Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Outpost 7 Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

  • »Ethan« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

1

07.01.2018, 19:42

Star Citizen - Ghosts of Danvers’ Past - Band 2

Die Galaxie ist der Schauplatz eines verheerenden Krieges zwischen den Menschen und Vanduul, der bereits unzählige Leben gefordert hat. Die Raumschiffkapitäne, die diesen epischen Konflikt vorantreiben, formen das Universum nach ihrem Willen und sichern so eine nie endende Pattsituation.

Doch gut verborgen bereitet sich eine Expeditionsgruppe vor, gefährliche Geheimnisse aus der Vergangenheit zu offenbaren, um das Schicksal der Menschheit zu verändern. Dies ist ihre Geschichte…


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Vleit Medane

Gildenfreund

Titel: Concierge Black

  • Nachricht senden

2

07.01.2018, 19:43

Captain, James Cutter
Kapitel 1 – Poseidon Industries, 2942 AD

Der Planet Stanton III, oder auch ArcCorp genannt, war eingebettet in industrielle Traditionen. ArcCorp selbst war ein Megakonzern und galt als der mächtigste, den es je gegeben hatte. Durch seine Wirtschaftsmacht war es dem Konzern gelungen den Planeten Stanton III zu kaufen, nur um ihn anschließend nach sich selbst zu benennen. Auf ihm dominierten Konzerne, und die gesamte Kultur wurde von Gesetzen des Wettbewerbes bestimmt. Schon als Kinder lernten die Menschen dort Konflikte zu schätzen. Diese spartanische Philosophie hatte, so glaubten sie, maßgeblich zu ihren Erfolgen beigetragen. Stolz blickten sie auf ihre tapferen Vorfahren zurück, die vor Jahrhunderten eine der unwirklichsten Welten dieser Galaxie besiedelt hatten.

Durch den ständigen Wettbewerb entstanden auf dem Planeten mächtige Konzerne und Firmen, die eine durch und durch kapitalistische Wirtschaft ankurbelten. Die Macht von ArcCorp lag in den Händen seiner untergebenen Megakonzerne, die alle Aspekte der Gesellschaft kontrollierten. Sie kümmerten sich um den Wohnungsbau, das Gesundheitswesen und den Arbeitsmarkt. Sie organisierten die Polizei und erschufen einen hocheffizienten Sicherheitsdienst. Die Konzerne verkörperten den Planeten. Alle Männer, Frauen und Kinder, die eine Bürgerschaft besaßen, wurden einem Konzern zugeteilt. Dort erhielten sie eine Position, die zu ihren natürlichen Fähigkeiten passte. Wer die an ihn gerichteten Erwartungen nicht erfüllte, wurde zum Strandgut einer Gesellschaft, die weder Mitgefühl noch Toleranz kannte.

Poseidon Industries war kein Megakonzern, sondern nur ein Rädchen in der planetaren Wirtschaft von ArcCorp. Konzerne und reiche Einzelpersonen hatten ihnen produzierende Aufträge erteilt. Andere Firmen hätten die gleichen Aufträge für weniger Geld ausgeführt, aber Poseidon galt als eine vernünftige Wahl. Außerdem waren ihre Bestechungsgelder höher und andere Zuwendungen dekadenter ausgefallen als bei ihren Konkurrenten. All das hatte sich hinter verschlossenen Türen abgespielt, in Besprechungsräumen, Managerclubs und großen Anwesen.



Die Sagittaria-Girls stöhnten und schnurrten passend zu seinen rhythmischen Hüftstößen. Sie verstanden es, sein erotisches Verlangen gleichzeitig zu steigern und zu befriedigen. Sie waren nach der gleichnamigen Firma benannt und galten als die besten Begleiterinnen, die man für Geld erwerben konnte. Die drei vollbusigen Schönheiten kamen direkt von ArcCorp.

Vleit Medane, CEO von Poseidon Industries, hatte sich für sie entschieden. Er umgab sich zu jedem Anlass mit Symbolen, die seinen absoluten Reichtum widerspiegelten. An diesem Tag bestand der Anlass in seinem Versuch, die drei Sagittaria-Girls gleichzeitig zu befriedigen. Zweimal hatte er bereits versagt, eine dritte Enttäuschung stand kurz bevor. Ehe es dazu kommen sollte, unterbrach ihn jedoch das InterCom seiner Privatsuite.

„Heben Sie bitte ab, Sir.“ Sagte eine Stimme, die mit der Situation in der Suite vertraut zu sein schien. „Es ist dringend.“ Vleit kümmerte sich nicht darum. Das Stöhnen der Frauen feuerte ihn an. Vielleicht gelang ihm doch noch ein erfolgreicher Abschluss. „Etwas stimmt mit unseren Aktien nicht. Sie sind um acht Prozent gefallen und wir haben die Kontrolle über das halbe Schmiedewerk verloren!“

Vleit Medane unterbrach seine Hüftstöße. Sein eben noch gerötetes Gesicht wurde blass. „Oh..“ Sagte eine der Frauen enttäuscht, als seine Härte aus ihr verschwand. „Was ist passiert?“ Fragte Vleit.



Schwarzes Wasser floss in die Gullys auf beiden Seiten der Straße und wuschen den Staub der in weiter Ferne sichtbaren Fabrik ab. Der nebelartige Regen, der zum Teil durch produzierte Abgase verursacht wurde, sollte noch einige Zeit anhalten. Dunkler Smog hing über den Köpfen der Arbeiter, die durch den Schlamm entlang den Schienen eines längst verfallenen Transportsystems stapften.

Sie kamen aus Metallhütten, die ihnen Schutz und Wärme, aber nur wenige Annehmlichkeiten boten. Endlos erscheinende Reihen dieser spartanischen Hütten bedeckten einen stählernen, hunderte Meter breiten Talkessel. In seiner Mitte stand das Schmiedewerk von Poseidon Industries. In dieser Fabrik wurden Metalllegierungen produziert, die man für Mikrowerkzeuge ebenso wie für die Panzerung von Schiffen benötigte. Es war eine gefährliche und schwierige Arbeit.

An klaren Tagen konnte man die Frachtschiffe sehen, die aus den Wolken dem Kesselrand entgegen schwebten und in riesigen Hangars landeten. Dort luden sie Erze ab, die auf Asteroiden abgebaut wurden, und nahmen die fertigen Produkte mit. Insgesamt gab es vier solcher Hangars von denen die schweren Materialien vom Himmel zum Boden und wieder zurück befördert wurden. Poseidon Industries arbeitete präzise und effizient. Die Produktionszeitpläne mussten eingehalten werden.

Gegenüber von den Hangars, auf der anderen Seite des Talkessels, lebten die Führungskräfte dieser gewaltigen Maschinerie, die Manager und Vorarbeiter, die das mechanische Konzert unter ihnen dirigierten. Ihre luxuriösen, mit allen Annehmlichkeiten ausgestatteten Häuser bildeten einen scharfen Kontrast zu den schmutzigen Metallhütten der Arbeiter weit unter ihnen.

Sie flogen mit Hoverfahrzeugen zur Arbeit. Auf ihrem Weg zum Schmiedewerk berührten ihre Stiefel kein einziges Mal den verschlammten Boden. Sie flogen vorbei an übermüdeten Arbeitern, die auf dem Weg zur Fabrik, der harten Arbeit und dem niedrigen Lohn, der sie erwartete, nur selten aufsahen.

Die Straßen füllten sich rasch mit Menschen. Die Mittagsschicht löste die Frühschicht ab. Normalerweise zogen die meisten die Schultern hoch, stemmten sich gegen die Kälte, den Regen und ihre betäubende Müdigkeit. Doch an diesem Mittag regte sich etwas in der Menschenmenge. Einige Arbeiter gingen hoch Aufrecht und mit entschlossenen Gesichtern ihrem Ziel entgegen, so als wüssten sie, dass dieser Tag anders laufen werde als alle anderen zuvor.

Einer der Arbeiter hinkte stark. Sein Name war, Isaac Owens.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

Gildenfreund

Titel: Concierge Black

  • Nachricht senden

3

07.01.2018, 19:44

Kapitel 2 - Konspiration, 2942 AD

Der Vorarbeiter verbannte jedes Gefühl aus seiner Stimme. „Mr. Owens interessiert sich für Führungsaufgaben in unserer Fabrik.“ Sagte er so ruhig wie möglich. „Ich möchte mich mit ihm in meinem Büro über die freien Positionen unterhalten.“

Ein Wachmann musterte Isaac Owens misstrauisch. Der weißhaarige Arbeiter zwinkerte freundlich. „Habe mal ausnahmsweise Glück, Soldat.“ Sagte er. „Ist ein besonderer Tag.“

„Wo arbeiten Sie normalerweise?“ Fragte der Wachmann.

Isaac lächelte. „Normalerweise marschiere ich da unten in einer der Lastenmaschinen herum. Hab mich schon immer gefragt, wie das wohl von oben aussieht.“

„Okay...“ Sagte der Wachmann. Er trat zur Seite, um beide vorbeizulassen. Der Vorarbeiter sagte nichts, aber innerlich kochte er. Der Mann hätte erkennen müssen, dass er eine Geisel war. Er merkte sich seinen Namen um ihn später zu entlassen. Als sich die Türen hinter ihnen schlossen, zuckte er zusammen.

„Setzen Sie sich an ihr Terminal!“ Befahl Isaac. Der Vorarbeiter spürte die Klinge in seinem Rücken und gehorchte. „Lösen Sie für den West und Nordflügel Kontaminierungsalarm aus. Sofort!“

Der Vorarbeiter blinzelte. „Das kann doch nicht ihr Ern...“ Ein plötzlicher Schmerz ließ ihn verstummen. Isaac presste die Spitze der Klinge an seine Wirbelsäule. „Spielen Sie mit mein Freund, dann wird alles schnell vorbei sein.“ Die zittrigen Finger des Vorarbeiters flogen über die Tastatur.

Der Durchmesser des Schmiedewerkes betrug vom westlichen bis zum östlichen Tor rund fünf Kilometer. In der Mitte befand sich ein Zehn-Terawatt-Reaktor, der die gesamte Anlage, die Hangars und die Wohnanlagen mit Energie versorgte. Abgesehen von einer Bombardierung aus dem Orbit, gab es nur eine wirklich große Gefahr... ein radioaktives Leck. Eine solche Kontaminierung gefährdete alles und jeden in einem Umkreis von sechzig Kilometern.

Als der schrille Ton des Kontaminierungsalarms durch die Fabrik hallte, unterbrachen alle, Arbeiter wie Manager, ihre Tätigkeiten und liefen in einem Massenexodus auf die Ausgänge zu. Hoverfahrzeuge und rennende Menschen tauchten wie Insektenschwärme auf. Ein Countdown verriet ihnen, dass in wenigen Sekunden Bleitüren die nördlichen und westlichen Sektoren versiegeln würden. Wenn das geschehen war, konnte niemand die Fabrik durch diese Eingänge betreten, und diejenigen, die zu langsam reagiert hatten und in den Sektoren gefangen waren, mussten dort bleiben, bis der Notfall vorüber war oder im Ernstfall an einer nuklearen Katastrophe zugrunde gegangen waren. Merkwürdigerweise schienen einige der Arbeiter keine Furcht vor dieser Gefahr zu haben. Stattdessen blieben sie zurück und begaben sich auf wichtige Schlüsselpositionen innerhalb des Werkes.



Der anhaltende Sturzflug der Poseidon Industries Aktien setzte sich in dem Moment, als sich die Schutztüren des Schmiedewerks schlossen, fort. Ihnen folgten Aktienpakete, die von Megakonzernen förmlich verschleudert wurden. Gleichzeitig flossen Gelder in sichere Anlage-Optionen. Spekulationen über die Zukunft von Poseidon Industries wurden laut. Wie tief mussten die Kurse fallen, bis es zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch kam?

Doch dann geschah etwas Ungewöhnliches. Poseidon Aktien wurden plötzlich in großen Mengen gekauft. Die Auftraggeber stammten aus unterschiedlichen Sternen Systemen. Man nahm an, dass Banken dahinter steckten, doch die Spuren der Auftraggeber führten zu privaten Konten, von denen fast alle jahrelang still gelegen hatten.

Zum ersten Mal seit Beginn der Krise fingen sich die Aktienkurse, nur um im nächsten Moment zu einem Höhenflug anzusetzen. Viele Investoren, die zuvor verzweifelt versucht hatten ihre Aktien zu verkaufen, erschien dies wie ein Gottesgeschenk. Nichtsahnend waren sie an einer der dreistesten Konzernübernahmen aller Zeiten beteiligt.



Vleit Medane saß mit seinem durchnässten Herren Anzug in der Kabine seines privaten Dropships. Missmutig dachte er über sein Versagen nach. Er hatte es nicht geschafft die Kontrolle seines Schmiedewerkes zurück zu gewinnen. Kameradrohnen der lokalen Nachrichtensender wären ihm beinahe bis in die Kabine gefolgt, hätte er die Schiffsrampe nicht rechtzeitig geschlossen. Durch ein Sichtfenster sah er den anhaltenden Regen und hunderte Arbeiter, die wuterfüllt auf seine Landeplattform zustürmten. Diejenigen, die sich als Erste gegen den schützenden Elektrozaun geworfen hatten - der die Plattform umgab - waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Andere waren bei dem wahnsinnigen Ansturm zerquetscht worden. Manche waren mit dem Gesicht nach unten in den Schlamm gefallen und ertrunken.

„Wie Tiere.“ Dachte Vleit fluchend. „Sie sind selbst schuld. Ihr Leid haben sie verdient.“ Aus dem InterCom drang die Stimme des Piloten. „Sir, drei Nachrichten für Sie, Start in sechzig Sekunden. Ziel?“

Vleit Medane warf einen kurzen Blick auf die drei eingetroffenen Dateien. Eine stammte von der InoTec CEO. Er ignorierte sie. „Sie weiß, dass ich ruiniert bin.“ Dachte er. „Ich muss mir das von ihr nicht auch noch anhören.“

Sein Blick glitt zur nächsten Nachricht. Sie war aus dem Büro des Vorarbeiters verschickt worden, wo der falsche Kontaminierungsalarm ursprünglich ausgelöst wurde. „Im Namen der Arbeiterschaft verkünde ich den Streik und die Stilllegung dieser menschenverachtenden Fabrik. ArcCorp wird Sie als Versager in Erinnerung behalten - Isaac Owens.“

Wut verwandelte das Blut in Vleit´s Adern zu Essig. Doch es kam noch schlimmer, als er sich dem Text der nächsten Nachricht zuwandte.

„Die börsennotierten Aktien von Poseidon Industries wurden von meinem Klienten erworben. Ich benötige ihre privaten Anteile, um seine Übernahme abzuschließen. Ich werde Sie in Kürze kontaktieren. Sie sollten meinen Anruf entgegennehmen, wenn Sie verhindern wollen, dass das angehängte Foto an die Presse geht.“

Auf dem Foto sah Vleit Medane - mit verstörender Klarheit - sein nacktes Ich zusammen mit drei Prostituierten - die Sagittaria-Girls. Das Bild musste erst heute Mittag aufgenommen worden sein.

„Sir, wir sind startbereit.“ Unterbrach ihn erneut der Pilot. „Welches Ziel haben Sie?“

„Zu meinem Anwesen.“ Knurrte Vleit. „So schnell Sie können.“

Die Maschinen des Dropships erwachten zum Leben, während der CEO mit wachsender Resignation über die sich ständig verschlimmernde Lage nachdachte. „Isaac Owens, wer zum Teufel ist dieser Scheißkerl?!“ Fragte er sich. Unter ihm lag das Schmiedewerk. Vielleicht zum letzten Mal bewunderte Vleit Medane diesen majestätischen Anblick. Die Fabrik hatte ihn schließlich zum Multimillionär gemacht. Einen Moment später verschwand das Dropship hinter dichten Wolken, dann ließ das Schiff die Atmosphäre hinter sich und tauchte in das dunkle All ein um den Planeten ArcCorp zu umkreisen.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

Gildenfreund

Titel: Concierge Black

  • Nachricht senden

4

07.01.2018, 19:44

Kapitel 3 - Die letzte Wahl, 2942 AD

Metallische Slums, Umschlagplätze und Schneebedeckte Fabriken schossen unter dem Dropship entlang, als es die Wolken beim Wiedereintritt hinter sich ließ und sich einer ausgedehnten Metropole näherte. Starke Winde schüttelten das Schiff durch. Es passierte zwei Skyscraper, dann landete es auf dem nördlichsten Raumhafen.

„Jede Katastrophe bietet verborgene Gelegenheiten.“ Dachte Vleit, während er im Inneren des Dropships in die gepanzerte Limousine stieg. Die Rampe des Dropships wurde ausgefahren. Eine bewaffnete Fahrzeugeskorte wartete draußen bereits. Sein Fahrer lenkte die Limousine auf die belebte Straße. Dann fuhren sie inmitten der Eskorte Richtung Norden aus der Stadt heraus.

Die Demarkationslinie, die das Ende der Metropole und den Beginn von Vleit´s Ländereien markierte, war deutlich sichtbar. Vleit hatte einige hundert Millionen Credits - die teilweise aus seinem eigenen Vermögen, hauptsächlich aber aus dem von Poseidon Industries stammte - für mehrere Kilometer Land in unmittelbarer Nähe der Großstadt ausgegeben. Er hatte alle von Menschenhand eröffneten Fabriken und Gebäude schließen lassen und die Gegend in sein persönliches Territorium verwandelt. Anwohner als auch Arbeiter, welche er dabei in eine ungewisse Zukunft entließ, hatten ihn nur wenig interessiert.

„Ich brauche eine Strategie.“ Dachte Vleit, während er die Menschen betrachtete, die neugierige Blicke in seinen Wagen werfen wollten. Doch die Situation war alles andere als witzig, denn die Umstände stellten seine Macht in Frage. Isaac Owens war ein Ungeheuer, das er selbst erschaffen hatte - was natürlich stimmte. „Alleine hätte dieser Mann niemals das Schmiedewerk und die Aktienkurse manipulieren können. Er muss Hilfe gehabt haben.“ Vleit fluchte leise und fragte sich, wie er verhindern sollte, dass andere Konzerne diese Tragödie auf ekelerregende Weise zu ihren Vorteilen ausnutzten.

Herunter gekommene Ruinen, die einst mit Leben gefüllt waren, schossen an seinem Fenster vorbei. Sie hatten ein verlassenes Slumviertel erreicht. Die Gebäude und Straßen der belebten Stadt lagen bereits einige Kilometer hinter ihnen. Plötzlich hielt der Konvoi an. Vleit aktivierte das InterCom der Limousine. „Wieso halten wir?“

Weder der Fahrer noch der vorne sitzende Leibwächter antworteten ihm. Stattdessen stiegen beide Männer aus. „Was zum Teufel!“ Vleit verließ ebenfalls den Wagen. „Hey!“ Rief er. „Wo wollen Sie hin?!“ Die beiden Männer beachteten ihn nicht. Sie stiegen in das gepanzerte Fahrzeug der Eskorte. Die Luke schloss sich hinter ihnen, dann fuhr der Konvoi los und ließ Vleit zurück.

Wütend riss er die Fahrertür der Limousine auf, stelle jedoch fest, dass die Steuerkontrollen verriegelt worden waren. Der Motor lief zwar noch, aber der Wagen war nur noch vom Fahrer oder einem ausgebildeten Techniker zu bedienen.

Es begann zu schneien. Ein schneidender Wind heulte durch die verlassenen Metallruinen zu beiden Seiten der Straße. Vleit wusste, dass er sich auf halber Strecke zwischen der Stadt und seinem Anwesen befand. Die metallische Wildnis erstreckte sich über viele Kilometer in alle Richtungen. Vleit schwor sich, die Schuldigen hart zu bestrafen. Wütend griff er nach seinem InterCom. Am Raumhafen hatte es noch problemlos funktioniert, doch nun konnte es kein Signal finden. Das konnte nur eines bedeuten: Es wurde blockiert.

Vleit's Wut verwandelte sich in Angst. Er fuhr herum, als er das charakteristische Heulen eines Hoverfahrzeuges hörte. Durch den stärker werdenden Schneefall sah er das Emblem des ArcCorp Sicherheitsdienstes an der Seite des Fahrzeugs. Erschrocken wich er zurück, um nicht überfahren zu werden. Das Hoverfahrzeug hielt abrupt an, nur Zentimeter von ihm entfernt.

Fünf Sicherheitsleute stiegen aus. „Für Sie hoffe ich, dass Sie eine vernünftige Erklärung für diesen Auftritt haben.“ Knurrte Vleit. Die Sicherheitsleute umzingelten ihn wortlos. Eine große, offensichtlich charakteristische Frau führte das Kommando. Die Kälte schien ihr nichts auszumachen. „Ich warte in der Limousine, während Sie die Kontrollen aktivieren.“ Erklärte Vleit. Er machte einen Schritt auf den Wagen zu, doch einer der Sicherheitsleute streckte den Arm aus und hielt ihn auf.

„Also gut.“ Vleit drehte sich um. „Was wollen Sie?“ Ein InterCom begann zu summen. Die Anführerin der Sicherheitsleute zog es aus ihrem Mantel und hielt es ans Ohr. Dann reichte sie es Vielt. „Für Sie.“ Sagte die Frau. Der Sturm wurde schlimmer. Die Kälte stach ihm ins Gesicht und Hände. Zögernd griff er nach dem InterCom. Der Anruf kam von Herve Conaway, Vorsitzender des Aufsichtsrates von Investiga Financial Services.

„Hallo.“ Sagte Herve Conaway fröhlich. „Störe ich?“

Vleit sah die Anführerin der Sicherheitsleute an, die beinahe unmerklich den Kopf schüttelte. „Nein, was kann ich für Sie tun?“

„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie.“ Sagte Conaway. „Die schlechte ist, dass wir in einer Eilsitzung einstimmig beschlossen haben, ihnen die Kontrolle über den Betrieb von Poseidon Industries und die damit verbundenen Tochterunternehmen zu entziehen. Sie müssen so schnell wie möglich zurücktreten, selbstverständlich freiwillig, und uns ihre Aktienanteile übergeben.“

Vleit´s Wut kehrte zurück. „Dann stecken Sie also dahinter! Sie dreckiger Scheißkerl! Das können Sie nicht ohne die Zustimmung der Aktionäre entscheiden!“ Schnappte er. „Sie müssen diesen Vorschlag zuers...“

„Wir wissen wie das geht.“ Unterbrach ihn Conaway. „Aber wir wissen auch, dass Dinge, die in früheren Zeiten gingen, heute speziell im Zusammenhang mit ihnen, Mr. Medane, nicht mehr angebracht sind. Poseidon Industries hat uns mehr als deutlich gezeigt, dass wir nicht mehr wegsehen können und diesen Konzern dem Wohle von ArcCorp unterordnen müssen.“

„Natürlich.“ Sagte Vleit trocken. „Die einfachste Erklärung für ihr Verhalten ist allerdings, dass Isaac Owens und die Verlierer die ihm Folgen, Sie einer Gehirnwäsche unterzogen haben.“

Conaway wurde ernst. „Tut mir leid, dass Sie das so sehen. Eigentlich wollte ich ihnen nämlich noch eine gute Nachricht überbringen. Wir wollten darüber abstimmen, ob wir Sie nicht in einer etwas untergeordneten Position im Konzern behalten könnten, aber da Sie sich so voreingenommen äußern und gerade der gesamte Aufsichtsrat ihnen zuhört, glaube ich nicht, dass ihre Chancen gut stehen.“

In diesem Moment erkannte Vleit, dass er seine Macht verloren hatte, als sich die Schutztore des Schmiedewerkes geschlossen hatten. Die neue Realität, in der er zu leben hatte, raubte ihm fast den Atem, trotzdem verlor er nicht die Fassung.

„Verstehe.“ Zischte er zähneklappernd. „Sie alle haben den Verstand verloren. Isaac Owens und das Leid der Arbeiter haben ihr Herz erweicht. Sehr inspirierend. Ihm und der ungeheuren Idiotie, die er verkörpert, habe ich nichts entgegenzusetzen.“

„Sie erleichtern uns die Entscheidung, Mr. Medane.“ Sagte Conaway ruhig. „Trotz ihrer Arroganz wollen wir ihnen noch eine letzte Wahl lassen. Meine Geschäftspartnerin wird ihnen alles erklären. Ich freue mich auf ihre Entscheidung, sollten Sie die richtige treffen.“ Er beendete das Gespräch. Die Tür der Limousine öffnete sich.

„Ihnen scheint kalt zu sein, Mr. Medane.“ Sagte die Anführern der Sicherheitsleute. „Kommen Sie doch herein.“

Vleit gehorchte nur zu gerne. Er rieb sich die Hände und genoss die Wärme im Inneren des Fahrzeugs. Die Frau nahm ihm gegenüber Platz und knöpfte ihren Mantel auf. „Erklären Sie mir etwas.“ Begann sie. „Wieso reisen Sie mit einer bewaffneten Fahrzeugeskorte? Wollen Sie sich nur aufspielen oder wissen Sie tatsächlich, wie verhasst Sie sind?“

Vleit schwieg. Er prägte sich die Gesichtszüge der Frau ein. „Eines Tages.“ Dachte er. „Werde ich dich umbringen.“

„Lassen Sie uns über die Straße reden, auf der Sie sich befinden.“ Fuhr die Frau fort, während sie ihre Lederhandschuhe auszog. „An ihrem einen Ende können Sie relativ friedlich und in angenehmer Umgebung auf ihrem Wohnsitz leben.“ Sie griff in ihren Mantel. Vleit drückte sich instinktiv tiefer in den Ledersitz, aber sie zog nur ein Datapad heraus. „Am anderen Ende... liegt das Leid, das Sie geschaffen haben. Wir werden Sie auf den Straßen aussetzen, die Sie im Stich gelassen haben. Vielleicht überlassen wir Sie den Arbeitern, die ihretwegen in Baracken hausen müssen. Dann erkennen Sie vielleicht das Erbe, das Sie als CEO auf ArcCorp hinterlassen haben.“

Die Frau beugte sich vor und legte das Datapad neben Vleit auf den Sitz. „Was ist das?“ Fragte der CEO. Die Frau lehnte sich zurück und faltete die Hände in ihrem Schoß. „Ihre letzte Wahl. Wenn Sie diese Dokumente unterschreiben, werden Sie nicht länger CEO von Poseidon Industries sein. Außerdem verlieren Sie ihre Aktienanteile und werden ihr beeindruckendes Privatvermögen ArcCorp überlassen. Wir werden dafür sorgen, dass auch einige Wohltätigkeitsorganisationen davon genug abbekommen. Damit können Sie ihren schlechten Ruf ein wenig aufbessern. Sie dürfen ihr Land und ihr Anwesen, das darauf steht für drei Jahre behalten. Die Vorräte werden für die Dauer ihres... Exils... ausreichen.“

„Exils?“ Fragte Vleit.

„Sie werden die nächsten drei Jahre hier verbringen.“ Sagte die Frau. „Sie dürfen ihr Anwesen solange nicht verlassen.“

Vleit Medane war eine starke Persönlichkeit. Er stand kurz davor alles zu verlieren, doch er ließ sich das nicht anmerken. „Und wenn ich mich weigere?“

„Diese Slums sind sehr groß.“ Sagte die Frau mit einem Blick aus dem Wagenfenster. Draußen war aus dem Schneegestöber ein Sturm geworden. „Man kann sich leicht darin verlaufen.“
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

Gildenfreund

Titel: Concierge Black

  • Nachricht senden

5

07.01.2018, 19:45

Vleit wusste natürlich, dass ihre letzte Bemerkung eine unterschwellige Morddrohung gewesen war. Die meisten Menschen hätten ihn wohl für verrückt erklärt, denn die Herausforderung, noch einmal ganz von vorn anzufangen, reizte ihn. Dieses Mal ging es ihm jedoch nicht um Geld oder um die Macht, die man an der Spitze eines Konzerns erlangte. Ihm ging es einzig und allein um die Vernichtung von Isaac Owens und Herve Conaway. Sie würden es bedauern, ihn nicht getötet zu haben - vorausgesetzt, er überlebte diesen Tag.

Entschlossen griff er nach dem Datapad und drückte seinen Daumenabdruck darauf. „ArcCorp weiß, was für sich am besten ist.“ Sagte der ehemalige CEO, als er seine gesamte Wirtschaftsmacht samt Reichtum an Herve Conaway übertrug - von seinen Schwarzkonten natürlich abgesehen. „Wenn Investiga Financial Services das wirklich will, wie könnte ich mich dem entgegen stellen?“



Kapitel 4 - Drei Jahre später, 2945 AD

In seinem Anwesen, saß der ehemalige Konzernchef Vleit Medane an seinem Schreibtisch und las zum wiederholten Mal die Nachricht, die er vorbereitet hatte. Er warf einen Blick auf das Übertragungsterminal seiner Konsole. Träge strichen die Sekunden vorbei.

In der Hand, die er unter der Schreibtischplatte verbarg, hielt er einen Blaster. Schon bald würde die Anführerin des Sicherheitsdienstes ins Zimmer stürmen und versuchen ihn umzubringen. Vleit konnte sie nicht ausstehen, schon damals in der Limousine nicht. Sie mischte sich in den vergangenen Jahren ständig in seine Dinge ein und ließ ihn einfach nicht in Ruhe. Besonders unangenehm war jedoch, dass sie glaubte, sogar über sein Privatleben bestimmen zu dürfen.

Herve Conaway hatte die Frau vor drei Jahren als Hauptverantwortliche über ihn ernannt. Seitdem herrschte sie praktisch über sein Leben. Das Geheimnis um seinen Plan zu bewahren, den er in vergangenen Jahren schmiedete, das war unter solch verschärften Umständen nicht leicht gewesen.

Vleit wusste wie solche Dinge zu laufen hatten. Sie hielten ihn hier für Alibizwecke fest, bis es in den Medien um Poseidon Industries ruhig geworden war. Zu gerne würden seine Gegner ihn um die Ecke bringen, um es anschließend wie einen Selbstmord aussehen zu lassen und würden dann irgendeine passende Geschichte dazu erfinden. Schließlich durfte das Geschehene nicht an die Öffentlichkeit geraten. „Doch nicht mit mir!“ Dachte er wütend. „Ich werde mich von dieser unterwürfigen Ratte und ihren Lenkern nicht länger an der Nase herumführen lassen.“

Ein kräftiger Donnerschlag erschütterte sein Büro, eine Sirene heulte auf den Gängen seines Anwesens auf. Ein weiterer Blick auf die Uhr verriet, die Söldner hatten ihr Versprechen gehalten. Die Truppen waren pünktlich.

Die Tür zu seinem Büro flog krachend gegen die Wand. Diese unhöfliche Frau klopfte nie an. „Damit werden Sie nicht durchkommen!“ Begann die Anführerin des Sicherheitsdienstes. „Sie verdammtes Drecksschwein!“ Weit im Hintergrund waren Schüsse von automatischen Waffen zu hören.

„Inkompetente Schlampe!“ Erwiderte Vleit wütend und hob die Waffe. Er genoss den Ausdruck auf ihrem hässlichen Gesicht, und schoss. Das Energieprojektil bohrte ein Loch in ihre Brust. Vleit presste die Lippen aufeinander und sprang auf. „Das ist für die letzten drei Jahre!“ Ein weiterer Schuss traf sie im Fallen. Er schoss weiter, ließ erst von ihr ab, als nur noch ein Brocken verschmorten Fleisches vor ihm lag. „Ratte...“ Murmelte er.

Vleit sah auf, als er Schritte im Gang hörte. Sechs schwer bewaffnete Söldner stürmten in sein Büro. Sie richteten ihre Sturmgewehre auf ihn. Der ehemalige CEO warf seinen Blaster vor die Füße der Söldner.

„Mr. Medane?“ Fragte einer.

„Ja.“ Antwortete er stolz.

Der Söldner senkte sein Gewehr. Die anderen folgten seinem Beispiel. „Das Dropship wartet auf dem Dach.“ Sagte er. „Haben Sie alles erledigt?“

Vleit ging ein letztes Mal zum Schreibtisch, zog die Konsole heran und drückte auf Senden. „Ja, das habe ich.“ Erwiderte er zurück auf dem Weg zu seinen Befreiern.



Isaac Owens schleppte seinen fettleibigen Körper der Kommandozentrale von Poseidon Industries entgegen. Er war nur halb angezogen und fluchte laut. Das Quietschen seiner mechanischen Implantate hallte durch die Gänge. Sein aus Wachen, Sekretärinnen und Managern bestehendes Gefolge blieb dicht hinter ihm. Herve Conaway hatte ihn im letzten Jahr zum CEO von Poseidon ernannt. Nun dirigierte er dieses mächtige, mechanische Konstrukt.

„Ich nehme an, dass Sie meine Nachricht über Medane erhalten haben.“ Sagte eine Sekretärin trocken, die bereits in der Kommandozentrale wartete. „Während Sie beschäftigt waren, ist ein Dropship praktisch ungehindert auf das Anwesen von Mr. Medane vorgedrungen. Feindliche Truppen haben die verteidigenden Sicherheitsleute neutralisiert und sie haben Medane mitgenommen.“

„Danke.“ Zischte Isaac. „Wir reden im Konferenzraum weiter darüber.“

„Nur eine Sache noch.“ Sagte die Sekretärin „Mr. Medane hat eine Nachricht zu uns gesandt. Soll ich sie vorlesen?“ Der weißhaarige Mann nickte stumm.

„Es wird eine Ewigkeit vergehen, bevor ich diese Schmach vergebe. Man wird sich mit Schande an mich erinnern, an den Narren, der Poseidon Industries verlor. Aber eines versichere ich ihnen, Mr. Owens. Mein Gesicht wird das Letzte sein, was sie kurz vor ihrem Tod zu sehen bekommen - Vleit Medane.“

Überall in der Zentrale hörte man die wuterfüllten Schreie von Isaac Owens.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

Gildenfreund

Titel: Concierge Black

  • Nachricht senden

6

07.01.2018, 19:45

Kapitel 5 - Captain, James Cutter, 2945 AD

Das Dropship mit der langweiligen Bezeichnung BU-26 durchfuhr einen Ruck, als es die Atmosphäre verließ und in den leeren Raum eintauchte. Vleit Medane war mittlerweile in einen der Raumanzüge gestiegen und saß angeschnallt innerhalb der Transportkabine. Er musterte die Gesichter der anwesenden Söldner. Keiner von ihnen schien aufgeregt oder beunruhigt zu sein. Bestenfalls konnte man in ihren Gesichtern ablesen, dass sich ihr bevorstehendes Reiseziel keiner allzu großen Beliebtheit erfreute.

„Baldige Ankunft auf Port Hex.“ Meldete der Pilot mit einer verzerrten Stimme. Dies nahm wohl einer der Söldner zum Anlass um aufzustehen und auf Vleit zuzugehen.

„Wir sind bald da und mein Boss hat mir aufgetragen Ihnen das hier zu geben.“ Der Söldner reichte dem ehemaligen CEO einen kleinen, ergonomisch geformten Koffer. Vleit nahm ihn mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken entgegen. Jedoch ohne ihn zu öffnen.

„Da ist alles drin wofür Sie bezahlt haben.“ Fuhr der Söldner fort. „Ihre neuen Papiere, Lebenslauf und alles was dazu gehört. Ihr Geld ist bei uns eingegangen, damit wären die Schulden beglichen... wir sind quitt. Denken Sie daran, Sie müssen den Lebenslauf beherrschen und sollten untertauchen. Noch besser wäre es wenn Sie dieses Sonnensystem verlassen, denn wenn Sie auffallen, Mr.Medane, wird man Sie finden.“

„Ich weiß genau was ich zu tun habe.“ Erwiderte Vleit und stülpte sich als letzter den Helm des Raumanzuges über den Kopf.

„Das hoffe ich um ihretwillen.“ Warf der Söldner zurück. „Sie stammen von der Erde. Ihre erfundenen Eltern sind bei einem Stationsunglück ums Leben gekommen. Sie haben keine Kinder und sind alleinstehend. Ihre neuen Daten sind in den offiziellen Registern hinterlegt. Sie besitzen gültig ausgestellte Papiere und Citizen Status mit einer aktuellen Fluglizenz. Ihr neues Schiff wartet im Raumhafen Hex bei Andockrampe vier. Das andere Schiff ist im Sol System. Für mehr Details beachten Sie die Unterlagen in ihrem Koffer. Beachten Sie außerdem, dass Sie exakt eine Stunde haben bevor der Sicherheitsdienst hier auftaucht. Machen Sie keinen Fehler. Wir werden nicht eingreifen, egal ob Sie dann weg sind oder nicht. Also steigen Sie besser in ihr Schiff und verschwinden von hier.“

Eine anschließende Erschütterung ließ das Dorpship erbeben. „Wir sind gelandet.“ Meldete der Pilot.

Ein lauter und zischender Druckausgleich sog die Luft in die Lebenserhaltungssysteme zurück. Die Rampe des Schiffes wurde anschließend geöffnet. Vleit stand auf. Mit einer ausladenden Geste, verabschiedete der Söldner den ehemaligen CEO von Poseidon Industries mit den Worten… „Auf Wiedersehen… Captain, James Cutter.“

Captain, James Cutter verließ das Dropship in die Leere des Weltraums. Er lief über die Landeplattform in Richtung Landebucht vier. Er sah kein einziges Mal zurück.



Ein grelles Licht blendete ihn als er zur Sonne empor blinzelte, die gerade hinter einer Gruppe Solarpaneele verschwand. Die Sonne versuchte zwar der Dunkelheit zu trotzen, doch sie ließ bereits lange Schatten über die Landebuchten kriechen.

Geschmeidig kam er die Gangway entlang gelaufen. Der Helm seines Raumanzuges verbarg einen Großteil seines Gesichtes, doch der Gang war unverkennbar. Schon als Kind hatte er sich stets gewünscht, einmal so mühelos und selbstsicher - wie sein Vater - über die Erde zu gleiten.

James blieb vor dem Schiff mit dem Namen Deep Draft stehen und betrachtete es. So nahe war er einem Raumschiff, als selbstständiger Pilot, seit fast acht Jahren nicht mehr gekommen und im Augenblick wusste er nicht was er eigentlich tun sollte. James zwang sich zu einem Lächeln.

Das Schiff der Gemini Klasse war brandneu, aufgetankt und auf munitioniert. James hatte die aller letzten Reste seines Vermögens genau hier investiert. In die Flucht, sein neues Leben und dieses beeindruckende Schiff. Er hatte Menschen ausgebeutet, hatte getötet, töten lassen, gelogen und betrogen. Er hatte Männer bestochen damit sie die Verbrechen anderer Männer decken. Doch all das war jetzt nicht mehr wichtig. Hier würde er von neuem beginnen, um eines Tages blanke Angst zu seinen Feinden zu tragen. Nur dieser Tag war nicht heute.

Jetzt - und das wusste er - war es nötig von der Bildfläche zu verschwinden und Geld für seine Pläne zu erwirtschaften. „Irgendwo...“ Dachte James. „...werde ich den Anfang machen.“
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

  • »Ethan« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

7

07.01.2018, 19:46

2 Wochen bis zum Treffen der Mitglieder des Outpost 7

Der abstruse Plan der ATF, seiner Schwester Chloe und ihm ein bisschen Geld und 2 Schiffe zu geben, damit sie ein Handelsimperium aufbauen konnten, lief anfang gar nicht gut. Doch dann ereilte sie ein Glücksfall nach dem Anderen.
Zuerst trafen Sie ihren neuen Geschäftspartner, einem Mann Namens Enyalios. Er überließ den Geschwistern sein Frachtschiff, eine riesige Merchantman. Und dann wurde ihre Bewerbung für dieses neue Forschungsunternehmen angenommen obwohl sie keinerlei Erfolge oder Erfahrungen im Handeln vorweisen konnten.

Selbst jetzt staunte Ethan noch darüber, soviel Glück haben sie eigentlich nicht verdient gehabt. Doch er war sich mit seiner Schwester einig, es durfte nicht verschwendet werden...
Nach dem Treffen mit diesem Tanner Mirabel ging es zurück auf das Schiff. Es sollte also weitere zwei Wochen dauern bis sich alle Mitglieder auf der Erde einfinden mussten und so blieb die Frage, was bis dahin getan werden sollte.

Handeln natürlich, das war offensichtlich. Hier im Zentrum des Imperiums, irgendwie auch feindliches Gebiet für die beiden ATF-Mitglieder, konnte man leicht Geld verdienen. Eny nutzte seine Kontakte und besorgte dem jungen Unternehmen die ersten Transportaufträge. Es war zuerst nicht viel, was an Gewinn übrig blieb. Die Betriebskosten einer Merchantman waren gewaltig. Treibstoff, Landeplatz Gebühren, Handelslizenzen, Reparaturen.

Doch neben den wenigen Credits gab es einen anderen Lohn. Bekanntheit. Selbst hier im Herzen des Imperiums war eine Merchantman kein normaler Anblick, dies sorgte hier und da für Gesprächsstoff und den ein oder anderen Folgeauftrag.
Chloe und Ethan arbeiteten dabei Hand in Hand. Seine Schwester verstand es, um Preise zu feilschen und die Kundengespräche zu führen während sich Ethan um die Zahlen und Buchhaltung kümmerte. So verging der erste Tag wie im Flug und alles lief hervorragend.
Dann meldete sich Jessica James…
Es folgte eine unangenehme Unterhaltung mit Chloe und ihre Worte blieben noch eine Weile in seinem Kopf.

“...Zwei Wochen, bis zu diesem Treffen in New York, nicht länger. Und du bist für diese Frau und ihr Tun verantwortlich, und wenn ich merke, dass ihre Anwesenheit unsere Firma negativ beeinträchtigt, schmeiße ich sie höchstpersönlich von Bord.”


Etwas später traf sie dann auch ein. Ethan freute sich, sie endlich wieder zu sehen. Aufgeregt hatte er alles für ihre Ankunft vorbereitet. Sein Quartier sah wie geleckt aus, der Hangar war hergerichtet und die Last Hope strahlte in ihrem besten Licht… sofern das für einen alten Schrotthaufen der Aurora-Klasse überhaupt möglich war.
Jedem, der ihn an diesem Tag sehen konnte war klar, was hier los war. Ethan war noch immer total verschossen in diese Frau und die Tatsache, dass seine Schwester Jessie überhaupt nicht ausstehen konnte machte es nicht einfacher. Der Händler hoffte inständig, dass alles funktionierte und sie sich nicht mit Chloe in die Haare bekam. Denn Zwischen ihr und seiner Schwester wählen zu müssen wäre die Hölle. Vorher würde er sich lieber durch eine Luftschleuse ins All pusten lassen.

Jessie landete ihre M50 etwas rabiat auf der Plattform vor dem Schiff. Dockarbeiter machten sich sofort an die Arbeit um das kleine Raumschiff innerhalb der Merchantman zu verstauen, während Ethan die Pilotin mit einer herzlichen Umarmung begrüßte…. und ihr dann grinsend ein Sandwich und einen alten rostigen Kanister in die Hand drückte.

“Essen und ein bisschen Treibstoff, wie du es wolltest. Dein Quartier kannst du dir noch aussuchen, wir haben da etwas Platz.”

Als sie zusammen die Laderampe in den Bauch des riesigen Transportschiffes hinauf liefen, fühlte sich Ethan glücklich. Es war viel zu lange her, dass er sich so gefühlt hatte…

Ein paar Stunden später ging es auch schon weiter, die Frachträume waren vollgestopft und die Tanks gefüllt. Es war nur ein kleiner Zwischenstopp auf dieser Route.


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Ryan

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Berlin

Titel: Mr. Laserbeam

  • Nachricht senden

8

07.01.2018, 21:14

Am Rande des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter

Ryan nickte anerkennend, als er die Gladius durch die großen Fenster der Redeemer beobachtete.

“Sieh dir das an, Ice. Sie zielt immer noch wie ein Scharfschütze und ihre Flugmanöver sind einzigartig.”

Seit Danvers das erste Mal vor einigen Wochen das Büro von “Logan & Tellford” betreten hatte, hatte Ryan die attraktive Blondine inzwischen oft wiedergesehen. Die ehemalige Elitepilotin und Spionin des SQ42 hatte sich seit ihrem Unglück gehen lassen, war aber anscheinend gewillt, sich wieder in Form zu bringen. Und sie hatte das Potential. Logan hatte mit ihr in der Sporthalle Kampftraining durchgeführt und sich um ihre Fitness gekümmert, Ryan dagegen übte mit Danvers im Raum.

Angela Gregorovich, taktische Offizierin an Bord der Samurai - obwohl ja eigentlich niemand mehr zum Militär gehörte - räusperte sich verächtlich. Die Frau mit dem passenden Codenamen “Ice” konnte Danvers von Beginn an nicht leiden, aber Ryan wusste, dass Eifersucht dabei eine große Rolle spielte.

“Ja, nicht schlecht, aber ihre Reflexe sind nicht ausreichend, Captain. Ich sage dir, die trinkt immer noch zu viel, das ist ein Risiko. Wir hätten sie schon drei Mal abschießen können.”

Ryan schwieg einen Moment und sah zu, wie die Gladius geschickt einem Brocken in dem Asteroidenfeld auswich. Dann aktivierte der einen Comm-Kanal.

“Samurai an Asteria. Na schön Warbird, Sie können schießen und fliegen. Machen wir nochmal ein wenig Action.”

Er wandte sich zu seinem indianischen Waffeningenieur um.

“Tomahawk, lass mal ein paar von den Steinchen platzen. Mal sehen, wie sie damit klarkommt.”

Der zungenlose Mann salutierte übertrieben.

“Ah, ah.”

Schweres Waffenfeuer der Redeemer schlug in die Asteroiden ein und erzeugte einen Geschosshagel, der die Asteria in Bedrängnis brachte.

“Los, los, Danvers, ausweichen und schießen, wie wir es geübt haben! Stellen Sie sich vor, hinter diesem Mond taucht ein Vanduul-Schwarm auf und nimmt Sie ins Kreuzfeuer!”

Plötzlich ertönte ein Warnsignal in der Samurai und und rote Lichter flammten auf. Ice keuchte auf.

“Captain, Danvers reagiert plötzlich nicht mehr, ihr Schiff wurde von Gestein getroffen. Und jetzt fliegt sie direkt auf uns zu!”

Ryan hämmerte auf den Comm-Schalter.

“Asteria, Ausweichmanöver, Sie befinden sich auf Kollisionskurs! Ausweichen, verdammt!”

Ice verkrampfte sich.

“Die Samurai ist viel zu träge, wir können nicht mehr…”

Die ballistischen Waffen der Redeemer heulten auf und zerlegten die Gladius geradezu. Sie trudelte zur Seite und schrammte dicht an Ryans Schiff vorbei. Er starrte Tomahawk an.

“Bist du verrückt? Du killst Danvers!”

“Ah! Ah!”

“Uns gerettet? Wir… Warbird, aussteigen, sofort aus...”
Mit einer krachenden Explosion wurde die Gladius auseinandergerissen und völlig zerstört.

Kara

Stellv. Gildenleitung

Titel: RP-Queen

  • Nachricht senden

9

07.01.2018, 21:37

Carol hatte ein Lächeln im Gesicht, als sie durch die Asteroiden flog und hier und da einen in Staub verwandelte. Und das beste daran war, dass sich ein Lächeln nicht mehr so ungewohnt anfühlte. In den letzten Wochen hatte sie oftmals Grund zum Lächeln gehabt. Das Fitness- und Kampftraining mit Logan, das Raumkampftraining mit Tellford… sie waren jeden Cent wert, den Tanner ihnen zahlte. Ja, und Tanner natürlich… die Zusammenarbeit war irgendwie… schön. Intensiv. Und vielleicht noch mehr.
Carol flog eine Schraube und feuerte erneut. Dann setzte sie die Triebwerke auf Null. Nur eine Sache konnte sie immer noch nicht lassen… sie kramte im Fußraum ihrer Gladius und bekam eine fast leere Flasche Whiskey zu fassen.

“Ach was… Belohnung für ein gutes Flugtraining, was Asteria?”

Ihr Schiff antwortete nicht, als sie einen großen Schluck nahm, dafür sprang der Funk an.

“Samurai an Asteria. Na schön Warbird, Sie können schießen und fliegen. Machen wir nochmal ein wenig Action.”

Plötzlich explodierten Asteroiden um sie herum, die Flasche fiel Carol aus der Hand und Whiskey ergoss sich über ihre Armaturen. Das Trommeln der schweren Waffen der Samurai dröhnte in ihren Ohren.

“Tellford, du Bastard!”

Carol griff krampfhaft nach dem Steuerknüppel und versuchte dem Geschosshagel aus Asteoridenstaub auszuweichen, doch sie war… ganz klar zu langsam. Hatte sie eben noch gedacht, sie hatte es drauf? Pustekuchen, ihre Reflexe konnten nicht mithalten, der Alarm ihrer Schirmanzeige machte sie verrückt und ihre Sicht verschwamm kurzzeitig.

“Los, los, Danvers, ausweichen und schießen, wie wir es geübt haben! Stellen Sie sich vor, hinter diesem Mond taucht ein Vanduul-Schwarm auf und nimmt Sie ins Kreuzfeuer!”

Vanduul-Schwarm… hinter einem Mond…

Eine eiskalte Faust umklammerte Carols Herz und ließ es beinahe stillstehen. Wie eingefroren saß sie in ihrem Pilotensitz, unfähig einen Finger zu rühren. Rauschen in ihren Ohren, Flimmern vor ihren Augen. Und dann war die Erinnerung wieder da… schon wieder… Steve, der in seinem Schiff verbrannte… Michael, der im toten Raum in Sekunden zerschmettert wurde… der Kopf unter ihrer Titanplatte hämmerte vor Schmerzen.

Ein kleiner Gesteinsbrocken krachte gegen die Gladius, doch Carol merkte es kaum.

“Asteria, Ausweichmanöver, Sie befinden sich auf Kollisionskurs! Ausweichen, verdammt!”

Carols Unterbewusstsein versuchte verzweifelt, ihre Hand am Steuerknüppel zu bewegen, doch nur mit mäßigem Erfolg. Und dann krachte es nur noch um sie herum. Ballistische Geschosse durchlöcherten die Asteria, ihre Flügel wurde abgetrennt, die Cockpitscheibe zerbarst. Eine Kugel drang ihr in die Schulter ein, eine andere in den Unterschenkel. Die Asteria fiel auseinander und wirbelte dabei um die eigene Achse. Die Fliehkräfte holten Carol etwas aus ihre Lethargie.

“Hatte ich heute… Cheeseburger?”

Irgendwie fand ihr Finger den Schalter mit der Bezeichnung “Eject”. Und dann wurde es dunkel.

Taya

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: Miss Facepalm

  • Nachricht senden

10

07.01.2018, 22:04

1 Woche bis zum Treffen der Mitglieder des Outpost 7. Erde, New York, Brooklyn.

Langsam strich Jessica James mit ihren Fingern über den Lack der blauen Razor.



Sie versuchte den Lärm und Gestank um sich herum auszublenden und nur das Gefühl für dieses wahnsinnig attraktive Stück Technik wahrzunehmen. Es war ein Traum, der modernste und beste Racer, den es im ganzen Universum gab. Es führte kein Weg daran vorbei, sie musste ihn besitzen, sie musste einfach.

“Hey Bitch! Nimm die Finger von meinem Baby.”

Ein fetter Asiate schlenderte zu Jessie hinüber, in jedem Arm eine aufgetakelte Tussi, die noch ziemlich minderjährig aussahen.

“Wenn du freundlich bist, darfst du mir nachher einen blasen, während ich drin sitze.”

Jessie zog ihre Hand zurück und ging etwas auf Abstand. Dann lief sie zu Ethan hinüber, der sich auf diesem Parkplatz - vorübergehender illegaler Treppunkt für Angeber getunter Flieger - mitten im nächtlichen Brooklyn nicht so ganz wohl zu fühlen schien. Er sah sie bittend an.

“Bist du jetzt fertig, die Flitzer bei dieser albernen Protzparade anzustarren? Hier sind doch nur Idioten, auch wenn die Maschinen gut sind. Aber wir haben noch viel zu tun und Chloe wird…”

“Scheiß drauf, was Chloe wird!”

Ethans Gesicht verfinsterte sich. Bei seiner Zwillingsschwester verstand er immer noch keinen Spaß und Jessica ruderte mühsam zurück.

“Schon gut, wir können gleich gehen. Aber nicht ohne dieses Schmuckstück da.”

Ethan sah erst sie, dann die Razor verblüfft an.

“Spinnst du? Der Kerl verkauft dir die niemals! Und du hast gar kein Geld.”

Jessie grinnste.

“Wer hat was von kaufen gesagt?”

Dem jungen Mann entglitten die Gesichtszüge.

“Also wenn du vorhaben solltest, sie zu stehlen, dann…”

“Nicht doch… ich werde um sie fliegen.”

Ethan schien nicht zu wissen, ob er lachen oder fluchen sollte.

“Bei allem Respekt für deine Flugkünste… du hast keine Chance. Wenn der Typ auch nur ein wenig fliegen kann, schluckst du bei einem Rennen mit deiner alten M50 nur Staub.”

Jessie nickte.

“Und deswegen wirst du mir auch helfen, damit ich das Rennen gewinne.”

Er hob eine Augenbraue.

“Ach ja? Und wie?”

“Ich lenke den Reisfresser ab und du sabotierst die Razor. Bitte nicht schlimm kaputt machen und auch nicht zu auffällig… mach sie einfach ein wenig… langsamer oder so.”

Ethan hob verzweifelt die Hände über den Kopf.

“Jetzt bist du völlig verrückt geworden!”

Jessie schmiegte sich an ihn und drückte ihre Brüste fest an seine Seite.

“Bitteeee? Ich werde mich auch ganz besonders erkenntlich zeigen, versprochen!”

Ethan schien mit sich zu hadern.

“Wenn die uns dabei erwischen, sind wir tot, das ist dir klar, oder? Das ist es doch nicht wert…”

Jessica schob das Kinn vor und löste sich von ihm.

“Sei nicht so ein verdammter Schisser! Komm schon, mach mal was aufregendes, langweilig hast du schon zu Hause.”

Sie straffte die Schultern.

“Wenn du mir nicht helfen willst, bitte. Aber ich fahre dieses Rennen.”

Damit ließ sie ihn stehen und stapfte auf den Asiaten zu.

“Hey, Fetty… kannst du in dem Ding eigentlich auch etwas anderes machen, als dir von Kindern deinen mickrigen Schwanz lutschen zu lassen?”

Der Besitzer der Razor erstarrte und drehte sich langsam um. Seine Hand glitt unter seine Jacke.

“Wie war das?!”

Jessie ließ sich nicht beeindrucken und stellte sich lässig ihm gegenüber auf.



“Ich habe mich nur gefragt, ob ihr hier mit euren Schwanzverlängerungen nur protzt, oder ob ihr auch damit umgehen könnt. Auf Terra fliegen wir damit Rennen und stellen sie nicht nur aus.”

Die Auseinandersetzung trieb sofort ein paar Schaulustige heran und der Asiate lief dunkel an.

“Das muss ich mir von einer dreckigen Terranerin nicht sagen lassen. Man nennt mich Exxod und es gibt niemanden, der mich schlagen kann.”

“Ach ja… sieht mir nicht danach aus. Wie wäre es mit einem Rennen, hier und jetzt. Einmal um den Block.”

Exxod zögerte einen Moment, doch dann lachte er.

“Und was soll der Renneinsatz sein? Du siehst so abgebrannt aus, geh lieber nochmal ne Woche anschaffen.”

Jessies Augen blitzten.

“Wir fliegen natürlich um unsere Racer. So macht man das auf Terra immer.”

Der Asiate schob seine Sonnenbrille nach unten und begutachtete Jessies M50.

“Ich soll meine Razor gegen diese Mühle setzen? Wirklich, sehr fair.”

Jessica zuckte mit den Schultern.

“Wenn du und deine Kiste so überlegen sind, hast du ja nichts zu befürchten. Oder hast du etwa Angst gegen einen Terraner anzutreten? Gegen eine Frau?”

Ein Lautes “Uuuuh” war von den Zuschauern her zu hören und ein paar leise “Exxod, Exxod!” Gesänge schlossen sich dem an. Der Asiate konnte das schlecht auf sich sitzen lassen.

“Na schön, du beschissene Latina, wenn du unbedingt nach Hause laufen willst… los gehts!”

Er quetschte sich in die Razor und Jessie lief eilig zu ihrer M50 hinüber. Adrenalin pumpte durch ihren Körper, als sie ihr Cockpit schloss.

“Lass mich jetzt nicht hängen Baby. Und lass uns beten, dass Ethan seinen Job gemacht hat.”


Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

  • »Ethan« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

11

07.01.2018, 22:53

“Fuck… die bringen uns um, wenn das rauskommt.”

Aber was für eine Wahl hatte er denn? Resigniert schüttelte er den Kopf. Dann lief er schnell in die Nähe der Razor.

Kurz darauf hatte Jessie mit ihrer verdammt großen Klappe das ganze Publikum angezogen, niemand achtete mehr auf den eher unscheinbaren Händler. Die schwarze Lederkluft tat in der Nacht ihr übriges dazu. Ein fieses Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht als er sachte mit der Hand über die Hülle den Flitzers strich. Ein wahres Meisterwerk, geschaffen für die Geschwindigkeit. Er suchte eine kleine Unebenheit und drückte. Sofort sprang eine Klappe auf und gab die Sicht auf das verzweigte Steuersystem frei. Was konnter er hier tun?
Die Steuerung durfte nicht beschädigt werden sonst würde der Fettsack in ein Haus krachen. Stabilisatoren, Schleudersitz…. all die Spaßigen Dinge waren Tabu. Dort. Die Treibstoffzufuhr.

Mit flinken sicheren Handgriffen verrichtete Ethan sein Werk und verschloss die Klappe wieder. Noch ein letzter Blick, ein letztes mal die schlanke Form gespürt… dann ging es zurück in die Dunkelheit. Er sah noch einmal kurz zu Jessie. Ob er heute Nacht wohl auch an diesem Fahrgestell Hand anlegen könnte?
Das Adrenalin hat offensichtlich schon seine Sinne vernebelt doch in einem Punkte hatte sie Recht. Es war Aufregend, etwas illegales und gefährliches zu tun. Und solange es nicht FTL oder dem Outpost schaden würde… warum darauf verzichten?

Doch wieder kamen die Gedanken…

...du bist für diese Frau und ihr Tun verantwortlich, und wenn ich merke, dass ihre Anwesenheit unsere Firma negativ beeinträchtigt, schmeiße ich sie höchstpersönlich von Bord.

Aus sicherer Entfernung sah der Händler nun zu, wie die beiden Kontrahenten in ihre Maschinen stiegen und sich zum Start bereit machten...


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Taya

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: Miss Facepalm

  • Nachricht senden

12

08.01.2018, 13:10

Die Triebwerke dröhnten auf, als ein nur in Bikini bekleidetes Mädchen den Countdown zum Start hinunterzählte. Und dann ging es los. Jessie gab Gas und ihr Start war gelungen. Ihre Erfahrung als Rennpiloten katapultierte sie vorwärts und ließ Exxod ziemlich alt aussehen. Die Menge johlte. Noch vor der ersten Kurve schloss die Razor beinahe auf und als es um die erste Biegung ging, ging sie beinahe mühelos an Jessie vorbei.

“Scheiße… was für ein Kurvenverhalten. Und die Beschleunigung!”

Sie rasten auf die nächste Biegung zu und Passanten mussten aus dem Weg springen. Der Vorsprung von Exxod wuchs beständig und Jessie traten Schweißperlen auf die Stirn. Nach der dritten Kurve war die Razor kaum noch zu sehen.

“Verdammt… Ethan… “

Als die Razor um die letzte Ecke flog, kam sie plötzlich ins Schlingern und drehte sich dann einmal um sich selbst. Die Triebwerke stotterten und husteten verdächtig. Jessie holte mühelos auf und bevor Exxod wieder in Tritt kam, war die Pilotin vorbei und flog auf den Parkplatz zu. Die Razor lief wieder, schaffte es aber nicht, die M50 einzuholen. Die Zuschauer jubelten und johlten, als Jessie ihr Cockpit öffnete und eine Faust in den nächtlichen Himmel reckte. Die Razor kam neben ihr zum stehen und der dicke Asiate sprang überraschend behende aus seinem Sitz. Mit wutverzerrtem Gesicht stapfte er auf sie zu.

“Du Miststück hast was an meiner Razor gedreht! Meine Triebwerke liefen auf einmal heiß und ich musste die Notenergiemotoren anwerfen!”

Jessica grinste breit.

“Aber natürlich, Chummer. Faule Ausrede! Soll ich dir was sagen? Du bist einfach zu schwer für einen Racer. Und mein Name ist Bandit, merk dir das. Außerdem ist es jetzt meine Razor, nicht d…”

Er packte Jessie am Kragen, zog sie aus dem Cockpit und warf sie unsanft zu Boden.

“Dafür mache ich dich fertig!”

Ethan löste sich etwas unsicher aus der Menge.

“Hey, Exxod. Das Mädchen hat gewonnen, sei kein schlechter Verlierer!”

Der Asiate zog eine Handfeuerwaffe und richtete sie auf Ethan.

“Und wer bist du jetzt, kleine Kröte?”

Schnell näher kommende Sirenen durchschnitten den Trubel und aufgeregte Stimmen wurden laut.

“Scheiße, die Bullen! Hau’n wir ab!”

Jessie nutzte die Ablenkung, sprang auf die Füße und trat dem Asiaten in seinen fetten Bauch. Er klappte ächzend zusammen und ließ die Pistole fallen. Ethan beförderte sie mit einem Tritt unter ein paar Gleiter. Jessie packte ihn an der Jacke.

“Los, Zeit zu verschwinden! Nimm du die M50, wir treffen uns auf der Solis Ortis.”

Als Jessie “Bandit” James mit ihrer neuesten Errungenschaft mit den leisen Energiemotoren durch die Atmosphäre glitt, strich sie beinahe zärtlich über die Steuereinheit.

“Keine Sorge Baby… jetzt bist du da, wo du hingehörst. Ich glaube, ich nenne dich… Thunderbolt.”


Kara

Stellv. Gildenleitung

Titel: RP-Queen

  • Nachricht senden

13

08.01.2018, 14:42

Erdorbit

Als Carol die Augen wieder öffnete, lag sie auf einer weichen Unterlage. Um sie herum wirkte alles weiß und steril, das regelmäßige Piepsen eines Monitors war zu hören.

“Wwwas ist passiert? Wo bin ich?”

Eilige Schritte waren zu hören, dann beugte sich eine Frau über sie.



“Carol! Endlich bist du wach. Wie fühlst du dich?”

Carol versuchte sich aufzusetzen, doch ein stechender Schmerz in der Schulter ließ sie innehalten. Und dann kam die Erinnerung zurück und sie ließ sich kraftlos zurücksinken.

“C.J., ich… ich habs verkackt. So richtig. Ich bin ein Wrack.”

Ihre Schwester schüttelte den Kopf und strich ihr über die Wange. Eine rauhe Stimme erklang, als Ryan Tellford mit an ihr Krankenbett trat.

“Sie sind vor allem ein zäher Hund, Danvers. Sie haben überlebt, das ist alles, was zählt. Was war los, hatte die Asteria eine Fehlfunktion?”

Carol schluckte und sah ihm nicht in die Augen.

“Nein… nein, es lag nicht am Schiff. Nur an mir. Als Sie die Vanduul hinter dem Mond erwähnten, da… da hatte ich sowas wie einen Black Out oder so. Konnte mich nicht bewegen. Hatte nur die Bilder im Kopf, als mein Verlobter und mein Bruder bei dem Vanduul-Hinterhalt umkamen.”

Tellford sah sie betroffen an.

“Oh… wenn ich das gewusst hätte, hätte ich ein anderes Szenario gewählt.”

Carol wischte sich unbeholfen eine Träne weg.

“Nein… es ist meine Schuld. Ich habe versagt. Tut mir Leid, Sir.”

Tellford strich sich durch die langen Haare.

“Ich bin nicht Ihr Sir, Danvers. Das wird schon wieder. Und mir tut es Leid, wir mussten Ihr Schiff zerlegen, ansonsten wäre die Samurai wohl zerstört worden.”

Carol nickte nur, sagte aber nichts. Cara-Jane legte dem ehemaligen Soldaten eine Hand auf die Schulter.

“Sie braucht jetzt Ruhe, Mister Tellford. Kehren Sie auf Ihr Schiff zurück, ich denke, wir haben hier alles im Griff. Die Kugeln aus Schulter und Unterschenkel habe ich entfernt, der Heilungsprozess dürfte kurz sein. Sie ist schon bald so gut wie neu.”

“The Mage” nickte und verließ dann den Raum. Carol sah zu ihrer Schwester.

“Wo bin ich hier eigentlich? Krankenhaus in New York?”

C.J. schüttelte lächelnd den Kopf.

“Nein, du bist auf meinem Schiff. Mister Tellford hat mich nach dem… Unfall sofort kontaktiert, und es ist mein Job, in solchen Fällen Ruck Zuck vor Ort zu sein. Ich habe hier alles, was ich brauche, um solche Verletzungen zu behandeln.”

Carol sah sich überrascht um.

“Das hier soll ein Schiff sein? Du verarscht mich!”

Cara-Jane kicherte und erneut wurde Carol bewusst, wie unglaublich schön ihre kleine Schwester war. Eine Schönheit, die sie auch mal besessen hatte…

“Das würde ich nie machen. Es ist eine brandneue Origin 600i.”

Jetzt musste sich Carol mit schmerzverzerrtem Gesicht doch aufsetzen.

“Was?! Du hast eine 600i? Du bist eine verfluchte Studentin, wie machst du das? Dachte, du kannst dir nur ne kleine WG leisten? Und das kann keine 600i sein, ich bin in einer großen Krankenstation.”

C.J. zuckte mit den Schultern.

“Ich habe mein Medizinstudium beinahe beendet, und der neue Job bei MERC wird gut bezahlt. Aber natürlich ist es nicht MEIN Schiff, ich gehöre zur Crew, der dieses Schiff von der Firma für die Aufträge gestellt wird. Es ist eigentlich eine Explorer, aber man hat sie zu einem medizinischen Versorgungsschiff umgebaut. Nur der beste Luxus beim Retten und Behandeln unserer Kunden.”

Sie zwinkerte, wirkte jedoch ein wenig unglücklich dabei. Carol ließ sich wieder zurücksinken.

“Unglaublich, meine kleine Schwester fliegt mit einer 600i. Naja, ich habe schon gehört, dass ihr nur reiche Säcke und Politiker oder so behandelt. VIP’s eben. Warum seid ihr dann überhaupt zu mir gekommen?”

Die angehende Ärztin nahm ernst Carols Hand in die ihre.

“Wenn meine Schwester keine very important person ist, dann niemand. Verstanden? Und ja… diese Einstellung, dass Luxus-Medizin nur für Leute mit genug Geld ist, geht mir auch gegen den Strich. Jeder sollte die gleiche Behandlung erhalten, aber…”

“... aber das hindert dich trotzdem nicht daran, diesen gut bezahlten Job zu machen, um in einer 600i herumzucruisen.”

C.J. ließ ihre Hand verletzt los.

“Du kannst wirklich ein Arschloch sein, seit dem…”

“... seit dem Steve und Mike tot sind, ja?”

“... seit dem du angefangen hast zu trinken wollte ich sagen. Hier habe ich die Zeit und die Mittel, wirklich zu helfen! Als ich noch mit der Cutlass für das Red Cross geflogen bin, weißt du unter welchen schlimmen Umständen ich Menschen behandeln musste? Abgelaufene Medikamente, kaum Hygiene… nein, das hatte ich so satt. Dann lieber so.”

Carol winkte müde ab.

“Schon gut, bitte nicht das Alkoholthema. Und ja, an deiner Stelle hätte ich es genau so gemacht.”

Sie seufzte.

“Wann kann ich hier raus?”

Cara-Jane entspannte sich wieder etwas.

“Über Nacht behalte ich dich hier, es lohnt nicht, dich klinisch zu verlegen. Aber mindestens drei Tage schonen. Kein Fitness- oder Kampftraining und auch von Raumschiffen hältst du dich als Pilotin fern.”

Carol zog sich die Decke bis zum Kinn.

“Sehr witzig, Frau Doktor. Ich werde nie wieder ein Raumschiff fliegen. Ich bin eine Gefahr für andere. Ich bin durchgeknallt.”

C.J. schwieg einen Moment, bevor sie sich einen Stuhl an das Bett zog.

“Carol… du bist nicht verrückt. Du bist traumatisiert, das ist alles. Dieses Erlebnis ist nur ein Jahr her und du darfst nicht verlangen, dass du so funktionierst, als wäre nichts gewesen. Das schlimmste, was du machen kannst, ist aus Angst nicht mehr zu fliegen. Du musst dich dem so schnell wie möglich wieder stellen.”

Die Blondine versuchte den dicken Kloß in ihrem Hals zu verdrängen.

“Selbst wenn ich wollte… ich habe kein Schiff mehr. Durch meine Schuld ist die Asteria zerstört worden.”

Ihre Schwester schüttelte energisch den Kopf.

“Hör auf, dir die Schuld zu geben. Was ist mit diesem Mister Mirabel? Kann der dir über den Outpost nicht ein neues Schiff stellen?”

Carol dachte darüber nach.

“Bevor der mir ne Aurora hinstellt, fliege ich lieber in seiner Carrack mit. So viele Geldreserven haben wir auch nicht. Wir mussten viel Investieren… Anwerbungen und nicht zuletzt die Halle. Weißt du, wie weit wir da sind.”

C.J. warf ihrer Schwester einen bösen Blick zu.

“Hinter der Zeit, definitiv. Der Typ, den du zur Freiräumung angeheuert hast, ist der letzte Idiot. Ich musste ihm Reizgas ins Gesicht sprühen, weil er mich angegrapscht hat.”

Carol grinste breit.

“Ja, Eddie ist ein Stück Drek. Aber dafür macht er es umsonst und wenn er genug Stoff hat, auch zügig. Mit welcher Verzögerung rechnest du?”

“Eine Woche. Nochmal zum Schiff… du weißt, dass es da noch eine andere Alternative gibt. Steve’s altes Schiff steht immer noch bei der UEE, unberührt seit seinem Tod.”

Carol starrte sie an.

“Das ist jetzt nicht dein Ernst! Du weißt, dass ich dieses Ding nicht anfasse! Ich habe gerade einen Nervenzusammenbruch bekommen, weil jemand EINEN SATZ gesagt hat, der mich an den Tod meines Bruders erinnerte, und du willst mich in sein Schiff setzen?! In das gleiche Modell, in dem er gestorben ist?!”

Cara-Jane nickte ruhig.

“Genau das wäre die richtige Therapie, Schatz. Du hast dieses Trauma von damals nie richtig verarbeitet. Du hast dich davor versteckt, es verdrängt und dich in den Alkohol geflüchtet. Du musst aber die Erinnerung und den Schmerz zulassen, dich damit auseinandersetzen und verarbeiten. Dann wirst du auch keine überraschenden Black Outs mehr bekommen. Versprochen.”

Carol Danvers seufzte leise.

“Also gut. Ich werde darüber nachdenken.”

Fox

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: ***

  • Nachricht senden

14

08.01.2018, 21:17

Solis Ortis

“Und, wie gefällt sie dir?”

Chloe sah von ihren Unterlagen auf. Deimos Enyalios, ihr Partner, der ihnen die große Merchantment zur Verfügung gestellt hatte, lehnte lässig im Türrahmen und musterte sie interessiert.

“Oh, Guten Abend Eny. Äh… was meinst du?”

“Na deine neue Avenger. Wie hast du sie gleich getauft?”

Chloe lächelte.

“Venus. Ja, sie ist ein wunderbares Schiff. Viel schneller als die Grasshopper und mehr Frachtplatz. Und sie ist wirklich einzigartig schön. Der Kauf war ein Schnäppchen, aber ich habe mich dennoch schwer mit der Entscheidung getan. Wir müssen eigentlich sparen...”

Eny hob eine Hand.

“Kein Grund, dich zu rechtfertigen. Du hast in den letzten Wochen hart gearbeitet und sie dir verdient.”

Chloe hob zweifelnd eine Augenbraue.

“Naja… durch den Verkauf der Aurora ist auch ein wenig reingekommen und dann gab es noch eine Finanzspritze für Investitionen vom Outpost. Was den Handel angeht… da habe ich noch viel zu lernen.”

Eny erwiderte das Lächeln.

“Nur nicht so bescheiden. Ihr habt ein paar tolle Aufträge an Land gezogen. Dein Umgang mit den Kunden und Händlern ist schon… besonders.”

Chloe errötete. Sie wusste ganz genau, dass viele Geschäfte nur zustande gekommen waren, weil sie mit ihren Auftraggebern oft genug geflirtet hatte. Sie war nicht stolz darauf, aber es funktionierte einfach. Eny nickte zu einem Fenster der Solis Ortis.

“Dein Bruder kommt gerade zurück. Mit Miss James. Sie haben auch ein neues Schiff dabei.”

“Was?”

Chloe erhob sich von ihrem Schreibtisch und sah hinaus.

“Was ist das denn für ein Teil?”

Eny antwortete in nüchternem Tonfall.

“Eine Razor, konstruiert für Rennen.”

Die rothaarige junge Frau pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht.

“Also das ist doch… na wartet!”

Sie ging mit forschem Schritt zum momentan leeren Frachtraum, in dem zwei kleine Raumschiffe gerade landeten. Mit wütendem Gesicht verschränkte sie die Arme und beobachtete, wie sich Jessie und Ethan aus den kleinen Cockpits schälten. Sie hatten Chloe noch nicht bemerkt.

“Mann Jessie, das wäre beinahe schief gegangen!”

“Ist es aber nicht! Gute Arbeit da unten. Hast du gesehen, wie die Menge mich gefeiert hat? Und jetzt haben wir…”

“Wo kommt dieses Schiff her?!”

Chloe’s Stimme war schneidend und Ethan blickte schuldbewusst zu ihr hoch. Jessie schob mürrisch ihren Kiefer vor.

“Das, äh… habe ich mir verdient!”

Diese Antwort besänftigte Chloe keineswegs.

“Ach… das ist ja schön für dich! Und wann verdienst du mal was für uns? Seit Wochen geben wir dir Kost und Logie und was ist der Dank dafür? Du faulenzt herum und kümmerst dich nur um deine Angelegenheiten. Dafür haben wir dich nicht angestellt!”

Jessie starrte sie an, doch Chloe begegnete ihrem Blick.

“Ich helfe Ethan immerhin bei Reparaturen und so…”

“Das reicht aber nicht! Wir brauchen keinen Mechaniker, das kann Ethan auch allein! Wir sind ein Handelsunternehmen.”

Ihr Fokus richtete sich auf ihren Bruder.

“Und du solltest dich schämen, das auch noch zu unterstützen! Fliegst mir ihr herum auf irgendwelche Partys, während hier genug Arbeit wartet.”

Ihr Bruder sah Chloe missmutig an und sie wusste, dass das unfair war. Ethan hatte genau so viel gearbeitet wie sie, um Fox Twins Inc. erfolgreich zu machen, aber Chloe ärgerte sich darüber, dass er Jessies Verhalten so tolerierte, nur weil sie ihm ihren Arsch und ihre Titten präsentierte und… Gott wusste was noch.

“Ich habe mich eben mit Eny darüber unterhalten. Bandit, wenn du bis zum Ende der Woche nicht etwas für Fox Twins verdient hast… und ich meine legal, als Händlerin… dann bist du raus! Verstanden?”

Eny, der Chloe in gebührendem Abstand gefolgt war, machte ein leicht überraschtes Gesicht, schwieg aber dankenswerterweise. Jessie machte wütend auf dem Absatz kehrt.

“Ja, Ma’am, ich bin ja nicht taub.”

Sie stieg in ihre M50 und warf Ethan einen bösen Blick zu, als ob er etwas für diese Situation könnte.

“Deine Schwester ist definitiv untervögelt, weißt du das? Ach, und repariere bitte an meiner Razor, was du da kaputt gemacht hast!”

Jessie schloss ihr Cockpit und startete die Triebwerke. Sekunden später war sie verschwunden. Chloe seufzte konsterniert und sah Ethan an.

“Warum hast du sie hier nur angeschleppt. Das Treffen beim Outpost steht an und da müssen wir eine gute Figur machen. Am besten, wir lassen sie hier.”

Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

  • »Ethan« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

15

08.01.2018, 21:59

Der junge Mann sah schuldbewusst zu Boden. Seine Schwester hatte ja Recht, doch irgendwie wollte… konnte er sich das nicht eingestehen.
“Aber mit ihrer Hilfe geht die Arbeit wirklich viel schneller und das hilft uns doch auch. Außerdem…”

Etwas beleidigt schaute er seine Schwester an und deutete mit der Hand auf die Razor.

“... kann sie mit dem Flitzer jetzt bei offiziellen Rennen antreten und Preisgelder abstauben. Und das kann sie immer noch am Besten, das weißt du. Sie hat eine Chance verdient, sich zu beweisen und ich kann auch nichts dafür, dass sich das Treffen verschoben hat.”

Ethan’s Gesichtszüge entspannten sich etwas und er wurde ruhiger. Er ging auf Chloe zu und legte seine Hände auf ihre Arme.

“Sieh’ uns doch an, Schwesterherz. Wir hatten echt eine Menge Glück mit FTL, Jessie nicht. Hat sie es nicht auch verdient, mal etwas Positives im Leben zu haben? Vielleicht findet sie hier ihren Platz, ihre Aufgabe.
Versuch doch einfach mal, ihr eine Chance zu geben. Wenn du es nicht für sie tun willst, dann tu es für mich. Bisher kostet sie uns nicht viel, dafür komme ich gerne selber auf.”

Er setzte sein charmantes Lächeln auf und nickte kurz in die Richtung der Avenger seiner Schwester.

“Ich passe auch auf, dass sie unseren Traum nicht kaputt macht, versprochen. Auch wenn ich dafür auf ein neues Schiff verzichte und lieber spare… für den Ernstfall.”

Ethan ließ Chloe wieder los und sah zu der Razor.

“Ich mach den Flitzer wieder flott und drehe dann eine Runde. Kommst du mit deiner Avenger mit? Eine Runde über den Planeten, nur du und ich. Wie in den alten Zeiten auf Terra… nur mit besseren Schiffen.”

Er lächelte sie an.

“Wir haben vor morgen früh nichts für FTL zu tun, alles ist geregelt. Also was denkst du?”


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Fox

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: ***

  • Nachricht senden

16

08.01.2018, 22:26

Chloe zögerte kurz, dann schüttelte sie den Kopf. Jedoch war ein nachsichtiges Lächeln in ihr Gesicht zurückgekehrt.

“Nein… nein, ich muss die Statistik noch fertig machen. Flieg du nur.”

Sie seufzte.

“Aber weißt du was? Dass du dich so für Bandit einsetzt und auch noch für sie birgst und zurücksteckst, beruhigt mich keineswegs. Im Gegenteil, das macht mich wütend. Das hat sie nicht verdient, dich hat sie nicht verdient. Ich weiß ja, du stehst auf sie, nur Gott weiß warum. Aber ich bleibe dabei und meine es ernst. Wir brauchen sie nicht als Mechanikerin und ich will auch nicht, dass sie für Fox Twins Inc. Rennen fliegt. Von dem Preisgeld sehen wir eh nichts. Und wir sind auf dem Weg ein seriöses Handelsunternehmen zu werden, Ethan. Und jeder, der der bei uns ist, muss daran mitarbeiten. Oder gehen und sein eigenes Ding machen.”

Chloe sah ihn fest an.

“Das hier… ist mir sehr wichtig. Es ist alles was wir haben. Es… es gefällt mir und ich habe das Gefühl, es ist meine Bestimmung. Ich will, dass alles glatt geht und möchte kein Risiko eingehen. Weißt du, mir ist inzwischen sogar die AFT egal. Nur wir sind wichtig. Und unsere Firma. Und vielleicht dieser Outpost 7, mal sehen.”

Sie wandte sich ab und ging wieder in Richtung ihres Büros.

“Und wenn Bandit auch nur ansatzweise das Gleiche für dich empfindet, wie du für sie, dann wird sie ihren Teil dazu beitragen. Als Zeichen Ihrer Wertschätzung für uns und unser Unternehmen, was sie beherbergt. Das ist sie uns schuldig und nicht zu viel verlangt. Dafür hat sie bis zum Ende der Woche Zeit.”

Ethan

Mitglied der Gemeinschaft

  • »Ethan« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

  • Nachricht senden

17

08.01.2018, 22:45

Ethan lächelte, als er ihr hinterher sah. Manchmal war es hart, sie als Schwester zu haben. Doch genau diese unschuldige Art, diese hoffnungsvolle Ausstrahlung war es, wieso er sie so liebte. Und sie hatte Recht, wenn Jessie nicht langsam Vernunft annehmen und mal etwas für andere tun würde, dann würde sie hier verschwinden müssen. ... aber ich will nicht, dass sie geht.

Der Händler schüttelte den Gedanken ab und machte sich an die Arbeit. Seine schwarze Lederjacke ließ er auf seinem mobilen Werkzeugkasten liegen. Dann schnappte er sich sein Werkzeug und reparierte die sabotierten Systeme der Razor. Wie Jessie es in diesem Zustand überhaupt hierher geschafft hatte, war ihm ein Rätsel. Sie war wirklich eine außergewöhnliche Pilotin…

Es dauerte etwa eine Stunde bis die Razor flugbereit war. Besser ausgedrückt, bis Ethan der Meinung war, dass sie flugtauglich wäre. Nach den Reparaturen nahm er sich die Zeit und ließ eine komplette Systemdiagnose laufen und überholte das eine oder andere System mit neuen Bauteilen.

Dann setzte er sich in das Cockpit und startete die Maschinen. Sie war sehr feinfühlig und es sah etwas ungelenk aus, als Ethan das Schiff langsam vom Boden abhob und in den Nachthimmel flog, dem All entgegen...


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Kara

Stellv. Gildenleitung

Titel: RP-Queen

  • Nachricht senden

18

08.01.2018, 23:15

Erde, Moskau

Als geschätzte fünf Minuten vergangen waren, in denen Carol lediglich auf das UEE Gebäude Mitten in Moskau starrte, ertönte ein leises Räuspern neben ihr.

“Fühlen Sie sich doch nicht dazu bereit? Wir können wieder gehen, wenn Sie möchten. Auf der Pegasus ist immer ein Platz für Sie frei.”

Carol atmete tief durch.

“Nein… nein. C.J. hat gesagt, ich muss mich damit auseinandersetzen, also…”

Sie drückte kurz die Hand des Mannes neben ihr.

“Danke, dass Sie mich dabei begleiten, Tanner. Das ist wirklich sehr nett von Ihnen.”

Die Blondine setzte sich in Bewegung und sie betraten den Komplex. Nach einigem Nachfragen am Empfang und einem Irrweg durch das Gebäude standen sie schließlich vor einer Art Schalter, hinter dem ein UEE-Beamter saß und Carol gelangweilt ansah.

“Was kann ich für Sie tun, Ma’am?”

Carol widerstand dem Drang, nach dem Flachmann in ihrer Tasche zu greifen.

“Äh… ich möchte eine Super Hornet abholen. Sie gehört zum Nachlass von Captain Steven Danvers und wird laut meinen Informationen hier verwahrt.”

Der Beamte schien sich über die Arbeit nicht zu freuen.

“Ich brauche Ihre I.D. Card und einen Nachweis, dass Sie berechtigt sind, auf den Nachlass zuzugreifen.”

Carol schob ihm ein Dokument und ihren Ausweis hinüber. Der Beamte studierte beides kurz, dann hob er jedoch die Augenbrauen und musterte Carol interessiert.

“Verdammt… Sie sind Warbird, richtig? Ich hätte Sie im Leben nicht erkannt… äh, nichts für Ungut. Tut mir Leid, was damals mit Ihrem Bruder passiert ist. War ein guter Mann.”

Carol sah kurz zu Boden.

“Danke, Sir.”

“Bin auch einmal mit ihm geflogen… diese verdammten Vanduul. Tja… solche Scheiße passiert in der Navy.”

Carol sagte nichts und der Beamte holte etwas verlegen ein Formular hervor.

“Das müssen Sie ausfüllen, Mrs. Danvers. Hätte nicht gedacht, dass nochmal jemand die Mühle abholt. Steht schon fast zwei Jahre hier. Ist auch nicht gewartet worden.”

Carol sah ihn überrascht an.

“Miss Danvers, nicht Mrs. …”

“... ach, ich dachte der Herr dort ist Ihr Gatte.”

Carol strich sich irritiert eine Haarsträhne beiseite, während sie begann, das Formular auszufüllen.

“Äh… nein. Also zum Schiff… was ist, wenn es nicht mehr fliegt? Wie bekomme ich es dann hier weg?”

Der Beamte zuckte mit den Schultern.

“Ihr Problem. Um ehrlich zu sein hätte es die UEE in drei Wochen eh verhökert oder verschrottet. Nimmt nur Platz weg. Steht in Hangar 23.”

Carol runzelte genervt die Stirn und schob ihm das Formular zu.

“Sehr freundlich. So wünscht man sich das unter ehemaligen Kameraden.”

Das breite Grinsen des Mannes zeigte gelbliche Zähne.

“Ich mache hier nur meinen Job, Danvers, und die UEE ist nicht die Heilsarmee. Aber da Sie nicht verheiratet sind… haben Sie heute Abend schon was vor?”

Carol hatte ihm schon den Rücken zugewandt und hob sichtbar den Mittelfinger ohne sich noch einmal umzudrehen. Als Tanner und sie am Hangar 23 ankamen, standen dort drei Schiffe. Nur eines davon war eine Hornet. Carol ging langsam auf das Kampfschiff zu. Es fühlte sich so an, als hätte sie einen großen Stein verschluckt. Vorsichtig wischte sie eine dicke Staubschicht vom Rumpf unterhalb des Cockpits. Ein Name aus beinahe abgeblätterter Goldfarbe wurde sicher. “Marvel Star”. Carol drehte sich zu Tanner um.

“Ich… ich weiß auf einmal doch nicht mehr, ob ich das kann.”

Tanner

RP Charakter Tanner SC

Titel: ***

  • Nachricht senden

19

09.01.2018, 08:47

Der Boreaner, der auf den letzten Metern zunächst diskret Distanz gewahrt hatte und etwas entfernt zurückgeblieben war, schritt nun ebenfalls langsam an den Rumpf des Jägers heran. Er befeuchtete sich die Lippen, während er seinen Blick eine Sekunden über die unverkennbare Silhouette des staubbedeckten Kampfschiffs gleiten ließ.

Dann sah er der neben sich stehenden Blondine direkt in die Augen.

"Doch, können Sie."

Danvers schien zunächst überrascht, bevor sich ihr Gesichtsausdruck aufgrund des eindringlichen Tonfalls in eine Spur von Empörung zu verwandeln schien. Bevor sie jedoch etwas erwidern konnte, trat der Captain der Pegasus näher an das Schiff und strich etwas mehr von der Staubschicht beiseite, bevor er eine Hand auf der Maschine verharren ließ. Dann blieb sein Blick auf dem nun vollends freigelegten Namen haften.

Für ein paar Sekunden herrschte Stille, und als Tanner erneut das Wort ergriff, war seine Stimme ungewohnt sanft. Trotzdem war sie in der Stille der Hangars gut zu verstehen.

"Ich habe ihren Bruder nur einen Abend kennen lernen dürfen. Damals, nachdem er uns zusammen mit ihrem Verlobten und Ihnen den Arsch gerettet hat."

Er räusperte sich.

"Das ist nicht lang genug, um jemanden kennen zu lernen... nicht wirklich. Und ich hätte ihn gerne näher kennen gelernt. Er schien ein guter Kerl zu sein."

Er drehte sich um und suchte den Blickkontakt mit der stumm dastehenden Pilotin.

"Aber es ist lang genug, um jemanden einschätzen zu können. Ich glaube, er hätte nicht nur gewollt, dass sie die Hornet bekommen... sondern auch, dass Sie sie fliegen. Dass sie weitermachen - so wie er es gemacht hätte, wenn es Sie getroffen hätte."

Er deutete mit einem Nicken auf das Kampfschiff vor ihnen.

"Ich will ihnen nichts vormachen. Es wird nicht leicht werden, es wird nicht über Nacht geschehen, und es wird weh tun. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass Sie es schaffen werden.

Er trat näher an sie heran, legte ihr eine Hand auf die Schulter und blickte ihr in die Augen.

"Manche Menschen kommen nie über einen Verlust wie diesen hinweg. Aber ich bin mir sicher, Sie können es - und manchmal ist der beste Weg, mit einer Sache fertig zu werden, der, direkt ins kalte Wasser zu springen. Was meinen Sie - sind Sie bereit für den ersten Schritt?"

Damit sah er zum Cockpit, dass unter all dem Staub darauf zu warten schien, wieder entdeckt zu werden.

Taya

Mitglied der Gemeinschaft

Titel: Miss Facepalm

  • Nachricht senden

20

09.01.2018, 16:10

Erde, New York

Jessie James flog frustriert in ihrer alten M50 in Richtung New York und versuchte ihr schlechtes Gewissen zu unterdrücken. Ja, es stimmte, für diese komische Handelsfirma der Fox-Geschwister - sowieso eine Schnapsidee - hatte sie nicht wirklich bisher etwas getan. Warum hatte sie sich ihnen überhaupt verpflichtet? Und war das jetzt noch nötig? Mit der Razor konnte sie wieder Rennen fliegen und würde ordentlich Preisgelder einheimsen. Sollte sie nicht einfach lieber verschwinden?

Sie seufzte. Aber was war, wenn Marv, ihr ehemaliger Manager recht hatte? Wenn ihre besten Tage als Rennpilotin vorbei waren? Wollte sie wirklich ihre Karriere als Mittelmaß beenden? Ein fester Job… regelmäßiges Einkommen… ein Platz zum Wohnen… war das nicht die vernünftigere Wahl? Jessie knurrte in ihr Cockpit.

“Seit wann ist Bandit denn vernünftig, hm?”

Allerdings… wenn sie in so einer Firma arbeitete… Fox Twins Inc. oder Outpost 7 oder wie immer sich diese Corps auch nannten… dann müsste sie kein Mittelmaß sein. Sie war immer noch eine Ausnahmepilotin, die schnellste, die diese Firmen je gesehen hatten. Niemand würde so schnell irgendwelche Waren von einem Ort zum anderen transportieren, wie sie. Jeder Händler konnte dankbar sein, sie am Steuer seines Fliegers zu haben. Die anderen würden sie dafür bejubeln! Gut, sie hatte keine Ahnung von diesem Wirtschaftsscheiß, aber das musste sie ja auch gar nicht, darum konnten sich Ethan und Chloe kümmern. Sie würde nur den Frachter fliegen.

Aber Jessie hatte keinen Frachter, nur zwei Racer, in die außer ihr selbst nichts hineinpasste. Ethans Aurora war ein Krüppel und Chloe würde ihr ihre neue Avenger nie geben. Und die Merchantman war ein Walross, da zählte Geschwindigkeit und fliegerisches Können nicht.
Jessica seufzte und nahm Kurs auf ein verlassenes Fabrikgelände in Queens, wo sich ein illegaler Raumschiffhandel etabliert hatte. Den Tipp hatte sie von einem Junkie in einer Bar bekommen. Sich dort mal nach einem Frachter umzusehen, konnte ja nicht schaden. Wenn sie etwas ergattern konnte, würde sie es Chloe und Ethan zeigen. Ethan… war vielleicht auch er ein Grund, warum sie Fox Twins nicht verlassen wollte? Jessie drängte diesen Gedanken in den Hintergrund und setzte zur Landung an.

Mehrere Dutzend Schiffe waren auf dem Fabrikgelände abgestellt, es tummelte sich ein bunter Haufen zwielichtiger Gestalten und die Verkaufsgespräche summten in Jessies Ohren, als sie sich eine Zigarette anzündete und umsah.

“Hey… hübsche Lady. Du siehst so aus, als wärest du nach einem guten Geschäft aus. Für ein paar Credits helfe ich dir, das zu finden, was du suchst.”

Ein schmierig aussehender Typ mit Beinprothese und fleckigem Jackett humpelte auf sie zu.

“Verpiss dich Chummer, ich komme schon zurecht. Keine Lust, an dir mein Geld zu verschwenden.”

Der Mann, dessen Alter sich nur schwer schätzen ließ, grinste breit.

“Ich nehme als Bezahlung auch einen Handjob. Hey, ich will dir nichts Böses, aber ich kenne mich hier gut aus und kann behilflich sein. Und von irgendwas muss man sich doch ernähren, ich habe Frau und Kinder.”

Jessie schob ihre Sonnenbrille nach unten.

“Eine Frau? Ich wundere mich nicht darüber, dass sie dir nicht mehr an den Schwanz will und du deshalb Fremde danach fragen musst, Quasimodo. Also schön. Wir halten schön Distanz voneinander und du zeigst mir mal, wie hilfreich du sein kannst. Wenn ich mit deiner Arbeit zufrieden bin, bekommst du ein paar Kröten.”

Er hob protestierend die Hände.

“Bezahlung nur im Voraus.”

“Dann zieh Leine, bevor du noch ne zweite Prothese brauchst.”

Jessie wandte sich schon ab, als der Mann ihr hinterher hinkte.

“Also gut, du bist ne harte Nuss, das habe ich gleich gemerkt. Also Chica, was suchst du, hm?”

Jessie seufzte und drehte sich wieder um.

“Mein Name ist Bandit, merk dir das. Ich… ich suche einen Frachter.”

Der Mann sah sie überrascht an.

“Und ich bin Lobo, stets zu Diensten. Ein Frachter? Echt jetzt? Hätte nicht gedacht, dass du ne Händlerin bist.”

Jessica rollte mit den Augen.

“Wenn ich gewusst hätte, dass ich dich fürs Denken bezahlen soll, hätte ich es gleich gelassen.”

Lobo lachte heiser.

“Schon gut, Bandit, ganz wie du willst. Was soll’s denn sein? Eine Hull A, B oder C? Eine Freelancer? Oder gar was größeres? Wie viel kannst du denn investieren?”

Jessie zögerte.

“Ich, also… ich würde meine M50 verkaufen. Und den Erlös davon kann ich ausgeben.”

Lobo betrachtete die Interceptor kritisch. Dann schüttelte er missbilligend den Kopf.

“Vergiss es, Bandit. Für die Kiste kriegst du nicht mehr als acht oder neuntausend. Selbst für ne Freelancer musst du aber mindestens zehn hinlegen. Hast du denn Erfahrung in der Handelsbranche?”

Jessie schnippste ihre Kippe in seine Richtung.

“Das geht dich gar nichts an. Ich wusste doch gleich, dass du nutzlos bist. Verschwinde.”

“Nun warte doch mal, Bandit… Bandit? Sag mal… verdammt, kenne ich dich nicht?”

Er besah sich nochmals die M50.

“Heilige Waschbärhoden! Du bist Jessie James, richtig? Du bist früher bei den ganz großen terranischen Rennen geflogen, oder? Verdammt, du warst echt gut!”

Jessica konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

“Schon möglich.”

Lobo rieb sich die Hände.

“Okay, weißt du was? Ich glaube, ich weiß genau das richtige für dich. Machen wir einen Deal, weil ich ein echter Fan von dir bin. Ich besorge dir ein Schiff, mit dem du spielend leicht in die Wirtschaftsbranche einsteigen kannst. Wenn vom Erlös deines Racers noch etwas übrig bleibt, darf ich den Rest behalten, okay?”

“Behalten? Welchen Shit rauchst du, Chummer?”

Jessie überlegte kurz. Sie hatte viel mit der M50 erlebt, aber dank der Razor brauchte sie sie nicht mehr. Und wie gut waren wohl ihre Chancen, allein in diesem Haifischbecken einen ordentlichen Deal zu machen? Sie fuhr sich durch die Haare.

“Also gut, du Freak. Zeig mir, was du im Auge hast.”

Lobo führte sie an vielen Schiffen vorbei, bis er schließlich vor einem verdreckten, irgendwie unförmigem Schiff stehen blieb.



“Tadaa… das ist es!”

Jessie starrte das Schiff ungläubig an.

“Willst du mich verarschen? Was ist das denn für ein hässlicher Drecksack?”

Lobo wirkte entrüstet.

“Aber nicht doch… das ist eine Drake Herald!”

“Das Ding sieht echt scheiße aus! Ich könnte nicht mal einsteigen, ohne zu kotzen!”

Der schmierige Mann gurgelte vor Lachen.

“Ja, sie ist keine Schönheit. Aber auf die inneren Werte kommt es an. Für den interstellaren Raum ist es das schnellste Schiff, was es zu kaufen gibt. Es schafft bis zu 1362 m/s, damit fliegst du jedem Piraten davon.”

Jessie klappte der Mund auf.

“Im Ernst? Das ist ja schneller als meine M50! Du verkaufst mich doch nicht für blöde, oder Chummer? Wenn du mich bescheißt, werde ich dich finden und…”

Lobo schüttelte nachdrücklich den Kopf.

“Das würde ich nie machen. Berufsehre und so. Glaub mir, mit dem Ding bist du unschlagbar schnell. Genau das richtige für dich. Damit kann auch nicht jeder fliegen.”

Die Latina umrundete das Schiff skeptisch.

“Also, selbst wenn das stimmt… das Ding ist winzig. Was soll ich damit transportieren?”

Lobo grinste breit.

“Das ist ja das beste. Keine Frachtcontainer, sondern… Informationen!”

“Was? Informationen? Wie denn das?”

Der Mann lächelte wissend.

“Das ist ein ganz heißes Geschäft, Bandit. Es gibt viele Daten… legale und illegale… die streng geheim sind. Niemand, der ganz bei Trost ist, würde sie einfach so über weite Entfernungen senden, das Risiko ist viel zu groß, dass sie abgefangen werden, egal ob verschlüsselt oder nicht. Die Herald steckt nicht nur voller Triebwerke, sondern hat auch den leistungsstärksten Computerkern im Schiffsverkehr, der perfekt für solche Transporte geeignet ist.”

Ein Funkeln regte sich in Jessies Augen. Das war geradezu perfekt. Sie müsste sich nicht mit schweren Frachtkisten oder ekliger Ware herumschlagen…

“Okay Lobo, das hört sich tatsächlich gut an. Aber denkst du, der Besitzer wird sie gegen meine M50 eintauschen?”

Der Mann mit der Beinprothese zeigte wieder sein schmieriges Grinsen und zwinkerte.

“Das bekomme ich schon hin. Die Herald ist nicht gerade Neuware. Außerdem geht es hier um das Originalgefährt einer berühmten Terra-Rennpilotin, nicht wahr?”

Eine halbe Stunde später betrat Jessica die aufgetankte Herald - ohne sich übergeben zu müssen. Das Innere war spartanisch und praktikabel, aber Jessie war es gewohnt, mit wenig Platz zu fliegen.



Es gab immerhin eine Schlafkoje, gegen die trostlose Einrichtung würde sie noch etwas tun müssen. Die Musik und Poster an Bord dürften vor 1000 Jahren oder so modern gewesen sein.
Der riesige Computerkern war sicherlich das Highlight. Jessie war eine gute Mechanikerin, mit Computertechnik kannte sie sich allerdings kaum aus. Das war allerdings auch nicht nötig, der Kern wurde durch eine rudimentäre KI über die Sprache angesteuert. Sie hatte keine Persönlichkeit und man konnte mit ihr auch keine komplexe Unterhaltung führen, aber die KI fungierte als einfaches und tadelloses Interface. Der Vorbesitzer hatte sie genauso genannt, wie sein Schiff: Alexa. Jessie musste nur ihre Stimme speichern und verifizieren lassen, mehr war nicht von Nöten.

“Sooo… dann wird es mal Zeit für eine Proberunde.”

“Soll ich die Triebwerke starten, Captain?”

Jessie schüttelte ärgerlich den Kopf und wusste einen Moment nicht genau, in welche Richtung sie sehen sollte.

“Nein. Ich will selber fliegen und steuern, merk dir das. Wenn ich was von dir will, sage ich dir das schon. Und nenn mich Bandit.”

“Ansprachekriterium gespeichert.”

Jessie startete die Triebwerke und hob ab. Sie steuerte den Orbit an und war sofort etwas enttäuscht. Wenn sie erwartet hatte, die Herald würde sich auch nur annähernd wie einer ihrer Racer fliegen, hatte sie sich geschnitten. Das Schiff sah nicht nur wie ein wütender Käfer aus, es steuerte sich auch wie bockiger Esel. Keine Spur von der Eleganz oder Wendigkeit ihrer M50. Ihr Herzschlag erhöhte sich, als sie von einer Polizeipatrouille angefunkt wurde.

“Herald, bitte identifizieren Sie sich. Sie strahlen keine Kennung aus.”

Jessie betete, dass das Schiff nicht gestohlen war.

“Hier Bandit, übermittle jetzt meine Kenndaten. Ich habe das Schiff gerade eben erworben und muss es erst anmelden.”

“Verstanden, Bandit. Bitte warten Sie.”

Nach einer Minute gab die Streife glücklicherweise Entwarnung.

“Die Kenndaten sind in Ordnung, Bandit. Wie lautet die Identifikation Ihres Schiffs?”

“Al… nein, Moment.”

Jessica überlegte kurz.

“Das Schiff heißt Dirtbag.”

Eine überraschte Stille auf der anderen Seite. Dann ein leises Lachen.

“Alles klar, Dirtbag. Guten Flug.”

Jessie nickte zufrieden.

“Dann wollen wir mal schauen, was in dir zähem Ding so steckt. Wehe, Lobo hat zuviel versprochen.”

Die Latina aktivierte den Nachbrenner und wurde in den Pilotensitz gepresst.

“Ach du scheiiiiii….”

Es fühlte sich an, als wäre sie direkt an ein riesiges Raketentriebwerk geschnallt.


Thema bewerten