Blick langsam über das Deck und seine Sitzreihen gleiten. Abgesehen von zwei älteren Ehepaaren,deren aristokratische Wurzeln unübersehbar waren, den zwei Teenagern und einem allein reisenden Mann mittleren Alters war die Kabine leer. Das überraschte Mirabel etwas. Normalerweise waren die Reisen zwischen dem Mond und der Erde gut besucht und ein Grund dafür, dass der Boreaner sich gegen das Beiboot der „Pegasus“ und für einen gewöhnlichen Linienflug entschieden hatte. Er liebte es, hin und wieder unter Leute zu kommen und ihren unterschiedlichen Geschichten zu lauschen. Dabei ging es ihm weniger um Gerüchte, aus denen er einen finanziellen Vorteil schlagen konnte – dafür war das Ambiente nicht geeignet. Es bewegte ihn vielmehr, dass die Menschen während solcher Flüge... besonders menschlich waren. Während dieser kurzen Zeitspanne gaben sich Viele größtenteils ungezwungen und redeten offen über das, was sie bewegte, ohne dabei näher auf potentielle Zuhörer zu achten. Daher wusste er, dass das eine ältere Ehepaar auf dem Weg zu ihrem Sohn auf der Erde war, dessen Frau vor kurzem einen Sohn zur Welt gebracht hatte während das andere ältere Paar einfach einmal die Erde verlassen wollte, um etwas Neues zu erleben. Die Teenager dagegen hatten den Mond im Rahmen eines Austauschprojektes ihrer Schule besucht. Manchmal jedoch konnte auch einfach das Schweigen eines Menschen eine Geschichte erzählen. Der allein reisende Mann hatte seinen Platz während der gesamten Reise nicht verlassen. In der Hand hielt er die Abbildung einer älteren Frau, die er mit einem versteinerten Blick und müden Augen durchweg fixiert hielt. Freud und Leid lagen bei diesen Geschichten oft nah beieinander. Bei diesem Gedanken konzentrierte er sich wieder auf den Grund seiner Reise.

Leider hatte sein Besuch auf dem Mond keine nennenswerten Erfolge gebracht. Gute Bergungsspezialisten waren rar und die, die für sie in Frage kamen, noch dünner gesäht. Das lag unter anderem daran, dass es sich leider bei vielen Angehörigen dieses Berufsstandes um Gauner handelte, die nicht zögern würden, auch illegale Operationen durchzuführen, solange am Ende die Kasse stimmte. Der Wettbewerb war hart und die Konkurrenz schlief nicht. Das hatte er selbst am eigenen Leib mehrfach erfahren müssen. In manchen äußeren Systemen war die Lage so schlimm, dass die Besatzung eines gestrandeten Schiffes sich eher die Arme abhacken würde als einen Notruf auszusenden, der möglicherweise ein Bergungsschiff anziehen könnte, dessen Crew lieber ein verlassenes Wrack aufbrachte als Hilfe bei den Reparaturen zu leisten. Die Grenze zwischen legaler Bergung und offener Piraterie war in solchen Gegenden eher ein fließendes Konzept. Mirabel seufzte und streckte sich leicht, während er noch einmal die Daten seines letzten Gesprächspartners durchsah. Jack Albright hatte zunächst nach einem Glückstreffer ausgesehen: Sein Hintergrund schien sauber zu sein, er hatte reichlich Erfahrung bei Bergungsoperationen in den Kernwelten und verfügte darüber hinaus über die Papiere für eine Reclaimer. Leider ging aus den zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht hervor, dass der Mann direkt vor seinem Treffen mit dem Captain der „Pegasus“ seine Ehefrau und deren Liebhaber niedergeschossen hatte, worauf zwei schwer bewaffnete Polizeieinheiten die Tür seines Besprechungszimmers eingetreten hatten und ihn mitnahmen. Damit war Mirabel wieder am Anfang gewesen.

Ein Lichtblick hatte sich jedoch ergeben, als eines seiner Spähprogramme ihm auf seinem Rückweg zur Erde einen vertrauten Namen präsentierte: Nero Corleone. Mirabel hatte nie direkt mit ihm zusammen gearbeitet, bei zwei Aufträgen in grauer Vorzeit waren sie mal Konkurenten um das selbe Bergegut gewesen. Er genoß in Fachkreisen eine gute Reputation, auch wenn es vor nicht allzu langer Zeit wohl ein Problem gegeben hatte, bei dem der eigentliche Besitzer mit der Bergung nicht einverstanden gewesen war. Der nicht ganz so öffentlich einsehbare Polizeibericht hatte Corleone jedoch von allen Vorwürfen freigesprochen – das und sein persönliches Wissen reichte Mirabel, um ein persönliches Gespräch in Erwägung zu ziehen.

Am Raumhafen angekommen erkundigte sich der Boreaner nach dem Liegeplatz der „Grave Digger“, nachdem er sich zuvor dagegen entschieden hatte, Corleone vorab über sein Kommen zu informieren. Er behielt gerne die Initiative und Bergungsspezialisten waren eh nicht die umgangsfreudigsten Gestalten - das konnte insbesondere für Mitbewerber gelten, die einem in der Vergangenheit das Bergungsgut strittig gemacht hatten. An der Reclaimer wurde Mirabel jedoch enttäuscht – offenbar war der Captain des Schiffs bereits vor längerer Zeit in Richtung Raumhafen aufgebrochen, ohne dass sein genauer Zielort bekannt gewesen wäre. Der Archäologe in ihm dachte nach. Am wahrscheinlichsten war, das Corleone sich entweder auf der Suche nach etwas Abwechslung befand oder nach einem neuen Auftrag umsehen würde. In beiden Fällen wäre sein Ziel eine der beliebtesten Bars auf dem äußeren Gelände des Raumhafens. Beiläufig ließ er seinen Blick über die imposante Gestalt des Bergungskreuzers wandern, der ihn schmerzlich an den Verlust der „Rockhopper“ erinnerte und machte sich dann auf den Weg.

Nachdem der Besuch des ersten Etablissements auf seinem Weg nichts ergeben hatte, betrat er nun eine weitere Bar und blieb im Eingangsbereich stehen. Die Bars auf der Erde waren letzten Endes auch nicht anders als sonstwo, doch hatten sie – je nachdem, wo man seine Zeit verbrachte – den Vorteil, dass man bei Auseinandersetzungen nicht gleich erschossen wurde und der Laden nicht völlig versifft war. Aufmerksam sondierte er die Umgebung, während sich zwei Männer mit langen Mänteln an ihm vorbeischoben. Einer von ihnen setzte eine holografische Brille auf, mit der er den Raum zu scannen schien während der andere gewichtig dreinschaute. Tanner schüttelte den Kopf. Wirkliche Verbrecher ließen sich auf den Kernwelten nicht sehen, zu groß war die Gefahr schon beim Anflug entdeckt zu werden – und Kleinkriminelle lohnten einen solchen Aufwand nicht, wenn sie denn überhaupt mit dieser Technologie erfasst wurden. Bei den beiden Kopfgeldjägern handelte es sich entweder um blutige Anfänger oder um Leute, die einfach nur cool wirken wollten. In beiden Fällen war ihr Vorgehen nicht gerade schlau, zumal viele ordnungsliebende Bürger es hier nicht gerade gerne sahen, wenn sie auf ihrer Welt von Kopfgeldjägern wie potentielle Verbrecher durchleuchtet wurden.

Der Ärger ließ demzufolge auch nicht lange auf sich warten, als ein gutes halbes Dutzend Gäste sich den Möchtegern-Kopfgeldjägern von mehreren Seiten näherten und ihrem Unmut lautstark Gehör verschafften. In diesem Moment erspähte der Captain der „Pegasus“ Corleone, der mit dem Rücken zu ihm an der Bar saß und den Radau hinter ihm offenbar zu ignorieren gedachte. Mirabel atmete durch und setzte sich in Bewegung, als der Streit zwischen den beiden zerstrittenen Parteien offenbar eskalierte. Zwei schnelle Fäustschläge schickten einen der Einheimischen zu Boden, worauf für einen Sekundenbruchteil eine kurze Stille eintrat, in dem lediglich die dumpfe Musik zu hören war. Dann brach die Hölle los und überall entstanden Handgemenge. Wie bei solchen Anlässen üblich nutzten auch Unbeteiligte die Gelegenheit, dem Nächstbesten eine Flasche oder einem Stuhl überzuziehen und innerhalb kürzester Zeit herrschte das Chaos. Mirabel setzte sich mit ein paar Schritten in eine ruhige Ecke ab und betrachtete das Geschehen. Interessiert verfolgte er die Reaktion von Corleone, die hauptsächlich darin bestand, dass er keine zeigte. Während um ihn herum Männer zu Boden gingen und Flaschen und Stühle zerbarsten, griff er in Ruhe nach einem Bierartigen Getränk, dass bis zu diesem Moment vor ihm gestanden hatte. Auch als einer der vermeintlichen Kopfgeldjäger gegen die Theke geschleudert wurde und dabei das Glas des Bergungsspezialisten unglücklich mit einem Scheppern zerschmetterte, zeigte er wenig mehr Regung als sich langsam die Flüssigkeit vom Jackenärmel zu streichen. Als der junge Hitzkopf diese Geste jedoch scheinbar als Angriff wertete und zu einer Flasche auf dem Tresen griff, reagierte er blitzschnell, sprang von seinem Stuhl auf und schickte den Angreifer mit einem einzigen wuchtigen Schlag zu Boden.

Zum Unglück für den Captain der „Grave Digger“ fand dieser Vorfall in dem Moment statt, als die alarmierten Sicherheitskräfte die Bar stürmten, wodurch seine Beteiligung dem befehlshabenden Lieutenant offenbar in einem eindeutigen Licht erschien. Letzten Endes hätte es aber wohl keinen Unterschied gemacht, da alle Anwesenden von den Sicherheitskräften vorerst festgenommen wurden. So kam es, dass auch Mirabel sich kurze Zeit später mit dem Rest der Anwesenden in einer von zwei Großraumzellen wieder fand.

Dort angekommen sah er sich um. Viele der Gestalten in dem Raum waren mehr oder weniger angeschlagen, doch Corleone konnte er nicht entdecken. In diesem Moment stellte sich jemand neben ihn und ergriff mit rauer Stimme das Wort:

„Das Universum ist ein kleiner Ort, nicht wahr, Mirabel?“

Der Captain der „Pegasus“ ärgerte sich innerlich. Offenbar war Corleone bereits länger über seine Anwesenheit informiert gewesen. Er wusste nicht, ob ihm einer der Dockarbeiter, bei denen er sich über den gebürtigen New Yorker informiert hatte einen Tipp gegeben hatte oder ob er ihn beim Betreten der Bar entdeckt und erkannt hatte – aber die Katze war offenbar aus dem Sack.

„Stimmt, manchmal kleiner als zu anderen Zeiten, Corleone.“
Der bärtige Mann lachte trocken.

„Ich denke wir sind quitt, was die Vergangenheit angeht. Da du mich wohl kaum der guten alten Zeiten wegen suchst, nehme ich an, dass es um einen Job geht.“

Mirabel lächelte trocken und deutete dann mit einem Kopfnicken auf eine etwas abgelegenere Ecke. Dort gab er dem Bergungsspezialisten einen kurzen Abriss über seine Pläne und das, was sie bisher vorzuweisen hatten. Dann machte er dem Captain der „Grave Digger“ dasselbe Angebot wie zuvor schon den Geschwistern Fox: Eine lukrative Arbeit mit langfristigem Engagement als Teil einer größeren Familie. Als er geendet hatte, lehnte er sich an die Gitter der Arrestzelle und blickte erwartungsvoll in das undurchsichtige Poker Face seines Gegenübers.

„Also, was meinst Du?“

Tuan

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: ***

  • Nachricht senden

37

16.04.2015, 09:49

Wie so oft, wenn Fisher alleine zwischen den Sternen unterwegs war und nichts zu tun hatte, als darauf zu warten, an seinem Zielort anzukommen, schweiften seine Gedanken in die Vergangenheit. Mehr als ein halbes Jahrhundert zurück in der Zeit. Eigentlich nichts besonderes für einen Mann seines Alters. Er war sich sicher, dass es vielen Leuten in seinem Alter nicht anders ging. Sie erinnerten sich zurück an ihre Kindheit, wie sorgenlos und frei sie damals umhergetollt waren. Oder vielleicht auch in welcher Scheisse sie damals krochen und sich daraus emporgekämpft hatten - oder auch nicht.
Der Journalist hatte diese Angewohnheit schon bei vielen Menschen beobachtet. Auch wenn der Stand der Technik und die medizinischen Möglichkeiten heutzutage ein langes Leben ermöglichten, bei dem man das Alter und die damit einhergehenden Schwächen seines Körpers kaum noch spürte - vorausgesetzt, man verfügte über das nötige Kleingeld für die entsprechenden Behandlungen - schien das menschliche Gehirn so konstruiert zu sein, dass es ab einem gewissen Zeitpunkt von alleine Kindheits- und Jugenderinnerungen in den Vordergrund rückte. In Erinnerungen an die "goldenen Jahre" zu schwelgen, konnte zumindest für eine Weile aktuelle Probleme aus den Gedanken verdrängen.
Bei Fisher war es nicht anders. Zumindest in der grundsätzlichen theoretischen Form. Tatsächlich jedoch fühlte es sich für ihn nicht so an, als würde er sich 60 Jahre zurück erinnern. Und seine Erinnerungen bestanden nicht aus Augenblicken jugendlichen Frohsinns. Vielmehr hatte er keine Erinnerungen an die letzten 60 Jahre und was damals geschehen war, stand ihm vor Augen, als wäre es gestern gewesen.
In seinem Empfinden hatte er sich vor zwei Jahren von seiner Frau verabschiedet, um an einem wichtigen Ereignis teilzunehmen und darüber zu berichten. Nur um dann bei dem schrecklichen Unfall verletzt zu werden und 60 Jahre lang im Kälteschlaf zu liegen. Als er endlich wieder aufgeweckt wurde, war für ihn keine Zeit vergangen. Nur das ganze Universum hatte sich weiter gedreht und er musste feststellen, dass seine Renya vor 35 Jahren gestorben war, nachdem sie zuvor 23 Jahre lang ohne ihn hatte leben müssen.
Er starrte auf das Bild seiner Frau in seiner Hand, auch wenn er es nicht wirklich wahr nahm. Theoretisch hatte er keine Probleme damit, das Geschehene zu verstehen. Aber auf emotionaler Ebene gab es auch nach zwei Jahren seit seinem Erwachen immer noch eine Blockade, welche ihn in solchen Augenblicken des Sinnierens in eine Art Dämmerzustand versetzte. Er sah das Gesicht seiner Renya, ihre liebevollen Augen, in deren Tiefen er auch nach über 30 Jahren Ehe immer noch hatte versinken können, ihre langen Haare, die er gerne durch seine Finger hatte gleiten lassen. Er hörte die Gespräche der anderen Passagiere. Frisch gebackene Grosseltern, die sich darauf freuten, ihr Enkelkind zu besuchen. Ein Ehepaar, dass sich eine kurze Auszeit aus dem eintönigen Alltag genommen hatte, bevor sie zu alt dafür wurden. Jugendliche, die es kaum erwarten konnten, endlich wieder mit ihren Freunden durch die Strassen ziehen zu können anstatt langweilige Schularbeit auf dem Mond machen zu müssen. Doch das war alles wie ein Rauschen im Hintergrund. Innerlich fühlte sich Fisher einfach nur... leer und müde.
Erst bei der Landung, als die Passagierfähre beim Raumhafen andockte, kämpfte sich der Journalist aus diesem Dämmerzustand und steckte das Bild seiner lange verstorbenen Frau weg. Er hatte es nicht eilig, das Raumschiff zu verlassen, so war er der letzte Passagier, der hinter den beiden älteren Ehepaaren, den beiden jungen Burschen und einem ebenfalls alleine reisenden, etwas verwegen aussehenden Mann, seinen Fuss auf den Ursprungsplaneten der Menschheit setzte.
Die Erde. Es war schon eine Weile her - selbstironisch verzogen sich Fishers Mundwinkel, denn was für ihn "eine Weile" war, war
für den Rest der Galaxis fast 70 Jahre - seit er das letzte Mal hier gewesen war. Bei seinem Beruf war er immer viel unterwegs gewesen und von einem Ende des bekannten Universums zum anderen gereist. Er hatte zwar einen Geburtsort, aber keine Heimat. Nun also hatte es ihn wieder einmal zur Wiege der Menschheit verschlagen.
Ein Knurren im Magen machte ihn darauf aufmerksam, dass die Menschen zwar den Weltraum erobert hatten, gewisse Grundbedürfnisse aber immer noch erfüllt werden wollten. Also steuerte er einen der Schnellimbisse im Raumhafen an und genehmigte sich einen guten alten Hamburger. Niemand wusste genau, wann diese Speise erfunden worden war, aber da sie so einfach wie lecker war, erfreute sie sich nach wie vor grosser Beliebtheit.
Während sich Fisher den letzten Happen seiner Mahlzeit in den Mund schob und die äusseren Bezirke des Raumhaufens langsam hinter sich liess, ertönten plötzlich die trommelfellzerreissenden Sirenen des Raumhafensicherheitsdienstes ganz in der Nähe. Der Journalist in ihm konnte seine Neugier nicht verhehlen und so bog er um eine Ecke, um sehen zu können, was da los war. Allzu viel gab es jedoch nicht zu beobachten. Vor einer Bar standen einige Einsatzfahrzeuge des Sicherheitsdienstes und nach kurzer Zeit wurden mehrere Personen aus der Bar von den Sicherheitskräften abgeführt. Bei einem der verhafteten Männer schien es sich nach einem genaueren Blick um denselben Kerl zu handeln, mit dem Fisher in der Passagierfähre vom Mond zur Erde geflogen war.
Als die Sicherheitskräfte mit ihren Gefangenen davonrauschten, zuckte der Journalist mit den Schultern und hoffte, dass er mehr Glück auf der Erde haben würde als sein Mitreisender.
Ich bin Tuan
Bin Legende
Bin Erinnerung, die Mythos ward
Dies ist meine Geschichte

Sim Russ

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Berlin

  • Nachricht senden

38

12.05.2015, 21:41

2945, Erde, Boston Raumhafen

Sim bewegte sich zielstrebig durch den Raumhafen, wobei er verschiedene Verkäufer für Raumschiffteile und -ausrüstung aufsuchte, ihr Sortiment besah und die für ihn attraktivsten Angebote auf seinem Pad notierte. Darauf machte er sich auf dem Weg zu seinem Schiff und ließ dabei die vergangenen zwei Tage Revue passieren.

Nachdem er sich von Carol verabschiedet hatte, suchte er zunächst seine Wohnung im Herzen von Toronto auf. Es war sein kleines, sauberes Heim, welches mit Ausnahme einer Musikanlage, einem Flachbildfernseher und einem Doppelbett für ihn allein, wenig Luxus aufwies. Er wohnte allein, was ihn aber nicht allzu sehr störte, denn so konnte er sein Junggesellendasein genießen.
Nach einer gescheiten und warmen Mahlzeit gönnte er sich einen langen und gesunden Schlaf, der glücklicherweise mal nicht mit Alpträumen gefüllt war und wachte am nächsten Tag kurz vor Mittag auf. Den Tag gestaltete er mit häuslichen Tätigkeiten, Fitness und anschließender Entspannung. Dabei dachte er erneut an Carols Angebot vom Vortag und drehte sich dabei mit seinen Gedanken im Kreis.
Letztendlich gestand er sich ein, alleine auf keine für ihn zufriedenstellende Lösung zu kommen und nahm sich vor am darauffolgenden Tag mit Jill zu sprechen.

Mittlerweile befand er sich auf seinem Schiff und wurde von seiner KI begrüßt.
„ Hallo Sim, so schnell wieder hier? Hast du mich vermisst?“
„Aber sowas von…gar nicht.“, flachste Sim ,
während er einige Systeme von seinem Schiff hochfuhr.
Eine pikiert klingende Stimme drang durch die Innenlautsprecher des Schiffes.
„ Wie charmant . Hast du so einen ähnlichen Spruch geliefert, als du die Blonde mit dem halbkahlen Schädel vor unserem Schiff getroffen hast? Ohhh, wahrscheinlich, sonst hättest du die ebenfalls hier angeschleppt“, gluckste Jill.
Er hielt inne und schaute überrascht drein.
„ Wie hast du…“
„..das mitbekommen obwohl du die Schiffssysteme auf Standby gestellt hast? Tja, Ruhemodus ist nicht gleich Abschalten und solange ich auf dem Schiff bin sind einige Systeme immer noch aktiv.“, stellte sie amüsiert klar.
Sim grinste:
„ Ich hätte dich `Lynx‘ nennen sollen, aber es war nicht das wonach es aussieht. Ich weiß, das klingt sehr klischeehaft. Die Frau, die du gesehen hast war Carol Danvers, eine alte Bekanntschaft aus meiner Zeit bei der Navy und…sie hat mir ein interessantes Angebot gemacht…“ sagte er und erzählte Jill von der Organisation für die ihn Carol rekrutieren wollte und über dessen Ziele. Sie hörte ihm schweigend zu.
Nachdem er geendet hatte, fragte er sie nach ihrer Meinung, doch sie blieb still.
Erst als Sim nachhakte meldete sie sich.
„Die Artemis … was wir da wohl finden werden?“, äußerte sich Jill gedankenverloren mit einem seltsamen Ton in der Stimme. Sie schien sich die Frage laut gestellt zu haben.
Sim hob eine Braue.
„ Jill, alles in Ordnung?“
„Ich? Was?“, schreckte sie auf und schien erst da zu bemerken das sie laut gedacht hatte,
„…tut mir leid, war in Gedanken vertieft. Ich finde du solltest das Angebot annehmen.“
Er wunderte sich über ihre Reaktion, beließ es aber dabei und diskutierte mit ihr über die Vor- und Nachteile beider Angebote.
Anfangs argumentierte er, dass sich Vedos Angebot mehr lohne, rein aus finanzieller Sicht, da er so schneller an mehr Geld käme.

Jill, die einen Teil ihrer Ressourcen nutzte um mit Sim zu sprechen, nutzte den anderen Teil ihrer Kapazitäten, um über das Schiff auf öffentliche Archive zuzugreifen, wo sie ebenfalls eine Ausschreibung für den Outpost 7 fand, die aber von einem Bergungsspezialisten namens Tanner Mirabel eingestellt worden war.
Sie besah sich an anderer Stelle die Vergangenheit des Mannes in den Akten, zumindest den Teil der einigermaßen öffentlich zugänglich war, ebenso die von Carol Danvers.
Von Carol konnte sie sich kein allzu klares Bild machen und wusste nicht was sie von ihr halten sollte, außer dass sie, soweit sie es am Namen sehen konnte, mit der Pilotin der Artemis verwandt war. Jedoch war sie mehr von Tanner beeindruckt, der bereits in der Vergangenheit einige stattliche Aufträge für anerkannte Museen erledigt hatte.
Sie kam zu dem Schluss, dass sie einen verlässlichen Auftraggeber hatten und selbst wenn sie nicht direkt die Artemis fanden oder weitere Teile die zu ihr hinführten, gab es die Möglichkeit durch Bergung anderer Artefakte an Geld zu kommen.

Sie teilte Sim ihre Überlegungen mit, doch er selbst war noch nicht ganz überzeugt.
Ökonomisch betrachtet nahmen sich beide Angebote nicht viel und es war auch nicht so, dass ihm die mögliche Rolle im Outpost 7, bzw. sein Aufgabengebiet missfiel, im Gegenteil, er würde sich darüber freuen mal etwas anderes als Diebstahl und Mord zu erleben. Er wusste zunächst nicht genau woran es ihm fehlte, doch dann wurde es ihm klar.

Überzeugung.
Seine Aufgaben mit gutem Gewissen und Herz zu erfüllen, sodass er wusste woran er war.
Für Etwas einzustehen, woran er einmal geglaubt hatte, was er verwirklichen wollte.
Dieses Gefühl hatte er bei seinen bisherigen Aufträgen nie verspürt und selbst zu seiner Zeit beim Militär, ging es irgendwann verloren.

Ob willkürlich oder nicht, Jill stellte ihm die folgende Frage.
„ Warum bist du damals der Navy entgegen des Wunsches deines Vaters beigetreten?“
Sim blickte überrascht wegen dem Themenwechsel drein. Er fühlte sich bei seinen Gedanken ertappt.
„ Ich glaub das hat hier jetzt wirklich nichts verloren.“
„Sag es mir.“
Er malte mit seinen Backenzähnen.
„Das ist jetzt so lange her. Es hat sich vieles seitdem getan…ist geschehen…“
„Sag es mir einfach, bitte.“, beharrte sie.
Er atmete tief durch und ordnete seine Gedanken.
„ Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich es in erster Linie tat um es meinen alten Herren einfach heimzuzahlen, was zu einem kleinen Teil im Nachhinein sogar der Wahrheit entspräche.
Jedoch…war das schon vor dieser Zeit. Ich würde rückblickend sagen, es lag weniger an Patriotismus oder Kameradschaftlichkeit, denn sowas kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht…es ist…“, haderte er, „..Jill, das ist jetzt so lange her. Und es ist mir unangenehm.“
Doch seine KI blieb stur und hakte weiter nach.
„Sag es mir. Warum hast du dich in erster Linie zum Kundschafter gemeldet? Du hättest auch Bomber-Pilot oder Pilot eines Abfangjägers sein können.Warum bist du Scout-Pilot geblieben?“
Er wollte wirklich nicht darüber reden, es war ihm zu persönlich. Letztendlich sah er dann aber trotzdem ein, dass sie ihn nicht in Ruhe lassen würde bis er ihr antwortete, denn er wusste wie hartnäckig sie sein konnte.
Er sagte eine Weile nichts, doch dann begann er zu erzählen.
„ Damals, als ich noch jünger war, ich glaube das war um die 14 Jahre, gab es eine Serie über die Besatzung eines Raumschiffes, welche mit diesem fremde Welten entdeckte und Konflikte löste.
Ich war begeistert von den Orten die sie entdecken, vielmehr aber auch von der Bevölkerung und deren Kultur. Ich wollte das auch. Als Erster an einem Ort sein, Geheimnisse aufdecken, Wesen sehen, die niemand vor mir gesehen hat.“, sagte Sim, dabei trat ein seit langer Zeit vergangener Schimmer in seine Augen zurück.
Er musste lächeln. Es war ein leicht verträumtes Lächeln mit einem Anflug von Verlegenheit.
„ Ich weiß, das klingt kindisch, aber so war es damals und während ich älter wurde und Berichte von anderen Missionen, die aus dem echten Leben, sah, wurde ich umso mehr bestärkt.
Sicher, im zivilen Bereich gäbe es auch Möglichkeiten zur Forschung, aber nur beim Militär sah ich weniger Einschränkungen und wesentlich bessere Möglichkeiten an andere Orte zu kommen. Zudem war es abwechslungsreicher, dachte ich mir als Jungerwachsener.
Ich kam in meiner Dienstzeit auch viel rum, zwar meist an Orte wo es Konflikte oder das Potenzial zu diesen gab, aber trotzdem nutzte ich meinen Landurlaub um ruhigere Orte zu sehen.
Aber irgendwann…änderte sich das.“, sagte er und seine Stimme stockte.
Ein Vogel, abgerichtet zum Töten…
„Jedenfalls sah ich die Welt anders und verlor mein damaliges Ziel aus den Augen.“, schloss er rau.

Stille.
Seine KI sagte zunächst nichts, wagte sich dann nach einigen Minuten erneut vor.
„Und was wäre wenn…du von vorn anfängst. Ich meine…sicher. Du würdest deine bisherigen Erlebnisse nicht einfach zurückspulen und vergessen können.
Ihr Menschen könnt es einfach nicht.
Aber angenommen, du würdest erneut mit deinen ursprünglichen Ambitionen an eine Sache herangehen, in der du wesentlich bessere Bedingungen hast deine Träume zu verwirklichen, wo du ungebundener bist, würdest du diese Chance noch einmal nutzen?“
Sim überlegte, war sich unschlüssig, doch dann legte seine KI noch eine Frage nach.
„Was hättest du schon zu verlieren?“
Er rief sich noch einmal sämtliche Argumente zur Erinnerung und wog die Möglichkeiten ab.
Eigentlich nicht viel.
Sim seufzte.
Ich muss wirklich dämlich sein…
„Drauf geschissen.“, fluchte er, „…geben wir diesem Outpost 7 eine Chance. Schauen wir mal mit welchen Leuten wir da zusammenkommen.“
Da kam ihm ein Gedanke.
„Bevor ich aber fest zu sage, habe ich eine Bitte an dich.“
„ Was soll ich tun?“
„Ich möchte, dass du dich erstmal bedeckt hältst. Bevor wir nicht genau wissen mit wem wir es da zu tun haben und wie die Leute ticken, sollten sie nicht von deiner Existenz erfahren.
Wie es momentan um Carol steht kann ich nicht genau sagen, da ich sie auch erst seit langer Zeit wiedergesehen habe. Damals war sie eine vertrauenswürdige Soldatin aber wer weiß, wie sie mittlerweile drauf ist. Noch weniger kann ich was mit diesem Dreckwühler…wie heißt er nochmal?“, erkundigte er sich.
„Tanner Mirabel“, antwortete seine KI, „ aber er ist Archäologe und Bergungsspezialist.“
Sim zuckte mit den Schultern.
„Sag ich doch, Dreckwühler. So wie ich Carol verstanden habe werden Spezialisten aus den verschiedensten Ecken des Universums gesucht und ich hoffe für uns das da keiner dabei ist, der sich einen besonderen Bonus auf dem Schwarzmarkt für eine KI einheimsen will.“
Sie dachte darüber nach.
„Das klingt logisch, also ja. Einverstanden.“, sagte sie dann.

Sim holte sein Datapad hervor, suchte die Nummer die er von Carol bekam, speicherte sie in der Kommunikationsdatenbank des Schiffes und wählte sie über eine nicht-visuelle Verbindung. Er blickte auf die Uhr und stellte fest, dass es früher Nachmittag auf der Erde war. Es wurde eine Verbindung hergestellt.
„ Wer da?“, fragte eine weibliche Stimme. Es war Carol.
„ Hallo Carol, hier Sim. Du hast mich vor kurzem am Raumhafen aufgegabelt und mich gefragt, ob ich deiner Organisation zur Bergung der Artemis beitreten möchte.
Und…ja, ich möchte für euch arbeiten, sofern das Angebot weiterhin steht.“, sagte er.
„Natürlich kannst du noch mitmachen! Sehr schön. Ich find es klasse ein weiteres vertrautes und verlässliches Gesicht im Team zu haben.“, antwortete sie. Nach ihrer Stimme zu urteilen schien sie sich wirklich zu freuen. Doch etwas machte ihn stutzig.
„Weiteres vertrautes Gesicht. Hast du noch andere Ex-Militärs eingeladen?“, fragte er in einem möglichst neutralen Ton. Sie schien irritiert über die Frage.
„Sicher, du glaubst doch nicht dass wir nur Kundschafter brauchen werden, sondern auch Leute die Kampferfahrung haben und generell für unseren Schutz sorgen können. Aber ich kenn die Leute und weiß das man sich auf sie verlassen kann.“
Das werden wir sehen…
„Dann bin ich gespannt sie und die Anderen kennenzulernen.“, sagte er diplomatisch,
„…wann soll ich vorbeischauen?“
Carol ließ sich mit der Antwort ein paar Sekunden Zeit.
„ Wir haben ein Treffen in zwei Wochen in New York angesetzt. Ich schick dir die Koordinaten. Du kannst mit deinem Schiff kommen, Platz sollten wir da genug haben.“
Sim hob eine Braue und dachte kurz nach.
„Klingt vielversprechend. Zwei Wochen? Trifft sich gut, da ich noch einige Dinge erledigen muss, aber ich sollte es rechtzeitig schaffen.“
„Das ist schön zu hören. Wir sehen uns dann in zwei Wochen. Schön dass du dabei bist.“, sagte sie. Darauf verabschiedete er sich und trennte die Verbindung.

Kurz darauf meldete sich Jill zu Wort.
„Da bin ich aber auch gespannt. Was musst du denn für `Dinge erledigen‘?“
„Ich würde gerne das Schiff salonfähig machen, bevor wir da eintreffen. Du weißt schon, erster Eindruck und so. Außerdem…“, sagte er und lächelte verschwörerisch, „…gäbe es da noch eine kleine Überraschung für dich.“
Da wurde sie hellhörig und hakte begeistert nach.
„ Eine Überraschung…ein Geschenk, für mich? Wird es mir gefallen?“

Bevor Sim seine Wohnung an diesem Tag verlassen hatte, erhielt er eine Nachricht von Richard.
„Projekt Vision ist fertig.“
Es war ein weniger komplexes, in eine Körperrüstung integrierbares Stück Hardware, welches eine durchgehende audio-visuelle Verbindung zwischen dem Nutzer und seinem Schiff halten sollte. Einfach ausgedrückt, sollte es im Fall von Sim für Jill möglich sein jederzeit alles zu hören und zu sehen was er wahrnahm, während er sich außerhalb des Schiffes befand.
Sim hatte einmal gehört, das die Soldaten aus dem 21.Jahrhundert eine ähnliche Technologie verwendet haben sollen, nur war sie nicht auf eine KI zugeschnitten. Er fand die Idee praktisch, da Jill ihm somit am Boden taktische Unterstützung liefern konnte.

Nun lächelte Sim übers ganze Gesicht.
„ Ja, es wird ein kleines Upgrate sein von dem wir beide was haben werden. Keine Sorge es ist nichts mit dem du mich bei der Stange halten musst.“
„Wie meinst du das?“, fragte sie verwundert.
Er bezog sich auf die Apparatur, die der ehemalige Besitzer von Jill mit ihr verwendet hatte, doch sie verstand die Anspielung nicht.
„Naja du weißt schon, das Ding mit dem du den Lötkolben deines Vorbesitzers poliert hast.“, grinste er.
„Du weißt, dass er viele technische Sachen gesammelt hat. Darunter waren auch Lötkolben aber ich habe keinen poliert da ich keine….ach du meinst doch nicht etwa…“,stockte sie.
Sein Grinsen zog sich breiter und er fuhr amüsiert fort.
„Genau, das Ding mit dem du sein Holz gehobelt hast.“
„Ich habs ja verstanden…“
„Mit dem du die Palme wedelst…“
„Bitte, werde erwachsen.“, sagte sie genervt.
„Mit dem du die Ein-Hand-Flöte spielst.“, fuhr er ungehindert fort.
Sie seufzte sichtlich genervt.
„Ach Sim du bist so….doof.“
Da kicherte er: „Ich hab dich auch lieb.“

Ähnliche Themen

Thema bewerten