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Vleit Medane

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Wohnort: Recklinghausen

Titel: Concierge Black

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21

09.01.2018, 18:48

Familienangelegenheiten

Kapitel 1 – Ein Zuhause

Kelvin Medane durchquerte die Sicherheitskontrollpunkte seines Hauses auf ArcCorp und sah seine 22 Jahre alte Tochter allein im Wohnzimmer sitzen. Alte Familienvideos liefen auf den Unterhaltungsmedien und brachten schöne Erinnerungen zurück. Sonst gab es nur wenig, das seinen Vorstellungen eines Wohnraumes entsprach. Statt gemütlichem Heimdekor bevorzugte seine Frau stylische Eleganz, die eher zu der elitären Kaste passte, der sie angehörten.

Er hasste es, er hatte es schon immer gehasst. Zwischen dieser Kälte und all der Sicherheit – dem Wissen, dass mächtige Waffen und allgegenwärtige A.I. sich immer in der Nähe befanden – war sein Zuhause nur ein verkleideter, militärischer Bunker.

Kelvin setzte sich schweigend neben seine Tochter und schaute sich die Videos an. Er sah eine viel jüngere Version von sich mit Faye spielen, sie in die Luft werfen und wieder auffangen. Dann lief er mit ihr durch den Park, als ob sie eine Superheldin wäre. Ihr Kichern war äußerst ansteckend. Kelvin ertappte sich bei einem breiten Grinsen. Genau, wie er es damals zum Entzücken seiner Tochter getan hatte.

Dann wechselte der Kamerafokus auf ihre Mutter Celina. Sie schien besorgt. Dieser Ausdruck war im Laufe der Zeit noch tiefer in ihre Augen eingebrannt worden. Die Wirklichkeit holte Kelvin ein und zog ihn von der erfreulichen Erinnerung zurück.

„Sie will dich verlassen.“ Sagte Faye.

„Das hat sie mir nicht gesagt.“ Kelvin schaute immer noch auf seine Erinnerungen. „Noch nicht.“

„Du müsstest erst einmal Zeit für eine Unterhaltung schaffen.“

„Ich weiß.“ Sagte Kelvin niedergeschlagen. „Faye, es tut mir leid wegen der Universität. Das ist… furchtbar. Ich kann nicht einmal…“ Er atmete tief durch, bevor er fortfuhr. Er wollte nicht, dass der Gedanke an seinen störrischen Bruder Vleit, diesen wertvollen Moment mit seinem einzigen Kind vergiftete. „Es tut mir leid, dass ich nicht hier war, als es geschah.“

„Das ist nicht dein Fehler.“ Antwortete sie, stand plötzlich auf und verschränkte ihre Arme. „Außerdem hat es mir den Schlussstrich verschafft, den ich brauchte.“

Celina hatte genau dieselbe Angewohnheit, wenn sie sich in ihrer Haut nicht wohlfühlte. Faye sah ihrer Mutter sehr ähnlich. Sie hatte die gleiche schlanke Figur, die durchdringenden Augen und hohen Wangenknochen. Sie war eine hübsche junge Frau, die sich in allem auszeichnete, was sie tat. Kelvin wollte fragen, welchen Schlussstrich sie meinte. Dabei wühlte die Angst vor der möglichen Bedeutung in seiner Magengrube. Stattdessen zwang er sich nur zuzuhören.

„Ich habe mir vorgemacht, dass es da draußen für uns Normalität geben könnte.“ Begann sie. „Ein Leben ohne Angst, aber genauso ohne bewaffnete Wachen in Vorzeigehäusern … Irgendwo, wo ich Freunde finden kann, ohne dass deren Hintergrund überprüft werden muss, oder man sie befragt. Ein Leben, in dem ich nicht dauernd von Maschinen umgeben, und Fremden bewacht werden muss.“

„Wir haben das nicht vorhergesehen.“ Antwortete Kelvin mit Nachdruck. „Deine Mutter und ich haben uns vor Jahren verliebt, aber unsere Karrieren…“

„Ich weiß was geschehen ist.“ Unterbrach sie ihn. „Ihr habt euch entfremdet. Das passiert. Ob das unausweichlich war, kann ich nicht beurteilen, aber diese … neuen … verrückten Umstände waren jetzt sicherlich nicht hilfreich.“

Kelvin verspürte erdrückende Schuld und gleichzeitig Überraschung.

„Tausende von Menschen sind von dir Abhängig. Wie kann überhaupt jemand verstehen, was das bedeutet? Du bist der CEO eines großen Konzerns. Ich kann deshalb zu niemanden eine normale Beziehung aufbauen. Als ich an der Universität war, hörte ich Unterhaltungen über Videostars, Tratsch über Verabredungen, Mode … An all dem hätte ich interessiert sein müssen, nicht wahr? So, wie eine normale Person es wäre. Aber ich kannte von zuhause nur Diskussionen über Arbeit und Megapolitik. Der Versuch, sich mit anderen zu identifizieren war so ernüchternd, dass ich einfach aufgab. Die Meisten sind so … selbstsüchtig, so abgeschnitten von den Dingen, die wirklich wichtig sind. Ich verstehe sie einfach nicht.“

Kelvin sprang von seinem Stuhl hoch. „Faye, es tut mir so leid. Wie oft habe ich das jetzt gesagt?“ Er flehte sie an. „Ich gebe mir selbst für dieses Chaos die Schuld. Ich habe die Möglichkeiten, dich davon vollkommen abzuschirmen. Wir können dich direkt vor aller Augen verstecken, Technologie verwenden, um deine Identität, ja sogar dein Aussehen zu verändern. Wenn du das wirklich möchtest, kann ich es möglich machen. Wie bei deinem Onkel.“

Sie lächelte. „Aber was ist mit Poseidon Industries? Und wenn es nicht darum geht, was ist mit ArcCorp und jetzt mit…“

„Wir werden einen Weg finden, das zu beenden.“ Stotterte Kelvin. „Wir werden nicht aufgeben!“

„Ich sagte nicht, dass wir das tun sollen.“ Antwortete sie. „Ich bin stolz auf dich, Dad. Stolz darauf, deine Tochter zu sein. Manchmal glaube ich, dass Mutter mich ablehnt, weil ich dich so viel unterstütze. Ich will ein größerer Teil dieses Lebens sein. Ich habe das Recht eine aktivere Rolle bei meinem persönlichen Schutz zu spielen. Nicht, dass ich dir das nicht zutraue. Aber jetzt ist es meine Angelegenheit. Ich hasse die Leute, die uns das Leben nach Onkels Verschwinden kaputt machen wollen, ebenso sehr wie du. Also, wenn ArcCorp mich nicht mehr in seine verdammten Universitäten lassen will, dann musst du mir eben alles beibringen, was du weißt.“

Kelvin´s Unterlippe zitterte. War es möglich, jemanden noch mehr zu lieben?

„Aber bitte…“ Sagte Faye. „Ich möchte, dass du ein letztes Mal versuchst, mit Mom ins Reine zu kommen. Dann kann ich unter den Teil meines Lebens ebenfalls einen Schlussstrich ziehen.“

„Das werde ich.“ Versprach Kelvin. „Noch ein letztes Mal.“ Und genau in diesem Moment schickte Celina Medane ihm eine Botschaft über das InterCom. Er ignorierte sie für´s Erste.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Vleit Medane

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22

09.01.2018, 18:49

Kapitel 2 – Auge um Auge

Faye Medane wachte durch die Geräusche einer Schießerei und den beißenden Gestank von Asche in ihrer Nase auf. Lauter, scharfer Nachklang von Schüssen und Schreien ließ ihren Herzschlag gefährlich schnell werden. Sie hustete heftig und stützte sich auf ihre Ellenbogen. Die Luft trug schwelenden Rauch zu ihr herüber. Irgendwo in dem Chaos hörte sie ein Landungsschiff im Leerlauf. Verzweifelt rang sie nach Atem und kroch über den Boden. Sie kam nur ein paar Meter weit, dann hielt eine Hand sie fest.

„Hier ist noch eine.“ Verkündete eine laute, eindringliche Stimme. „Zeit?“

„Neunzig Sekunden.“ Antwortete eine zweite Stimme. „Stell sie hin!“

Faye wurde auf die Füße gezogen und fand sich Schulter an Schulter mit ihren geschockten Eltern wieder. Ihnen gegenüber stand ein Soldat, der einen taktischen Helm mit einem Gesichtsschild trug. Die rostfarbene Rüstung ließ vermuten, dass er ein Outlaw war. Hinter ihm befand sich noch ein weiteres Dutzend seines Gleichen oder mehr. Abgesehen von der unterschiedlichen Größe und Statur, sahen sie für Faye alle gleich aus. Es waren keine Rangabzeichen oder andere gedruckte Insignien zu erkennen.

„Legt eure Hände auf den Kopf. Alle!“ Brüllte eine weitere Stimme.

„Sechzig Sekunden.“ Sagte der Zeitnehmer und ging zurück. „Fang an!“

Der Soldat mit dem taktischen Helm trat vor, zog seine Waffe und zielte damit direkt in das Gesicht ihrer Mutter. Der Soldat verglich die Person mit einem Foto, das im Display seines Helmes zu sehen war.

„Celina Medane.“ Sagte er mit einer vom Helm elektrisch, verzerrten Stimme.

Faye zuckte entsetzt zusammen, als die Waffe losging. Ein rötlicher Nebel hing in der Luft. Der leblose Körper ihrer Mutter brach zusammen. Der Soldat ging zur nächsten Person in der Reihe und hob erneut seine Waffe. Wieder verglich er die Person mit einem Foto, das im Display aufleuchtete.

„Kelvin Medane.“

Kelvin murmelte durch seine zusammengebissenen Zähne Gebete. Kurz darauf verschwand sein Hinterkopf. Im Schockzustand atmete Faye schnell und oberflächlich, als die Waffe in ihre Richtung zeigte.

„Faye Medane.“ Stellte der Henker fest.

Faye wurde vor Entsetzen speiübel. Sie konnte nicht sprechen, geschweige denn weinen, so sehr sie es auch wollte. Ihr Mund war weit offen, doch ihre flehenden Worte wollten nicht kommen. Ihr Blick fixierte den Waffenlauf. Rauch kräuselte sich aus seiner Mündung, als ob die Seelen ihrer Eltern, die er gerate gefordert hatte, aufstiegen.

„Dreißig Sekunden.“ Verkündete der Zeitnehmer.

Der Finger des Soldaten krümmte sich um den Abzug. Der Anblick setzte in ihr einen Überlebensmechanismus in Gang. Sie brachte nur die Kraft auf, die Wahrheit zu sagen.

„Ihr sucht meinen Onkel.“ Keuchte sie.

Der Henker kam näher. „Was hast du gesagt?“

„Mein Vater…“ Stammelte sie. „Ich weiß, wie er ihm geholfen hat.“

Die Waffe wurde hart gegen ihren Brustkorb gedrückt. „Wieso sollten wir dir glauben?“ Verlangte er zu wissen. Ein weiterer Soldat trat vor. „Keine Zeit! Wir nehmen sie einfach mit! Auf geht’s!“ Faye wurde herumgedreht und ihre Hände schnell hinter ihrem Rücken gefesselt.

„Schön, du kommst mit uns.“ Sagte ihr Fänger. Faye war dankbar noch am Leben zu sein, doch sie schämte sich auch, überlebt zu haben. Die Soldaten marschierten mit ihr zum offenen Maul des Retailator Landungsschiffes. Aus Faye´s Kehle kam nur ein heiseres Keuchen „Wohin ... fliegen wir?“

„Zeit ist um!“ Brüllte der Zeitmesser.

„Das wirst du schon noch herausfinden. Wenn ich von dir nicht kriege was ich will, wirst du es bitter bereuen.“ Sagte der Henker mit seiner verzerrten Stimme und drehte sie erneut herum. Das Gesichtsfeld des taktischen Helmes wurde eingefahren. Faye konnte nun erkennen, dass … Er … eine Sie war…



Jelena Iwanow wusste, wie man tötet.
Angefangen hatte sie als einfache Soldatin, doch nun war sie Anführerin einer der gefährlichsten Todesschwadronen der Söldner-Szene. Im Verlauf dieser Karriere waren viele durch ihre Hand zu Tode gekommen. Sie hatte sie erwürgt, erschossen, erstochen, erstickt, in die Luft gejagt – die Methode war egal, denn die primitive Lust, die dabei in ihr aufwallte, war stets die gleiche. Nie fühlte sie sich lebendiger, als wenn sie um ihr Leben kämpfte. Sie war nicht stolz darauf, doch diese brutale Leidenschaft hatte ihr immerhin eine erfolgreiche Karriere beschert.

Ihre Lust auf den Kampf ließ auch dann nicht nach, wenn sie als Kampfpilotin in ein Cockpit stieg. Jelena gestand sich ein, dass diese Art zu töten jedoch, ein wenig von ihrem Nervenkitzel nahm. Schließlich sah man nicht, wie das Leben aus den Augen des Gegners wich. Doch die Spannung kurz vor einem Kampf, wenn man wusste was kam, so wie jetzt in diesem Moment, ließ dadurch nicht nach. Dies war der Augenblick, nach dem sich wahre Kämpfer sehnten. Alles war unklar, die Geschichte noch ungeschrieben.

Die Bedeutung ihrer Taten interessierte Jelena nicht, ihr ging es nur um die Lust, die sie empfand, wenn sie mit ihren Kameraden und ihrem unbesiegbaren Herzen ins Unbekannte sprang. Heute hatte sie sich gerächt. Doch dieses Mal befriedigte sie das merkwürdigerweise nicht. Sie war der Meinung, dass Vleit Medane bestraft werden musste. Jelena gebührte es ihm, denn er hatte die Frau des ArcCorp Sicherheitsdienstes - die ihre Schwester war - in seinem Anwesen brutal und kaltblütig erschossen. So zeigte es die in seinem Anwesen installiere Überwachungstechnik. Jelena war sich sicher. Diese Grausamkeit verdiente es, auf die gleiche Weise vergolten zu werden.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Vleit Medane« (10.01.2018, 07:09)


Kara

Stellv. Gildenleitung

Titel: RP-Queen

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23

10.01.2018, 14:02

Erde, Moskau

Carol musterte Tanner noch einen Moment, dann seufzte sie und dehnte sich kurz. Ihre Schulter und das Bein, welches von Tellfords Geschossen getroffen worden war, schmerzten immer noch etwas.

“Also schön. Sehen wir uns das Baby mal an.”



Bevor sie Hand an den Öffnungsmechanismus des Cockpits legen konnte, ertönte eine rauhe Stimme.

“Was denken Sie, was Sie da tun, Lady?!”

Ein Mann in schon sehr fortgeschrittenem Alter und Overall trottete um die Super Hornet herum. Carol hielt inne und salutierte lässig vor dem Mechaniker.

“Ich hole mein Schiff ab, Sir. Lieutenant Commander Carol Susan Danvers, außer Dienst. Die Marvel Star gehörte meinem Bruder.”

Der Mann starrte einen Moment auf Carols kahle Kopfhälfte dann fokussierte er kurz Tanner.

“Außer Dienst, soso. Sie haben sich ja ganz schön Zeit gelassen, die Dame abzuholen.”

Carol nickte.

“Ja… das hatte seine Gründe. Ähm… ist die Marvel Star denn flugbereit? Man sagte uns, sie sei nicht gewartet worden.”

Der Mechaniker wirkte empört.

“Wer hat Ihnen denn diesen Mist erzählt? Solange ich hier zuständig bin, ist jedes Schiff in diesem Hangar einsatzbereit. Wer weiß, wann uns diese verdammten Vanduul das nächste Mal herausfordern und wir vielleicht jeden Flieger brauchen.”

Carol grinste erfreut.

“Das ist ja toll, Mister…”

“Tarkov, Sergej Tarkov.”

“... ja, Mister Tarkov. Dann können wir also gleich los mit ihr?”

Der Mann wiegte nachdenklich seinen Kopf.

“Wenn Sie der Staub nicht stört… ich bin schließlich kein Waschweib. Munition für die ballistischen Waffen ist auch nicht an Bord, ebensowenig Treibstoff. Aber mit letzterem würde ich ihnen entgegenkommen. Für eine Veteranin mach ich das gern.”

Carol legte ihm eine Hand auf die Schulter.

“Das ist wirklich sehr nett von Ihnen, Sir.”

Während sich Tarkov an das Betanken der Maschine machte, betätigte Carol mit einer zitternden Hand den Öffnungsmechanismus und sah ins Cockpit.



“Oh Mann… also gut, Tanner. Sie gehen nach hinten, wenn ich irgendwie ausklinke, übernehmen Sie zur Not die Kontrollen.”

Sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Flachmann und atmete tief durch, bis sich das Zittern legte. Dann stiegen sie ein.

Eine halbe Stunde später verließen sie die Atmosphäre der Erde. Carol fühlte sich nicht besonders wohl, ihre Muskeln waren verkrampft und sie schwitzte.

“Alles in Ordnung da vorne bei Ihnen?”

Carol warf einen kurzen Blick über die Schulter.



“Ja… ja, ich denke schon. Ich muss die Vergangenheit einfach ausblenden und mich nur auf das Fliegen konzentrieren. Aber es ist wohl etwas Umgewöhnung nötig. Die F7C-M sieht neben einer Gladius wie ein dicker Kübel aus… und so steuert sie sich auch. Man hat das Gefühl, man sitzt in einem Panzer. Aber vielleicht ist ein Schiff, was nicht so schnell kaputt geht, ja genau richtig für mich.”

Sie lachte leise.

“Ist das für Sie in Ordnung, wenn wir noch ein paar Runden drehen? Dann kann ich ein wenig Gefühl für die Marvel Star bekommen.”

“Natürlich. Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie wollen.”

Nach weiteren zwei Stunden hatte Carol die Marvel Star gut im Griff. Die Automatismen ihrer Pilotenausbildung griffen und das Unglück um ihren Bruder hatte sie vergessen.

“Okay, ich denke, das reicht für den Anfang. Schade, dass ich das beste an diesem Schiff noch nicht testen kann… seine Feuerkraft. Ich wette, der Unterschied ist gewaltig. Nun dann… ich denke, ich komme nun auch allein zurecht. Vielen Dank nochmal, Tanner. Ich setze Sie bei Ihrer Carrack ab und dann werde ich meine Sachen aus Boston holen. Und ich muss mich noch bei meinen Eltern verabschieden. Schließlich steht der Umzug nach New York an.”

Vleit Medane

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24

10.01.2018, 19:18

Das Gesetz der Rache

Kapitel 1 - Bedürfnisse

Inmitten des betäubenden Nebels eines brutalen Traumes erbebte das Universum, als sich der Hyperraumantrieb der Deep Draft abschaltete. Vleit schreckte hoch und verschüttete Wasser aus der Tasse zwischen seinen Beinen. Er fluchte nicht, wie er es normalerweise getan hätte, sondern ließ die Tasse fallen und starrte benebelt auf die kleinen Pfützen, die sich auf dem Metallboden bildeten - und auf die Tasse, die nach einem Moment zur Ruhe kam. Er wusste, wie dumm es war, sich von einem so gewöhnlichen Anblick gefangennehmen zu lassen, doch sein Geist ließ gerade nichts anderes zu.

„Wach auf, Arschloch!" Rief eine Stimme aus dem InterCom. „Übermittle die ID!" Eine Warnsirene heulte in seinem Cockpit auf, als eine schwere Wachkanone sich auf sein Schiff richtete. Vleit erkannte plötzlich, in welcher Gefahr er schwebte, und kämpfte sich aus dem Nebel seines Bewusstseins.

„Äh ... Landeaufsicht, hier spricht das Kraftstoff-Förderschiff Deep Draft, IDENT-Nummer drei, sieben, se..."

Die Landeaufsicht schrie ihn erneut über das InterCom an. „Elektronische Übermittlung, du Vollidiot! Reiß dich zusammen, Pilot!"

Vleit versuchte den Schwindel der Sprungkrankheit abzuschütteln. Immer noch halb betäubt drückte er einige Knöpfe auf seinem Armaturenbrett, um dem Aufsichtssystem der Raumstation die elektronische ID der Deep Draft zu übermitteln. Dieser Authentifizierungsvorgang musste rasch abgewickelt werden, bevor die Verteidigungssysteme das Schiff als feindlich einstuften und die schweren Kanonen, die an der Station befestigt waren, zu feuern begannen.

Erleichtert atmete Vleit durch, als sein Schiff die Erlaubnis zum Anflug erhielt. Er blinzelte einige Male, um den Nebel vor seinen Augen zu vertreiben, dann drosselte er die Schubdüsen des Schiffes. Langsam flog es dem Hangar entgegen. Die Station befand sich noch etwa einen Kilometer entfernt. Ihre Metalltürme erhoben sich von der Oberfläche eines bedrohlich wirkenden Asteroiden. Der Schrott längst abgeschlossener Bergbau-Operationen treib im All. Ein industrielles Zivilschiff wurde in den Hangar geschleppt und dabei von einigen Raumjägern begleitet. Alle Jäger gehörten freiberuflichen Piraten an.

„Nicht ungewöhnlich." Dachte Vleit. „Piraten holen sich alles, was sie kriegen können, Drogen, Waffen, Sklaven, Hauptsache es ist gestohlen oder illegal."

Die Station hing vor dem Fenster seiner Brücke. Sie bestand aus Metalllegierungen, die dem lebensfeindlichen Weltraum und ebenso Rammversuchen großer Schiffe mühelos trotzten. Vleit bremste, als Schleppdrohnen neben ihm auftauchten und die Deep Draft sanft zu ihrem Liegeplatz führten. Ihm fielen die anderen leeren Landeplätze auf. Es war drei Uhr morgens Ortszeit.

„Gut." Dachte er. „Je weniger Leute, desto besser."

Die Raumstation, ein Handelsposten inmitten des Nichts, lag weitab der größeren Schiffsrouten und wurde deshalb vor allem von zwielichtigen Reisenden geschätzt. Abgesehen von Schmugglern hielten sich dort die unterschiedlichsten Kriminellen auf, ebenso wie Flüchtlinge und Piraten. Alle gingen auf der Station ihren illegalen Geschäften nach. Nur zwei Dinge vereinten sie alle: Der Wunsch, sich so weit wie möglich entfernt von den Behörden aufzuhalten, und die Tatsache, dass irgendjemand viel Geld für ihren abgeschlagenen Kopf zahlen würde.

„Ob extrem reich oder extrem arm, jeder hier läuft vor etwas davon." Dachte Vleit. Er zog die Handfeuerwaffe aus seinem Halfter, legte sie in einen Schrank und verschloss ihn sorgfältig. Zu den Sicherheitsvorkehrungen, die dafür sorgen sollten, dass die Raumstation ein zivilisiertes Geschäftsfeld bot, gehörten unter anderem Luftschleusen, die sich nur öffneten, wenn man unbewaffnet war.

Vleit hatte das Schiff gerade verlassen und betrat die Luftschleuse. Vor ihm öffneten sich Türen. Er betrat die Station. Ohne seine Handfeuerwaffe fühlte er sich allein. „Das Geschäft mit dem Tod ist eine Kunstform." Dachte er, als er sich einem Informationsstand für Söldner näherte. „Leute werden sehr kreativ, wenn sie einander umbringen wollen."

Vleit sah sich um. Die Tage, an denen er sich an pompösen Schauplätzen, umgeben von geradezu absurd verschwenderischem Luxus, getroffen hatte, waren vorbei. Während er auf der Station eher ungewöhnliche Erfahrungen machte, versuchte Vleit seine männlichen Bedürfnisse auf traditionelle Weise zu befriedigen - Indem er eine Frau dafür bezahlte.

Auf der Promenade angelte er sich schließlich die erstbeste Professionelle und verschwand mit ihr in ein billiges Wohnmodul. Sie stimulierte ihn oral. Als seine Bedürfnisse, die er auf dem Schiff nicht hatte erfüllen können, befriedigt waren, sackte er erschöpft zusammen.
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Vleit Medane

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25

10.01.2018, 19:19

Kapitel 2 - Der Tod auf den Fersen

Vleit hielt sein Glas hoch. Die Eiswürfel in seinem Drink lösten sich langsam auf. Er war ein schlanker Mann, der sich normalerweise erst nach einigen stark alkoholhaltigen Getränken beschwipst fühlte. Aus irgendeinem Grund war das an diesem Abend anders. Er hatte seinen ersten Drink noch nicht ganz zu ende getrunken, spürte aber bereits Wärme auf seinen Wangen. Hinter seinen Augen summte und kribbelte es. Mit einer Geste bestellte Vleit einen zweiten Drink.

Die Raumstation lag tief in einem nicht regulierten Teil des Weltraums. Die nächst gelegenen Territorien gehörten der UEE, und das spiegelte sich in den Besuchern der Bar wider. Geld, das war der Gott, dem diese Menschen huldigten. Sie taten alles, um mehr davon zu bekommen.

Der Stationsbesitzer sorgte dafür, die Schwerkraft etwas höher als normal einzustellen, was dafür sorgte, dass die Gäste mit dem Hintern auf ihren Stühlen oder in den Schößen der Stripper blieben. Gelegentlich lieferten Partnerunternehmen Raumschiffe voller Prostituierter ab. Sie zogen Kunden im Umkreis von einigen Lichtjahren an und sorgten für deutliches Wirtschaftswachstum auf der Station. Besonders die Stammkunden schätzten die Abwechslung von der virtuellen Unterhaltung, auf die sie normalerweise angewiesen waren. Es war schon vorgekommen, dass jemand ein komplettes Raumschiff gegen Sex geboten hatte.

Der Barkeeper, ein älterer Mann, betrachtete Vleit und unterhielt sich angeregt mit ihm. „Hab dreißig Jahre lang einen Indy geflogen, dann meine Gewinne einkassiert und dieses Drecksloch hier so weit wie möglich von den alten Routen aufgemacht."

„Dir kommt das Geld also schon zu den Ohren aus." Grinste Vleit.

„Zum Millionär werde ich so bald nicht." Sagte der Barkeeper. Vleit trank sein Glas halb aus. Er genoss das Brennen in seiner Kehle. „Dazu kann man nur eines sagen." Krächzte er. „Du bist echt gearscht." Die beiden Männer lachten. Sie verstanden einander. Der Barkeeper wandte sich ab und lies Vleit mit seinen Gedanken allein. Er trank einen Schluck, stellte sein Glas ab und atmete tief durch. Die bitteren Alkoholdämpfe schienen seine Luftröhre zu reinigen. Ein volles Glas mit frischem Eis tauchte vor ihm auf. Vleit trank es aus und stellte das Glas heftiger als nötig auf der Theke ab.

„Wie lange willst du mich noch ignorieren?" Fragte eine Stimme. Vleit blickte nach rechts. Eine Frau saß zwei Hocker von ihm entfernt an der Theke. „Da taucht eine Frau in einem solchen Loch auf, und du bemerkst das nicht einmal?" Sie trug einen dunkelgrauen Overall, darunter ein eng anliegendes Sweatshirt. Sie roch ein wenig nach Parfüm. Ihr Haar war dunkel. Sie trug es kurz. Ihre Haut wirkte spröde, doch ihre Gesichtszüge mit den dunklen, sinnlichen und geheimnisvollen Augen erregten ihn. Trotz seines alkoholisierten Zustandes fielen Vleit ihre ungewöhnlich kräftigen Hände auf.

„Hab mich wohl zu sehr aufs Trinken konzentriert." Murmelte er. „Das kann ich sehen." Sagte sie. „Bist du wegen der Muschiparade hier?" Vleit verschluckte sich und hustete. „Dachtest du etwa, eine Frau kennt keine schmutzigen Worte?" Fragte sie. „Ich hab Lust zu vögeln, so wie alle Mädchen hier. Und die Jungs." Sie lächelte verschlagen. „Du steckst voller Überraschungen." Krächzte Vleit, während er sich mühsam zusammen riss. „Kann ich dir etwas ausgeben?"

„Nein." Sagte sie. „Aber ich würde Geld von dir nehmen." Vleit lächelte. „Bist du eine Professionelle?" Sie hob die Augenbraue. „Ich bin Captain, Schätzchen."

„Du bist Captain? Verarsch mich nicht."

Sie grinste erneut. „Das du kein Captain bist, sieht man dir übrigens an." Ihre Worte schnitten wie eine Sense in Vleit´s Stolz, doch dieser Verlust wurde rasch durch Lust ersetzt, als sie sich auf den Hocker neben ihm schob. Seine Blicke glitten über ihren Körper. „Schon in Ordnung." Sagte sie. „Ich überrasche jeden. Deshalb überlebe ich hier draußen. Ich heiße übrigens Jelena... Jelena Iwanow. Und wer bist du?"

Vleit wusste nicht genau, was er fühlte. Es war eine gefährliche Mischung aus Leichtsinn und Lust. „James heiße ich." Sie verdrehte die Augen, so als wüsste sie, dass Vleit ihr nicht die Wahrheit sagte und zog sich einen Hosenträger von der Schulter. Vleit sah die Umrisse ihrer festen Brust darunter. Er atmete tief durch.

„Wir kriegen deine Prioritäten schon geregelt." Sagte Jelena. Kurz berührte sie sein Knie. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und beugte sich näher an ihn heran. Vleit fragte sich, ob wohl alle in der Bar die Beule in seiner Hose sahen. Jelena hielt seinen sehnsüchtigen, lustvollen Blick einen Moment, dann sah sie zum Barkeeper. Sie kniff die Augen zusammen, so als wolle sie etwas hinter ihm Betrachten.

Vleit schluckte den Köder und sah in die gleiche Richtung. Das Waffenverbot wurde auf der Raumstation mit teurer Sicherheitstechnik durchgesetzt. Trotz dieser Maßnahmen kam es hin und wieder vor, dass Gäste mit versteckten Ressourcen verstümmelt oder getötet wurden. Im Falle dieser heißblütigen Frau bestanden diese Ressourcen aus ihren Fäusten, ihren Beinen, den genetisch verbesserten Muskelfasern und einer umfassenden Kampfsportausbildung. All das hatte sie von der Armee und der Söldner-Szene bekommen, um aus ihr eine Attentäterin zu machen, die trotz Beschränkungen ihr Ziel zu jeder Zeit vernichten konnte.

Als Vleit zur Seite sah, reagierte sie. Ein kräftiger Tritt zertrümmerte ein Bein des Barhockers, auf dem er saß. Der Hocker kippte zur Seite. Vleit rutschte herunter und knallte ungebremst auf seinen Steiß. Schmerz stach in sein Kreuz und ließ den Raum vor seinen Augen verschwimmen. Er sah ihr Knie nicht kommen. Es krachte in sein Gesicht und warf ihn auf den Rücken.

Der Barkeeper reagierte so schnell, wie es einem älteren Mann möglich war. Er sprang über die Theke und versuchte Jelena festzuhalten. Aber sie war jünger, schneller, und stärker als er. Sie griff nach seinem Handgelenk und drehte es. Sehnen rissen, Knochen brachen. Der Barkeeper warf den Kopf in den Nacken und schrie. Mit der freien Hand setzte Jelena nach und zerquetschte seinen Kehlkopf. Ein Tritt traf sein Brustbein und schleuderte ihn in ein Regal voller Flaschen.

Das Geräusch von zerbrechendem Glas riss Vleit aus den Tiefen seiner Benommenheit. Durch den Schleier aus Schmerz und Verwirrung hörte er lautes Krachen und Stöhnen, doch das reichte nicht, um ihn vollends zu Bewusstsein zu bringen. Das geschah erst, als er Jelena in ein InterCom reden hörte. „Er ist auf Davos-Station."

Adrenalin strömte durch Vleits Körper, als sein Selbsterhaltungstrieb erwachte. Er sprang auf. Primitive Instinkte übernahmen die Kontrolle. In einem Sekundenbruchteil begriff er, wer die Frau war. Sein Gehirn erkannte die Verbindung zwischen ihm und den Ereignissen um Poseidon Industries. Vleit zog die für ihn einzig logische Schlussfolgerung: Sie war der Tod, den seine Gegner ihm auf die Fersen setzten.

Diese Erkenntnis verlieh ihm große Kraft. Seine Widerstandsfähigkeit überraschte Jelena Iwanow so sehr, dass sie eine volle Sekunde brauchte, um auf seinen Angriff zu reagieren. Sie sprang hoch, verfehlte ihn dabei mehrmals und deckte Vleit erst bei der Landung mit Schlägen ein. Jelena war klein, aber ihre Bewegungen waren fließend und kraftvoll. Vleit steckte einige Schläge ein und parierte andere. Er achtete darauf die Verletzung in seinem Gesicht zu schützen, während er auf die Gelegenheit zum Gegenangriff wartete.

Er duckte sich und schlug schwach mit links. Absichtlich nahm er dabei die Faust herunter, sodass Jelena die Schwellung unter seinem Auge sehen konnte. Wie erwartet stürzte sie sich darauf und holte zum entscheidenden Schlag aus. Doch Vleit packte bereits mit rechts eine volle Glasflasche. Mit der Flasche nahm er Schwung, die an ihrer Armbeuge vorbei an Kinn und Kiefer explodierte. Der Treffer warf ihren Kopf zur Seite. Selbst ihre modifizierten Muskeln hatten der Wucht nichts entgegenzusetzen. Sie kippte und schlug auf dem Boden auf. Ihr Kopf verdrehte sich dabei auf grotesk unnatürliche Weise zur Seite.

Ein letzter Atemzug, dann verließ das Leben ihren Körper. „Was zum Teufel sollte das?" Fragte der Barkeeper röchelnd. „Hast du eine Rechnung nicht bezahlt?" Vleit´s Blick glitt zum InterCom, das an der Hüfte von Jelena hing. Er hockte sich neben sie und riss es an sich, während er das Blut, das ihm aus zertrümmerten Nebenhöhlen in den Mund lief, ausspuckte. Dann aktivierte er es und sprach hinein...

„Verpisst Euch!" Schrie er und warf das InterCom zur Seite. Übereilt humpelte Vleit aus der zwielichtigen Bar hinaus - Richtung Landebuchten.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Vleit Medane« (10.01.2018, 20:52)


Vleit Medane

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26

10.01.2018, 19:19

Kapitel 3 - Rache

Die Krankenschwester auf der Intensivstation stand direkt gegenüber dem Bett ihrer Patientin und konzentrierte sich auf sie. Es gab noch andere Leute in demselben Raum, aber die schienen weit weg und letztlich auch unwichtig. Zufällige Konversationsfetzen drangen durch ihren gedanklichen Nebel, aber sie war nicht in der Lage, alles gleichzeitig aufzunehmen.

"... Sie wurde einfach in einer Raumkapsel ausgesetzt ..."

Da waren so viele Maschinen, die Faye Medane am Leben hielten, dass die Krankenschwester kaum näher an sie herankonnte.

"... Sie haben die Kapsel unter Beschuss genommen ..."

Antimaterie-Geschosse hatten die Raumkapsel durchbohrt und darin zu einer explosiven Dekompression in den Weltraum geführt. Faye Medane hatte beinahe neunzig Sekunden lang Luft an das leere All abgegeben, bevor ein Rettungsschiff sie aufnehmen konnte.

"... Sie taten es nur zu ihrem Vergnügen ..."

Die Ärzte hatten die Krankenschwester darüber informiert, dass die Fliehkraft ihr - beim Hinausschleudern aus der Kapsel - fast alle Knochen gebrochen hatte. Das hatte nichts mit mechanischem Versagen der Raumkapsel zu tun, sondern der Tatsache, dass immer noch Antimaterie-Geschosse in diese einschlugen, als sie bei der Dekompression hinauskatapultiert wurde. Die Kräfte, die während des Vorgangs wirkten, waren katastrophal.

"... Und dann wurde sie zurückgelassen ..."

Faye Medane war bewusstlos, bevor die Kapsel entlüftet wurde. Das, so glaubten die Ärzte, hatte ihr wahrscheinlich das Leben gerettet. Hätte sie versucht, ihren Atem anzuhalten - eine normale Panikreaktion, wenn man plötzlich einem Vakuum ausgesetzt wird - hätten ihre Lungenflügel und ihr Brustkorb sich wegen zu hohen Luftdrucks innerhalb der Lungen aufgebläht und das Gewebe und die Kapillaren zerrissen.

"... Es gab einen allgemeinen Funkspruch ..."

Ihr Körper war blau angelaufen, als man sie fand, als litte sie an Zyanose. Tiefe Stichwunden – verursacht durch Trümmerteile - waren auf ihrer linken Körperseite sichtbar. Die Ärzte mussten sie direkt im Laderaum des Rettungsschiffes stabilisieren, bevor man sie auf die Intensivstation bringen konnte. Faye Medane starb zweimal auf dem Weg dorthin. Beide Male war man in der Lage, ihr Herz wieder zum Schlagen zu bringen.

"... Du nahmst uns Jelena, wir nehmen dir alles! Es wird weder Mitgefühl noch Gnade geben. Weder Frieden noch Trost ..."

Faye´s linker Arm und das linke Bein mussten amputiert werden. Die Ärzte gaben ihr eine 1:6 Chance zu überleben. Sie sagten, ihr Lebenswille sei bemerkenswert.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Projekt G89

C.R.A.S.H. Corps - Marine Corps

Wohnort: Alfter

Titel: ***

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27

11.01.2018, 06:30

2944 - Fall von Cerberus - Nyx System

2 Stunden vor Abwurf 2. Flotte 65. Battlegroup:

Es war rege Aktivität am Bord der Javelin zu spüren als die bevorstehende Operation vorbereitet wurde. „Major? Sind sie hier irgendwo?“ erklang es als ein recht entspannter Marine die modifizierte Torpedo-bucht der Javelin betrat. Unter einer der speziellen Kapseln lugte ein Kopf hervor, leicht verschmutzt doch durch die schroff kurz rasierten Haare deutlich zu erkennen das es kein Techniker war.

„Ja ich bin hier, was gibt es denn?“ Antwortete der Mann als er vom Boden hinauf schaute.

Der Marine schaute sich um bevor er das Gespräch fortsetzte „Bastelst du etwa schon wieder an der Kapsel?“

„Ja warum denn nicht? Wie du siehst bringt es mir Glück.“

Die beiden Männer mussten grinsen. „Wie viele Bastelarbeiten hast du eigentlich schon hinter dir?“ fragte der Marine nach als er sich zu seinem Kameraden hinhockte.

Der Mann am Boden sah ihn kurz an bevor er sich wieder unter die Kapsel schob, „Ich hab vergessen zu zählen, aber da es bei meiner Namensgebung schon 89 waren, müsste es inzwischen im dreistelligen Bereich sein.“

„Jetzt hör auf zu grinsen PG… und wie viele von denen funktionierten?“ bohrte der Marine nach als er sich von der hocke zu einer bequeme Sitzhaltung auf den Boden niederließ.

„Nur weil ihr nicht mit meinen Schusswaffen umgehen könnt heißt es nicht das sie nicht funktionieren …, und die Kapseln funktionierten bis jetzt alle.“ verteidigte Pryson seine Arbeit bevor sein Kamerad grinsend einwarf

„Dafür mussten die Techniker deine Gladius immer wieder nachjustieren, damit diese überhaupt flog, als wir noch auf der Idris waren.“
„Wo ist die Gladius eigentlich seit unserer Versetzung?“ grübelte der Mann nun.

„Die Gladius ist derzeit eingelagert, aber sie wird wahrscheinlich nicht mehr im Militärdienst starten,“ gab er als er sich wieder raus zog mit einem grinsen von sich. „Leider wird die süße Technikerin keinen Finger mehr an die Gladius legen“ dachte PG etwas bedrückt lauter nach.

„Ich wusste doch das da was faul war ... aber Moment, das ist unüblich das ein Jäger einfach eingelagert wird“ stellte der Marine fest.

„Ach Wade … erinnerst du dich nicht an die letzte Mission vor der Versetzung? Du weißt schon, die in der ihr die Tochter des Terranischen Abgeordneten gesichert habt und ich euch Deckung aus der Luft gegeben habe.“

„Doch aber was ist damit?“ hakte er verwirrt nach.

„Die Führung gab mir die Wahl die Gladius mit meinem ersparten zu erwerben. Nach all der Dienstzeit wäre sie nach unserer Versetzung eh außer dienst gestellt worden.“

Es verging einige Zeit in der sich Wade und Pryson locker unterhielten, inzwischen hatte Pryson auch seine Arbeit beendet und sie gingen entspannt über die Korridore der Javelin. Die Zeit verstrich und nach einem letzten Briefing, denen auch Wade und Pryson beiwohnten, machten alle beteiligten sich auf für den bevorstehenden Einsatz auszurüsten.

Wieder in der Torpedo-bucht angekommen in der sich Wade und Pryson vorhin unterhielten, begannen sie zu scherzen „Der letzte der unten ist gibt eine Runde“ spaßten die zwei herum während die anderen mit Begeisterung einstiegen. Es war eine alte Tradition der Überlebenden dieser Einheit um die Motivation zu heben. Und auch wenn die zwei Torpedo-buchten voneinander getrennt waren konnte man deutlich hören das die andere Gruppe eine ähnliche Wette am laufen hatte.

Die Zeit zum Start der Mission brach an und die Marines hatten ihren Platz in den Kapseln eingenommen, sie wurden in den speziell modifizierten Launcher der Javelin verladen. Während sich die Javelin zur Planetenoberfläche von Nyx I für die bevorstehende Landung ausrichtete, schalteten sich die Comms der Kapseln für eine Konferenzschaltung ein. Die Marines nickten kurz bevor darauf von 20 Männer und Frauen die Worte ~First in, never out~ gleichzeitig ertönten und die ersten Kapseln herausgeschossen wurden. Sie würden nicht merken für wie wahr sich diesmal ihr Einheiten Motto herausstellen sollte.

Es dauerte nicht lange und 20 Kapseln traten wie Meteoriten in die Atmosphäre von Nyx I ein. Doch die Luftabwehr stellte sich als stärker heraus als es das Oberkommando vermutete, den dieser hielt es nicht für wichtig diese in irgendeiner weise zu erwähnen.

Immer mehr Kapseln verschwanden aus der Statusliste während Pryson damit beschäftigt war dem Beschuss auszuweichen.

„Versuch mir zu folgen“ erklang es kurz im Funk als Pryson zu Wade Kontakt aufbaute und es schien auch zu klappen als kurz vor der Landung die Kapsel von Wade getroffen wurde und ungebremst auf die Planetenoberfläche aufschlug.

Ähnlich wie die meisten anderen Kapseln verschwand auch Wade's Kapsel von der Liste, zum Zeitpunkt von Prysons-aufschlag befanden sich 3 weitere Kapseln in der Liste die den Aufprall überstanden hatten.

„Ohhh Shit was zur Hölle war das?“ rappelte sich Pryson auf, eine ruppige Landung war nichts neues doch das war selbst für diese Einheit ruppig.

Pryson versuchte einen Funkkontakt zu den verbleibenden Kapseln aufzubauen doch nichts außer rauschen war zu hören. Er entschloss sich die verbliebenen Kapseln zu suchen und machte sich auf den Weg nachdem er seine eigene Kapsel mit einer Granate gesprengt hatte. Es verging einiges an Zeit bis er die dritte Kapsel fand doch wie schon bei den beiden Kapseln zuvor fand er nur einen toten Kameraden vor. Wobei Pryson kurz in sich zusammen sackte und sich an die letzte Kapsel anlehnen musste.

„Diesmal bin ich wohl der der die Runde ausgibt,“ resignierte er vor sich hin bevor er sich wieder fing, „Aber erst muss ich von diesem Drecksplaneten.“ Er besonnte sich auf seine Ausbildung um in der nähe des Feindes zu überleben bis sich eine Möglichkeit bot.



Es vergingen Tage in denen sich die Lage beruhigte, es waren keine weiteren Versuche unternommen worden um die Stellungen einzunehmen oder gar Kontakt aufzunehmen. Das war unüblich doch zeigte dies Pryson deutlich das die Einheit es diesmal nicht wert war für das Oberkommando irgendetwas in die Wege zu leiten. Doch Pryson brauchte das Oberkommando nicht als er einen Frachter fand der so gut wie nicht bewacht wurde und kurz vor dem Start war.

Nach dem Start war dort nur der Pilot den er aus dem weg räumen musste und das war schon zu leicht nachdem sie die Atmosphäre verlassen hatten. Als das letzte Hindernis beiseite geräumt war begann Pryson damit von der Bildfläche zu verschwinden, schließlich war die Annahme nah das er gefallen ist.

….

2945 - Irgendwo zwischen Mars und der Erde

Es war schon eine gute Weile her, als die leicht rotierende Constellation der Andromeda Klasse den Mars passiert hatte. Die sonst so mächtig dröhnenden Haupttriebwerke der Constellation waren deaktiviert, doch gedämmtes Licht im inneren des Schiffes ließen darauf deuten, dass das Schiff selbst aktiv war. Ein Mann Mitte 20 stieß sich von einer Oberfläche zur nächsten ab, er genoss von Zeit zu Zeit immer wieder mal die Schwerelosigkeit indem er schlicht und einfach den Gravitationsgenerator deaktivierte.

Die Kisten Titanium, welche sich im Frachtraum sicher befestigt befanden, waren den Aufwand einer Constellation kaum wert. Doch ein Leerflug wäre noch schlechter gewesen, so kam es dazu das Pryson sich diesen Auftrag annahm. Es war nichts bewegendes, ein einfacher Ressourcennachschub der kleinen Werften auf der Erde. Es hatte noch nicht mal eile so hieß es in der Ausschreibung was er nun auch nutze um die Schwerelosigkeit zu genießen.

Doch die ruhe hielt nicht so lange an wie erhofft, die Scanner empfingen ein Notsignal, welches durch ein deutliches „Ping“ im Schiff zu hören war. So hangelte er sich wieder nach vorne auf die Brücke, um die restlichen Systeme wieder zu starten und nach dem Ursprung des Signals zu suchen. Da war es, es war vergleichsweise schwach doch es war nur leicht abseits seiner Route was bedeutete er musste nur geringfügig den Kurs ändern. Als sich die Constellation dem Signal soweit näherte das dieser stark genug war um diesen als Quantum Marker zu nutzen setzte Pryson auch schon zum Sprung an.

Wie es im Sicherheitsprotokoll des Schiffes verzeichnet war, kam es mehrere Kilometer vom Signal entfernt wieder aus dem Quantumdrive, doch nah genug um die kleine X85 auf dem Radar anzupeilen. Warum war sie hier? Wo ist das dazugehörige Mutterschiff? Doch dafür war jetzt nicht die Zeit und Pryson steuerte die X85 an, stets einen Blick auf den Tiefen-Raumscanner. Doch dort war nichts, nicht einmal Asteroiden die den Scanner stören könnten.

"An den Piloten der X85, hier U.N.S.S. Valkyrie hören sie mich? kommen." gab Pryson über Funk ab als er in Funkreichweite war während er sich weiter näherte.

"Ich wiederhole: an den Piloten der X85 hier U.N.S.S. Valkyrie hören sie mich? kommen." es dauerte eine weile inzwischen war die X85 in den Suchscheinwerfern der Constellation.

Er wollte ein drittes mal durch-funken als sich plötzlich jemand meldete.

"Valkyrie? ich höre sie ... unser Triebwerk hat ein schaden und hier blinkt ein rotes Lämpchen auf" erklang eine verzweifelte Stimme, der Tonlage nach scheinbar ein Teenager oder Jung-erwachsener.

“Können sie uns helfen?“ erklang nun eine zweite stimme diesmal eine weibliche.

Pryson wusste was dieses rote Lämpchen bedeutete, doch war Panik bei den beiden nun nicht angebracht.
Es schien ihnen noch gut zu gehen und somit war noch genug Zeit zum handeln bevor die Lebenserhaltung ausfiel.

„Natürlich helfe ich euch, aber als erstes werde ich euer Signal verstärken damit jemand kommt der euch an Bord nehmen kann.“ antwortete er während er bereits die nötigen befehle in die Konsole eingab und absendete.

Dabei hatte er den Funk auf den Freisprecher gelegt und erhob sich von seinem Sitz um nach hinten zu gehen.
„Und nun komme ich zu euch raus, also macht euch keine sorgen.“

Es verging ein paar Minuten in denen Pryson einen breiteren Schlauch sowie ein langes Stahlseil aus den Fächern der Constellation herausholte und sich seinen Helm aufgesetzt hatte.
Als alles bereit lag öffnete sich eines der seitlichen Druckschotts und der etwa 1,80 große Mann verließ die Schleuse mit Schlauch und Seil beladen.

Er hakte sich, sowie das Stahlseil an der Außenhülle der Constellation ein und öffnete ein Paneel welches Leitungen zum Vorschein brachte. Dort war ein Anschluss mit der Aufschrift Oxygen an dem er ein ende des Schlauchs befestigte. Nun war es soweit und er stieß sich in Richtung der X85 ab, er musste nur wenige Korrekturen mit den Steuerdüsen vornehmen um bei dem kleinem Schiff anzukommen.
Dort angekommen schaute er ins Cockpit des kleinen Schiffs und entdecke dem Anschein nach ein junges Pärchen 17 maximal 18 Jahre alt und kein Anzeichen von EVA-Suits so wie er es schon vermutet hatte.

„Hallo Kinder wie geht es euch da drin?“ Erkundigte er sich und ein doch recht ruhiges aber inzwischen schwerer werdendes „Uns geht es gut.“ kam als Antwort.

„Was machen sie da?“ erkundigte sich das Mädchen während Pryson ein Paneel der X85 öffnete und sowohl Seil als auch Schlauch anschloss.

„Ich sorge dafür das wir mehr Zeit zur Verfügung haben“ antwortete er mit einem warmen und ruhigen Ton. Es gab ein kurzes zischen als die Leitung angeschlossen wurde und die Sauerstoffversorgung der X85 nun durch die Constellation erneuert wurde.

Es verging einige Zeit in der sie dort umhertrieben, die Positionslichter der Schiffe in den weiten der Dunkelheit aufleuchtend, doch Pryson schien die Zwischenzeit zu nutzen und hatte die zwei Jung-erwachsenen in ein Gespräch verwickelt das sie von der Situation ablenken sollte. Dabei erfuhr er das die zwei mit ihren Freunden auf einer 890Jump, in der nähe des Herschelsche Asteroiden Gürtel gefeiert hatten, bevor die beiden beschlossen etwas Zeit für sich zu nehmen und sich die Asteroiden von 'nahen betrachten' wollten. Da sie ihren Ausflug jedoch niemanden erzählt hatten und der Alkohol bei der Feier vermutlich ihr übriges leistete, bemerkte niemand das die X85 fehlte bevor die 890Jump in den Quantumdrive Richtung Erde flog. Bei dem versuch ihnen zu folgen überhitzten die Triebwerke der kleinen X85, schließlich waren diese für einen so langen Flug im Quantumdrive nicht gedacht.

„Habt ihr denn etwas zu trinken und zu essen da drin?“ erkundigte sich Pryson mit einem Lächeln als er den Sauerstoffvorrat an seinem Anzug wieder auffüllte.„Schließlich sind wir hier weit draußen es könnte noch ein paar Stunden vergehen bevor jemand hier ankommt.“

Die zwei sahen zu ihm raus wie er dort neben dem Schiff in seinem Anzug daher trieb, doch außer einer kleinen Flasche Wasser die sich in einem der Staufächer befand hatten sie natürlich nichts dabei, aber dies würde wenigstens das schlimmste in den Stunden verhindern.

Es vergingen wie erwartet noch ein paar Stunden und einige Sauerstoffbefüllungen als die Systeme der Constellation ein weiteres Signal ausmachten, die einer 600i die sich zu nähern schien.

Ein Licht am Mobiglass von Pryson leuchtete auf und er reagierte darauf „Ja mit wem spreche ich?“ waren seine Worte bevor sich ein Mann am anderen ende der Leitung meldete.

„Hier ist das Merc Rettungsschiff Savior, wir haben das Notrufsignal einer X85 aufgefangen.“

„Ja das ist richtig, sie havariert hier neben meiner Constellation.“

„Wo liegt den das Problem? Ist jemand verletzt?“ hakte der Mann des Sanitätsschiffs nach.

Pryson sah zu den Zweien in der X85 hinein „Nein aber die Lebenserhaltung ist defekt und eine Bergung ist mangels EVA-Suits nicht möglich.“ erklärte er kurz und bündig woraufhin eine elementare frage folgte „Können sie das Schiff an Bord nehmen?“

„Wir haben gerade ein Notfall an Bord und …“

„Ja wir können die X85 an Bord nehmen“ unterbrach eine junge Frauenstimme den Mann. „Der Patient ist stabil …“ erklang es kurz über Funk, als haben sie vergessen das der Kontakt noch offen war, doch schließlich herrschte eine weile stille.

„Mister sind sie noch da?“ erkundigte sich die selbe Frauenstimme wie die die sich vorhin in das Gespräch eingeschaltet hatte.

„Ja, ich genieße den Ausblick hier draußen“ versuchte er die Lage aufzulockern während er immer wieder zu den zwei gestrandeten hinein sah.

„Gut, dann nehmen wir jetzt die X85 auf. Können sie uns dabei helfen?“

„Natürlich, sie müssten sich nur vor uns setzen,“ entgegnete er der Stimme, während er das sich bereits genäherte Schiff betrachtete. Er fühlte sich leicht beobachtet während sich die 600i in Stellung brachte.

„So jetzt musst du das Fahrwerk ausfahren Junge“ erklärte Pryson dem jungen Piloten der X85 während er selber die Befestigungen an der X85 zur Constellation löste und per Überbrückungspaneel mit kleine Druckluftschübe das kleine Schiff in Richtung der 600i steuerte.

In der geöffneten Frachtluke für das Beiboot standen bereits 2 Personen in EVA-Suits die darauf warteten die X85 und deren Insassen zu empfangen. Umso langsamer verstrichen schließlich die letzten Meter bis die Luke geschlossen werden konnte. Das kleine Schiff war so nah an dem Boden platziert worden, dass das plötzliche eintreten der künstlichen Schwerkraft diesem nichts anhaben konnte. Doch Pryson der zuvor noch darüber an der Steuerung arbeitete viel zuerst unsanft auf die X85 und schließlich von der glatten Oberfläche hinab auf den Boden des Frachtbereichs. Mit einem lautem zischen öffnete sich nun die Kanzel der X85 und während einer der beiden Crew Mitglieder der 600i sich um die Insassen kümmerte erkundigte die zweite Person sich nach Pryson.

„Ist alles in Ordnung?“ erkundigte sich eine weibliche Stimme, die selbe Stimme wie zuvor im Funk.

Pryson rappelte sich kurz auf und setzte sich auf den Boden „Ja, mir geht es gut ich hab nur ein paar Kopf- und Gelenkschmerzen nach der Landung“ gab er offen zu. Dabei sah er wie die Insassen der X85 von dem Kollegen der Frau hinaus in den Aufenthaltsbereich der 600i geführt wurden.

„Dann lassen sie mal sehen“ meinte sie kurz als sie ihren Helm absetzte und die schulterlangen rotbraunen Haare sowie das freundliche Gesicht der jungen Frau zum Vorschein kamen.

Pryson tat es ihr gleich und löste mit einem zischen seinen Helm und zum Vorschein kam tatsächlich eine kleine Schramme an der Stirn. „Ich werde es schon bis zu meinem Schiff überleben,“ gab er kurz von sich als er den Helm neben sich auf den Boden absetzte.

„Das werden sie, aber wenn sie schon hier sind kann ich ja auch was machen“ antwortete sie mit einem lächeln. „Ich heiße Cara-Jane Danvers und ihr Name lautet?“ erkundigte sie sich.

„Mein Name Lautet Pryson, Pryson Gene“ antwortete er kurz.

„Also Mister Gene was haben sie da draußen gemacht?“ hakte sie ruhig nach während sie die kleine schramme begutachtete.

„Nur Pryson“ bot er kurz mit einem lächeln an bevor er fortsetzte „Ich habe so wie es scheint den beiden etwas mehr Zeit verschafft bis sie hier eintrafen und das Notrufsignal verstärkt“

„Wenn sie das Notrufsignal verstärken mussten wie haben sie dann die beiden gefunden?“
fragte sie nach während sie in ihrer penibel sortierten Verbandstasche welche sich an ihrem EVA-Suite befand herumkramte und ein Desinfektionsspray sowie ein Großraumpflaster aus der Tasche heraus holte.

„Ich schätze es war Glück, schließlich war ich nicht auf der suche nach jemanden wie …“ er stoppte und dachte an früher.

„Wie was?“ legte sie mit ruhiger stimme nach als sie die Schramme mit dem Spray reinigte.

„Autsch“ zischte der in Gedanken versunkene Pryson kurz als er von dem Spray in das Jetzt zurück geholt wurde. „Nun ja … es war früher hin und wieder meine Aufgabe vermisste zu suchen, auch wenn es nicht zu meinen Hauptaufgaben gehörte“ schlich er sich um eine gerade Antwort herum. Es war nicht gelogen, doch musste man auch nicht so tief ins Detail gehen, dass meistens die Leute die für das verschwinden verantwortlich waren regelrecht Liquidiert wurden.

„Was waren denn ihre normalen Aufgaben?“ erklang Cara-Jane's stimme fragend während sie nun das Pflaster auf die Schramme legte.

„Ich war Marine bei der UEE“ antwortete er nun entspannt. Der Dienst beim Militär war zwar nicht bei jedem beliebt, doch war dies leichter zu verstehen als die etwas spezielleren Aufträge die seine Einheit und deren Geschwister-Einheiten absolvieren mussten.

„So das wars“ stellte Cara-Jane mit einem lächeln fest „Sie waren also beim Militär? Welchen Rang hatten sie?

Pryson war nun über die Neugier überrascht „Ich war Major“

„Meine Schwester war Lieutenant Commander“ meinte sie mit einem lächeln, als sie sich wieder erhob nachdem sie die Materialien wieder verstaut hatte.

„Moment wie war ihr Name noch gleich? Danvers oder? Doch nicht etwa wie Carol Danvers?“ hakte nun Pryson nach als auch er sich erhob, durch die etwas unglücklich gewählt Sitzposition musste er sich dabei vorbeugen was dazu führte das kurz sein Tattoo im Nacken mit der Aufschrift Cerberus teilweise zu sehen war. „Ich bin mir nicht mehr sicher ob wir uns getroffen haben aber nach unserer Versetzung meinte ein Kamerad von mir das wir angeblich zusammen mit der berühmten Danvers auf einem Schiff gedient haben.“

„Richtig, Carol Danvers ist meine Schwester. Das Universum scheint klein zu sein.“

„Das scheint so“ stimmte Pryson mit einem lächeln zu „Aber nun scheint es Zeit zu werden. Sie haben noch andere Patienten und ich muss nun auch zurück zu meinem Schiff“

„Da haben sie wohl recht“ stimmte Cara-Jane zu.

„Es war mir eine Freude Frau Doktor Danvers“ sprach er im ruhigen Ton mit einem Lächeln, bevor er seinen Helm wieder für den kleinen EVA -sprung zurück in sein Schiff aufsetzte.

Cara-Jane setzte ebenfalls ihren Helm auf als sie wieder zur inneren Schleuse ging „Ich bin noch kein Doktor, ich bin noch Studentin“ korrigierte sie Pryson mit einem Lächeln bevor sich die Frachtrampe öffnete und er sich verabschiedete.

„Alles nur Formalitäten“ entgegnete er ihr als er sich nun vorsichtig von der 600i abstieß und in die Richtung seiner Constellation trieb.

Sowohl die 600i als auch die Constellation welche sich mit etwas Verzögerung in Bewegung setzt nahmen nun Kurs auf die Erde.

Kara

Stellv. Gildenleitung

Titel: RP-Queen

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28

11.01.2018, 08:10

Erde, Boston

“Carol, Kind… wie hast du denn die Haare? Soll das jetzt modern sein? Die Frisur gefällt mir ganz und gar nicht.”

Die Blondine seufzte und lehnte sich auf der Couch zurück.

“Nein, Mum. Ich hatte einen Unfall und musste operiert werden. Vor zwei Jahren. Du weißt schon, als Steve… ach… vergiss es.”

Carols Mutter sah sie verständnislos an und Carol wurde bewusst, wie blöd der Spruch “vergiss es” war bei jemandem war, der unter der hadurianischen Demenz litt.

“Steve? Was ist mit ihm? Wie geht es ihm denn, ich habe ihn lange nicht gesehen. Er sollte uns wirklich öfter mal besuchen kommen, findest du nicht?”

Carol zögerte.

“Ähm… ja, du hast recht. Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, sage ich es ihm.”

Ihr Vater kam mit vier Tassen Tee ins Wohnzimmer und stellte sie ab. Dicht hinter ihm folgte Cara-Jane.

“So, jetzt erzähle mal, Mädchen. Wie geht es dir? Muss ja ein schlimmer Unfall gewesen sein, wenn du sogar dein Schiff verloren hast.”

Carol verzog den Mund.

“Herrlich, wie C.J. immer brühwarm berichtet, was bei mir so los ist.”




Ihr Vater setzte sich ärgerlich.

“Du solltest deiner Schwester lieber dankbar sein, schließlich hat sie dich wieder zusammengeflickt.”

C.J. rutschte unbehaglich auf der Couch hin und her.

“Ich musste nicht viel machen, Carol hatte Glück.”

Joseph Danvers musterte seine Töchter skeptisch.

“Und, wie ist das nun passiert?”

Carol verschränkte genervt die Arme.

“Ich war total betrunken und habe die Kontrolle über das Schiff in einem Asteroidenfeld verloren.”

Cara-Jane verdrehte die Augen.

“Carol…”

“Was denn? Genau das denkt er doch.”

Provokativ goss sie sich etwas von ihrem Flachmann in den Tee. Ihr Vater sah sie ohne eine Gefühlsregung an.

“War es so?”

C.J. antwortete für ihre ältere Schwester.

“Nein. Carol hatte eine Art Flashback. Du weißt schon… wegen damals.”

Joseph seufzte gequält.

“Mädchen, musst du denn noch selbst fliegen? Kannst du dir nicht einen Job auf der Erde suchen? Und was ist mit diesem Mirabel? Ich dachte, ihr startet da dieses Forschungsunternehmen? Der hat bestimmt ein großes Schiff, auf dem du…”

“Mirabel? Der nette, gutaussehende Mann mit dem chinesischen Essen?”

Carol starrte ihre Mutter an.

“DARAN kannst du dich erinnern?”

Marie Danvers wirkte empört.

“Aber natürlich! Du solltest ihn wirklich heiraten.”

Carol lief dezent rot an und wandte sich rasch wieder an ihren Vater.

“Ich fliege weiter, Punkt. Dazu hat mir übrigens auch deine Lieblingstochter geraten. Aber das mit dem Outpost 7 klappt. Deshalb bin ich hier… um mich zu verabschieden.”

Joseph Danvers nahm einen Schluck Tee.

“Dann ziehst du also wirklich aus.”

“Ja. Und du musst dich nicht mehr über meinen Lebenswandel ärgern.”

Der verletzte Ausdruck in seinen Augen berührte Carol, sie ließ es sich jedoch nicht anmerken. Für C.J. war es jedoch kaum auszuhalten.




“Ach, äh… übrigens… ich habe jemanden kennengelernt, der für den Outpost vielleicht noch interessant sein könnte. Ein Bergungsspezialist… wenn ich die Kartei richtig im Kopf habe, fehlt euch so jemand noch. Er hat wohl sogar mit dir auf einem Schiff gedient.”

Carol hob eine Augenbraue.

“Ach ja? Wie heißt er denn?”

“Pryson Gene. Ehemaliger Marine, glaube ich.”

Die Blondine zuckte mit den Schultern.

“Sagt mir nichts. Und für ein persönliches Treffen noch vor unserer Zusammenkunft in der Halle ist es ein wenig spät. Ich schicke ihm einfach eine Nachricht mit unserem Angebot und wenn er Interesse hat, soll er einfach auch nach New York kommen. Ehemaliger Soldat, Bergungsspezialist… hört sich tatsächlich brauchbar an.”

Dann wandte sich Carol an ihre Mutter.

“Da wäre noch etwas, Mum. Ich muss dich um etwas bitten. Deinen Ring.”

Marie betrachtete kurz den klobigen, silbernen Ring an ihrer Hand und versteckte sie dann schützend hinter ihrem Rücken.

“Meinen Ring? Diesen Ring? Aber Schätzchen, was willst du denn damit?”

Carol sah ihr direkt in die Augen.

“Ich will Lisa finden. So wie du es dir gewünscht hast.”

Tuan

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29

11.01.2018, 14:59

"Guten Tag, Mr. Brody." - "Guten Tag, Mr. Kel'Tath." Die beiden älteren Männer schüttelten sich die Hände. Beide musterten dabei ihr Gegenüber aufmerksam.
Brody trug einen eleganten weissen Anzug und wirkte sehr gepflegt. Eine Erscheinung, wie es zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der imperialen Behörde zur Verwaltung staatlicher Museen passte. An einem Ständer neben der Tür des Büros hing auch noch ein dazu passender Hut.
Fisher hatte sich für dieses Treffen ebenfalls in einen graublauen Anzug gezwängt, allerdings war es nur ein billiges Stück Stangenware. Es reichte, um einen geschäftsmässigen Eindruck zu erwecken, aber es war deutlich, dass das Kleidungsstück nicht allzu teuer gewesen sein konnte. Zudem sah man dem Journalisten nach kurzer Zeit an, dass er sich nicht wirklich darin wohl fühlte. Immer wieder griff er sich an den engen Kragen, um sich etwas Luft zu verschaffen.
"Bitte, nehmen Sie doch Platz." Mr. Brody deutete auf einen freien Stuhl, während er um den grossen Schreibtisch herum ging und sich selbst in den Sessel dahinter setzte. Nachdem sich die beiden Männer gegenüber sassen, fuhr Brody fort: "Nun, Mr. Kel'Tath, was ist der Grund für ihren Besuch?"
Wieder versuchte Fisher, die für seinen Geschmack viel zu enge Krawatte etwas zu lockern. Dann erklärte er: "Wie ich bei der Terminvereinbarung bereits angegeben habe, arbeite ich als freier Journalist." Der Mann im weissen Anzug nickte bestätigend. "Kurz gesagt bin ich auf eine Pressemitteilung von Ihnen gestossen, die mein Interesse geweckt hat", fuhr der Journalist fort. "Es geht um die Verkündung, dass offenbar eine Kälteschlafkammer der Artemis entdeckt und geborgen worden ist."
Mr. Brody stützte die Ellenbogen auf dem Schreibtisch ab und faltete seine Hände. "Ah ja, ein wirklich sensationeller Fund, nach all dieser Zeit. Leider sind die Untersuchungen und Rekonstruktionen dieses Artefakts noch lange nicht abgeschlossen und ich kann ihnen nicht allzu viel dazu erzählen." Dem Museumsmann war die Begeisterung über den Fund deutlich im Gesicht abzulesen. "Ein Team unserer besten Wissenschaftler untersucht die Relikte."
Fisher nickte und erklärte dann: "Ehrlich gesagt, so erstaunlich die Kälteeinheit und ihr möglicher Inhalt auch sind, sie sind für meine Pläne momentan nur zweitrangig." Erstaunt hob Mr. Brody eine Augenbraue. Der Journalist beugte sich etwas vor, während er weitersprach: "Ich bin natürlich auch an den Ergebnissen der Untersuchung interessiert, aber mir ist bewusst, dass es noch längere Zeit dauern kann, bis verwertbare Erkenntnisse vorliegen. Und ob sich daraus dann eine interessante Geschichte erzählen lässt, ist auch noch völlig offen."
Der Journalist lehnte sich wieder zurück. "Ich bin auf der Suche nach etwas, das nicht nur einige Forscher und Wissenschaftler interessiert. Ich möchte die Hintergründe und Geschichte darstellen, die zum Fund dieses Artefakts geführt haben. Nun könnte es natürlich sein, dass einfach irgendein Kolonist auf einem fernen Mond über die Kammer gestolpert ist, was wahrlich keine allzu spannende Geschichte wäre." Fisher zuckte mit seinen Schultern. "In ihrer Pressemitteilung stand dazu nicht viel." Jetzt lächelte der Journalist. "Doch gehört es zu meinem Beruf, zwischen den Zeilen zu lesen. Und ich vermute, dass hinter diesem Fund eine weitaus spannendere Geschichte steckt." Abwartend blickte er über den Schreibtisch und musterte den Mann im weissen Anzug.
Dieser nahm sich einen Moment Zeit, ehe er erwiderte: "Sie haben Recht, Mr. Kel'Tath. Es hat nicht einfach ein nichtsahnender Bauer das Artefakt gefunden. Es fand eine gut geplante Expedition statt, um ein wichtiges Fundstück sicherzustellen." Nun lächelte auch der Museumsmann. "Der Fund einer Kälteschlafkammer der Artemis war aber tatsächlich eine Überraschung, insofern waren ihre Entdecker doch nichtsahnend."
Fishers Puls beschleunigte sich. Das eben gehörte deutete darauf hin, dass hier tatsächlich mehr zu holen war und sein Instinkt ihn nicht getrogen hatte. "Wenn es sich einrichten lässt, würde ich gerne mit den Teilnehmern dieser Expedition sprechen und sie zu den Ereignissen, die zur Entdeckung der Kälteschlafeinheit geführt haben, interviewen."
Mr. Brody musterte den Journalisten einige Sekunden, dann erklärte er: "Es handelt sich bei den von ihnen gesuchten Personen um die Crew eines professionellen Bergungsschiffes. Auch wenn die Informationen keinesfalls geheim sind, möchte ich sie doch nicht ohne Weiteres ins ganze Universum hinausposaunen..." Brody hielt kurz inne, dann fuhr er fort: "Ich mache Ihnen einen Vorschlag: ich werde meine Kontaktperson über Ihr Anliegen informieren und leite gerne Ihre Kontaktdaten weiter. Falls er Interesse daran hat, sich mit Ihnen zu treffen, kann er Sie dann selbst kontaktieren."
Fisher erhob sich und verbeugte sich leicht. "Das ist alles, worum ich Sie bitten kann." Um seine Chancen vielleicht noch etwas zu steigern, fügte der erfahrene Journalist hinzu: "Denken Sie daran, dass gerade ein unabhängiges kleines Unternehmen von einer wohlmeinenden Berichterstattung nur profitieren kann."
Auch Mr. Brody stand nun auf. "Ich werde Ihr Anliegen weiterleiten." - "Ich danke Ihnen dafür und dass Sie mich empfangen haben. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag." Wieder schüttelten sich die beiden Männer die Hände. "Auch Ihnen noch einen schönen Tag, Mr. Kel'Tath."
Kaum hatte Fisher das Büro verlassen, löste er endlich die einengende Krawatte und steckte sie sich in die Jackentasche. Der Samen ist gesät und fällt hoffentlich auf fruchtbaren Boden. Mal schauen, ob er Früchte tragen wird...
Nachdem der Journalist sein Büro verlassen hatte, setzte sich Brody wieder an seinen Schreibtisch. Er hatte noch einen Moment Zeit bis zu seinem nächsten Termin. Also verfasste er wie versprochen eine kurze Nachricht an den Bergungsspezialisten Tanner Mirabel, die mit folgenden Worten endete: "Geschätzter Freund, Fisher Kel'Tath scheint einen guten Riecher zu haben und im Hinblick auf Ihr weiteres Vorhaben wäre etwas positive Publicity vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Ich denke, Sie sollten sich einmal mit dem Mann unterhalten."

Ethan

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Wohnort: Berlin

Titel: Der Pfeffersack

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30

12.01.2018, 10:36

Geschmeidig flog die Razor zwischen den größeren Raumschiffen hindurch, welche in der Nähe der Station ihrem Kurs folgten. Einige wollten landen, andere sind gerade eben gestartet und entfernten sich.
Ein gewaltiges Kriegsschiff der Bengal-Klasse tauchte plötzlich im Sichtfeld auf, als Ethan die kleine Razor unter einem der Frachtschiffe hindurch flog. Es war ein überwältigender Anblick, noch nie hatte er ein so großes Schiff gesehen. Begleitet wurde der Träger von einer handvoll Zerstörern der Javelin-Klasse und in seiner Nähe waren als winzige Punkte mehrere Geschwader Jäger auszumachen.

Ein Piepen der Konsole schreckte Ethan auf. Ein eingehender Funkspruch. Er sammelte sich einen Moment und aktivierte den Komm-Kanal.
“Hier spricht Commander Sand von der UEE Advocacy,” ertönte eine freundliche weibliche Stimme aus den Kopfhörern. “Sie haben da einen netten Racer.”
Links neben ihm flog eine Avenger auf etwa 15 Meter Abstand heran, so dass er die Pilotin erkennen konnte. ”Sie nähern sich einem militärischen Sperrgebiet. Bitte Identifizieren Sie sich. Was ist ihr Flugziel?”
Was Ethan nicht sah war die Cutlass, welche direkt hinter ihm Position bezogen hatte. “Mein Name ist Ethan Fox. Ich habe kein Ziel, ich fliege nur ein wenig herum um die Systeme der Razor zu testen.”

Die Pilotin der Avenger nickte kurz. “In Ordnung. Bitte drehen Sie auf 090.045 ab und halten Sie dann Kurs und Geschwindigkeit. Wir überprüfen nur schnell Ihre Angaben.”
“Verstanden,” antwortete Ethan mit einem nervösen Nicken und drehte dann langsam auf den neuen Kurs. Er führte von dem Träger und den Hauptrouten weg ins offene All. Den Händler wurde etwas flau im Magen. Was ist, wenn sie auch das Schiff überprüfen? Zum abhauen war es zu spät und vermutlich würde er es sowieso nicht schaffen.
Die Zeit zog sich hin, während er auf das Ergebnis der ÜBerprüfung wartete.

“Mr. Fox, ihre persönlichen Angaben sind in Ordnung. Ihr Schiff wurde jedoch als gestohlen gemeldet.”
Ethan war von der Nachricht geschockt… natürlich hat der fette Asiate das Schiff als gestohlen gemeldet, als ob es so einfach werden würde.
Commander Sand sprach weiter. “Sie sind hiermit vorläufig festgenommen. Bitte folgen Sie uns zur nächsten Polizeistation. Ihr Schiff wird beschlagnahmt und der Besitzer benachrichtigt. Bitte versuchen Sie nicht zu flüchten, mein Flügelmann hinter Ihnen hat sie bereits anvisiert und wird ohne Vorwarnung feuern.”

“Ver… Verstanden, ich folge Ihnen.” Zum Glück war Chloe nicht mit dabei, das wäre noch schlimmer gewesen. Wut stieg in ihm auf, wäre er doch nicht gleich mit der Kiste losgeflogen.

Es dauerte eine Weile und nachdem Ethan gelandet war, kamen schon einige bewaffnete Polizeikräfte auf sein Schiff zu. Langsam öffnete er das Cockpit und stieg aus, darauf bedacht seine Hände möglichst gut sichtbar zu zeigen.
Der Anführer, ein Lieutenant Stark, wirkte freundlich und ruhig. Seine beiden Begleiter hatten ihre Waffen gesenkt, vermutlich hielten sie Ethan nicht für eine große Bedrohung. “Bitte folgen Sie mir.”
Dann drehte er sich um. Ethan folgte ihm und er wurde in einen kleinen Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen gebracht. Vermutlich ein Verhörraum. Dort verbrachte er einige Zeit mit warten, es kam ihm vor wie Stunden.
Dann irgendwann betrat Lt. Stark den Raum, nahm Platz und legte eine Akte auf den Tisch. Er fixierte den Händler für einen Moment, als ob er auf eine bestimmte Reaktion warten würde.
Dann ließ er den Blick fallen und öffnete die Akte.

“Ethan Fox, Mitbegründer von FTL, Fox Twins Logistics. Geboren auf Terra, bisher keine Vorstrafen.”

Während Ethan stumm zuhörte, stellte der Polizist seine Ellbogen auf den Tisch und faltete die Hände vor seinem Gesicht zusammen. Er hatte einen fragenden Ausdruck in den Augen.

“Mr. Fox, sie wirken recht seriös auf mich, ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie einfach so ein Schiff stehlen würden. Wie es scheint, haben Sie eine lukrative Partnerschaft mit einem Deimos Enyalios und innerhalb weniger Wochen könnten Sie genug verdienen um sich eine Razor zu kaufen, legal. Also, wollen Sie mir nicht erzählen, wie es dazu kam?”

Der junge Mann auf der anderen Seite des Tisches zögerte. Was sollte er denn sagen? Dass er den Razor vor ein paar Stunden bei einem illegalen Rennen gewonnen hatte und der Kerl sich jetzt rächen will? Dass es alles Jessies Idee war und er nur mitgemacht hat? Nein. Er würde sie nicht verpfeifen.
Ethan nahm seinen Mut zusammen und schwieg.

“Na schön, Mr. Fox. Wenn Sie uns nichts sagen wollen, dann fragen wir einfach den Besitzer, wenn er hier ankommt. Wir haben bereits Kontakt aufgenommen.”
Lt. Stark klappte die Akte zu und verließ mit ihr den Raum. Nun saß Ethan wieder alleine da und außer Warten konnte er nichts mehr tun...


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Taya

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31

12.01.2018, 14:35

“4000 Credits?! Im Ernst?!”

Jessie starrte den Besitzer der kleinen Handelsraumstation ungläubig an. Lobo hatte mit dem Verkauf der M50 gutes Geld gemacht und Jessie dafür gleich einen ersten Auftrag besorgt. Irgendwelche Daten zu Preisen von Handelsgütern sollten so schnell wie möglich an den Händler der Station Epsilon-Zeta 967 gebracht werden. Mit der Herald war das eine Arbeit von gerade mal ein paar Stunden… wenn man es überhaupt “Arbeit” nennen konnte, durch den Raum zu düsen und sich die Ohren mit Metal vollzudröhnen. Und jetzt wollte ihm der Typ auch noch ganze 4000 Credits dafür bezahlen! Er schien Jessies Überraschung jedoch zu missinterpretieren.

“Ähm… sehen Sie, Captain…”

“Bandit.”

“... Captain Bandit…”

“Nur Bandit.”

“Also schön, nur Bandit. Diese Daten helfen mir dabei, bessere Profite zu machen, vor allem dann, wenn sie schnell und geheim zu mir gebracht werden. Mehr kann ich Ihnen wirklich nicht zahlen, sonst lohnt sich der Aufwand für mich nicht. Na gut, sagen wir 4500, aber das ist mein letztes Wort.”

Jessie hustete irritiert. Der Mann dachte auch noch, 4000 wären zu wenig. War sie im verdammten Himmel? Sie bemühte sich redlich, sich nichts anmerken zu lassen.

“Freundchen, du sprichst hier nicht mit einem Rookie. Ich weiß genau, was solche Daten wert sind und wenn du zu knauserig bist, bekommt sie das nächste mal ein anderer, der damit den Reibach macht. 5000, keinen Credit weniger. Und das ist schon ein Freundschaftspreis, weil deine dreckige Station zufällig auf meinem Weg lag.”

Der Händler musterte sie einige Sekunden, dann lächelte er unterwürfig.

“Ich seh schon, Bandit, Ihnen kann man nichts vormachen. Ich gebe Ihnen die 5000, weil Sie mir sympathisch sind. Vielleicht können wir ja… langfristig kooperieren, dann haben wir beide etwas davon, hm?”

Jessica nahm die Credits entgegen und ging zurück zur Dirtbag.

“Yeah, mal sehen. Bis die Tage.”

Kaum hatte die Herald die Station verlassen, erreichte Jessie ein Funkspruch. Er hatte eine Polizeikennung der UEE. Jessie überlegte kurz, ob sie ihn lieber ignorieren sollte, aber vielleicht war er ja harmlos… und wenn sie tatsächlich als mehr oder weniger seriöse Händlerin arbeiten wollte, durfte sie sich nicht auffällig verhalten. Sie öffnete den Kanal und eine tiefe Stimme erklang.

“Hier ist die UEE Local Law Enforcement auf der Erde. Dirtbag, hören Sie mich?”

Jessie räusperte sich.

“Ähm ja, laut und deutlich. Was kann ich für Sie tun, Officer?”

“Lieutenant Stark aus New York. Es geht um die gestohlene Razor.”

Die Latina keuchte. Was sollte sie jetzt nur tun? So eine Scheiße, es konnte doch nicht wahr sein, dass dieser verdammte Exxod zu den Bullen gegangen war. Der hatte doch bestimmt selbst genug Dreck am Stecken. Und wieso wussten sie von Jessie?

“Dirtbag, sind Sie noch da? Sind Sie Jessica James?”

“Äh… ja, ja ich bin noch da. Aber ich weiß wirklich nicht, wovon Sie sprechen, Lieutenant.”

Eine irritierte Pause am anderen Ende.

“Ma’am. Uns wurde heute eine Razor mit der Kennung MISC-2944F1-E als gestohlen gemeldet. Sie sind bei uns als Besitzerin eingetragen. Ist das so korrekt?”

Jessie verstand nun überhaupt nichts mehr.

“Bin ich? Ich meine… ja, ja, ist korrekt.”

Stark wurde zunehmend genervter.

“Dann, Miss James, kommen Sie bitte schnellstmöglichst zur Erde. Wir haben Ihr Schiff gefunden und den Dieb festgesetzt.”

Jessie fuhr sich durch die Haare.

“Das… äh, ist ja wunderbar. Wie schnell unsere Polizei doch arbeitet. Ich bin schon unterwegs. Dirtbag Ende.”

Sie gab den neuen Kurs ein und startete die Triebwerke der Herald. Was zum Teufel sollte das alles bedeuten? War das vielleicht eine Falle, um sie selbst in Gewahrsam zu nehmen? Das passte eigentlich nicht zur Vorgehensweise der Polizei. Sie würde es wohl oder übel herausfinden müssen.

“Alexa, öffne sofort einen Kanal zu Fox Twins Ltd., Erde.”

“Verbindung ist offen.”

Nach ein paar Sekunden erklang Chloes Stimme.

“Herzlich willkommen beim Handelsunternehmen Fox Twins Ltd.. Mein Name ist Chloe Fox, was kann ich für Sie…”

“Chloe, ich bins. Bandit.”

Eine wenig begeisterte Pause.

“Was willst du? Schon was verdient?”

Jessie zeigte der Konsole ihres Schiffs den Mittelfinger.

“Allerdings. Wenn ich wieder zu Hause bin, knalle ich dir 5000 Credits auf den Tisch, aus ehrlicher Händlerarbeit. Aber deswegen rufe ich nicht durch. Gib mir mal Ethan, es ist wichtig.”

Chloes Stimme schien überrascht.

“Ethan? Der ist nicht hier.”

“Verdammt, wo ist er?!”

Die rothaarige Terranerin zögerte.

“Soweit ich weiß hat er deinen neuen Rennkübel repariert und wollte dann ein paar Runden drehen. Wieso? Was ist denn? Ist alles in Ordnung?”

Jessie ballte eine Faust.

“Fuck! Ja, ja, alles okay. Bis später.”

Ohne weitere Fragen zuzulassen beendete die Latina den Funkverkehr. Als sie ein paar Stunden später mit der Dirtbag im Hangar der örtlichen Polizeistation landete, wurde sie von einem Polizisten empfangen.



“Miss James? Ich bin Lieutenant Stark. Folgen Sie mir bitte.”

Sie wurde in einen Raum geführt. Hinter einem Tisch saß ein ziemlich schuldbewusst zusammengesunkener Mann.

“Ethan! Was hat das alles zu bedeuten?”


Ethan

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32

12.01.2018, 20:56

Die Zeit verging elendig langsam. Dieser Lieutenant Stark kam regelmäßig in den Raum und bot dem jungen Mann Donuts und Kaffee an, doch Ethan verzichtete. Am Ende müsste er davon nur pissen und würde sagen, was sie hören wollen, nur um sich nicht in die Hose zu machen. Das kannte man doch aus den Erzählungen.
Es würde sowieso nicht lange dauern, bis Exxod hier auftauchen würde und dann war er am Arsch. Und selbst wenn er dann irgendwie frei kommen würde… wie sollte er Jessie erklären, dass er ihre Razor verloren hatte? Sie würde mit einer Kettensäge auf ihn losgehen. Und Chloe? Es würde all das bestätigen, was sie über Jessica James gesagt hat und Chloe würde sie direkt rauswerfen.

Mehrere Schritte waren von draußen zu vernehmen, die näher kamen. Dann wurde die Zimmertür wieder aufgeschlossen und Ethan erwartete erneut Lt. Stark. Und so geschah es auch, doch diesmal hatte er noch jemanden bei sich. Das war’s dann also, dachte er sich. Exxod ist angekommen. Ethan machte sich nicht einmal die Mühe aufzublicken, doch dann hörte er eine überraschte und bekannte Stimme.

“Ethan! Was hat das alles zu bedeuten?”

“Jessie!?”, fragte Ethan ungläubig. “Was machst du denn hier?”

Bevor sie antworten konnte, hörten sie auf dem Gang jemanden laut herumschreien.

“Lasst mich frei! Ich hab nichts getan, ich bin unschuldig! Man hat mich beschissen!”

Lt. Stark ging nach draußen um nachzusehen. Zwei Polizisten führten einen dicken Asiaten in Handschellen den Gang entlang. Er zerrte hin und her und versuchte sich von den Polizisten zu lösen, doch diese griffen nur noch fester zu.
Der Gefangene konnte im Vorbeigehen einen flüchtigen Blick in den Verhörraum werfen und blieb schlagartig stehen als er Jessica James entdeckte. Cholerisch schrie er weiter, fuchtelte wild mit dem Armen und versuchte in den Raum zu gelangen.

“Das ist sie! Das ist die Schlampe, die mir meine Razor geklaut hat! Nehmt sie fest! Sofort!”

Es kostete den Polizisten einige Mühe, den Mann davon abzuhalten auf Jessica loszugehen. Lt. Stark blieb jedoch ruhig stehen, er konnte nun eins und eins zusammenzählen.

“Na das ist ja interessant. Dann bringt den guten Mann doch bitte einmal hier herein, ich denke wir haben einiges aufzuklären.”

Exxod war stinksauer als er zu dem Tisch geführt und wie Ethan mit den Handschellen an den Tisch fixiert wurde. Er keifte Jessie an.

“Dich bring ich um, das schwöre ich! Und deinen verschissenen Freund hier gleich dazu!”

“Es reicht jetzt, halten sie den Mund,” ging Leutenant Stark dazwischen. Dann wendete er sich an Jessie. “Ms. James, Mister… Exxod wurde letzte Nacht bei einem illegalen Straßenrennen in Brooklyn verhaftet. Seitdem geht er den Kollegen damit auf die Nerven, dass eine… ich zitiere ‘Latinaschlampe’ ihn betrogen und seine Razor gestohlen hat.
Ungeachtet seiner Verfehlungen haben wir das Schiff daher als gestohlen gemeldet. Und wie es der Zufall will, geht uns ein paar Stunden später Mr. Fox mit eben jener Razor ins Netz.”

Er sah die junge Frau eindringlich, aber freundlich an. Ein Hauch von Erheiterung mischte sich in seine Stimme, als ob ihm das hier Spaß machen würde.

“Wir haben Aussagen mehrerer Augenzeugen, dass Sie an diesem illegalen Rennen teilgenommen haben und Mr. Exxod hat sie nun zweifelsfrei identifiziert. Möchten Sie etwas dazu sagen?”


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Taya

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33

12.01.2018, 21:49

Jessica seufzte innerlich und schloss einen Moment die Augen. Sie hätte auf ihr Bauchgefühl hören sollen. Es war doch eine Falle, die Razor war natürlich nicht auf sie gemeldet, sie hatten sie bloß hergelockt, um sie fertigzumachen. Tja… ihre Karriere als rechtschaffende Händlerin war ziemlich kurz gewesen.

Was sollte sie jetzt tun? Nichts ohne ihren Anwalt sagen? So lernte man das doch in Filmen. Alles abstreiten? Konnte das klappen? Und die Razor… augenscheinlich konnte Exxod nicht belegen, dass sie ihm gehörte, sonst säßen sie alle nicht mehr hier. Vielleicht gab es noch ein Funken Hoffnung…

“Miss James, sind Sie noch bei uns?”

Sie schlug die Augen auf und lächelte Stark mit ihrem süßesten Gesichtsausdruck an.

“Natürlich, Lieutenant. Ich musste nur gerade den Schock verarbeiten. Illegal sagen Sie? Wie furchtbar, das wusste ich nicht!”

Jessie zupfte sich ihr Dekolleté zurecht.

“Sehen Sie… ich arbeite zusammen mit Mister Fox in seinem Handelsunternehmen und wir sind erst seit kurzem auf der Erde. Wir stammen von Terra. Nun, und dort… laufen solche Dinge etwas anders.”

Sie richtete sich die Haare.

“Sehen Sie, wir sind Rennsportfans, mein Verlobter und ich. Ich bin sogar eine recht bekannte Racerin und habe schon am Murray-Cup teilgenommen, das können Sie gerne überprüfen. Daher drehen Ethan und ich ab und zu mal eine Runde. Just for Fun natürlich. Er in meiner M50 und ich in meiner Razor. Nun kamen wir an so einem Parkplatz vorbei, wo viele Leute ihre Schlitten präsentierten. Natürlich waren dort auch viele Schaulustige, wie auch der Herr dort. Er wirkte sehr traurig, weil er kein gutes Schiff besaß und eigentlich wollte ich ihn trösten, aber… nun, was macht er? Er beschimpft mich. Beleidigt mich gleich doppelt rassistisch wegen meiner Hautfarbe und meiner Herkunft.”

Exxods Proteste wurde zum Glück recht schnell unterbunden. Jessie fuhr ungeachtet fort.

“Aber das schlimmste war… er zweifelte meine Flugkünste an. Gab an, er könnte mich jederzeit schlagen, wenn man ihm nur einen Racer zur Verfügung stellen würde. Da wurde ich bei meiner Ehre gepackt, Sir.”

Sie sah den Polizisten mit großen Augen an.

“Ich beging sogar eine kleine Dummheit, auch wenn mich mein Verlobter daran hindern wollte. Ich bot diesem Herrn dort an, in einem meiner Racer gegen mich anzutreten. Ich versprach ihm sogar… nun… sollte er gegen mich gewinnen, dürfe er ihn behalten. Ich weiß, reichlich dämlich, aber ich bin immerhin eine Rennsportlerin und der Herr dort… naja, sehen Sie ihn sich an. Er saß noch nie in einem Racer. Er suchte sich natürlich meine Razor aus, denn die wollte er unbedingt haben, und er passte kaum in den Sitz. Jedenfalls flogen wir los, ich gewann natürlich in meiner M50 und danach sind Ethan und ich wieder weitergeflogen. Aber Sir… wenn ich gewusst hätte, dass ein solches Wettfliegen einmal um den Block illegal ist, hätte ich niemals daran teilgenommen! Auf Terra ist so etwas an der Tagesordnung, wir sind dort alle etwas… zu sehr rennsportbegeistert, fürchte ich. Ich entschuldige mich aufrichtig, wenn ich gegen Verkehrregeln in diesem New York verstoßen habe und falls dies ein Bußgeld nach sich zieht, werde ich es natürlich begleichen.”

Jessie legte ihre Arme an die Hüften und sah Stark respektvoll und abwartend an.


Ethan

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34

12.01.2018, 23:18

Jedes Wort trieb die Schamesröte weiter in sein Gesicht, am liebsten wäre Ethan im Boden versunken. Wie konnte diese Frau einen UEE-Polizisten so dermaßen dreist anlügen? Oder würde es genau deswegen am Ende sogar funktionieren? Der junge Mann wagte kaum daran zu denken.

Lieutenant Stark hörte sich die Erklärung von Ms. James an, dabei behielt er seinen freundlichen Gesichtsausdruck bei. Am Ende lächelte er ihr zu und sah dann zu seinen Kollegen.
“In Ordnung. Jungs, bringt diesen Kerl doch bitte zurück in seine Zelle, hier ist alles soweit geklärt.”

Exxod protestierte weiterhin lauthals und erfand die wildesten Beschimpfungen, während Ethan nicht wusste, was hier gerade passiert war. Er starrte wortlos den Polizisten hinterher, während der fette Asiate abgeführt wurde.
Lt. Stark schloss die Tür hinter ihnen und befreite dann Ethan von den Handschellen.

“Die sind wohl nicht mehr nötig, Mr. Fox.”

Dann sah der Lieutenant breit grinsend zu Ms. James und bot ihr den freigewordenen Stuhl an.

“Das war hervorragend. Wissen Sie, fast hätte ich Ihnen die Story sogar geglaubt. Sie haben da nur ein winziges Detail übersehen.”

Die geschockten Blicke seiner Gäste nahm er zur Kenntnis und öffnete erneut die Akte, die noch immer auf dem Tisch lag. Er schlug eine bestimmte Seite auf und hielt sie Ms. James zum lesen hin.

“Sehen sie, hier steht es schwarz auf weiß. Die Razor wurde erst vor ein paar Stunden auf Ihren Namen zugelassen, das habe ich doppelt geprüft. Sie können also vorher gar nicht mit ihr zum Rennen geflogen sein, denn das fand vor der Zulassung statt. Sie haben mich also angelogen.”

Der Officer ließ noch einen Moment der Spannung vergehen, bevor er abwinkte.

“Vergessen Sie das. Was ich sicher weiß ist, dass Sie beide von Terra stammen und bei diesem Rennen dabei waren. Und ich hab ein halbes Dutzend Augenzeugenberichte, welche bestätigen, dass Sie die Razor von dem schmierigen Typen gewonnen haben.”

Er sah zu Ethan.

“Was diesen gemeldeten Diebstahl angeht, so ist die Angelegenheit für mich erledigt. Den Racer ihrer Verlobten zu fliegen ist kein Verbrechen. Und da das Gefährt vorher auf niemanden zugelassen war, kann ihn auch niemand als gestohlen melden, richtig?”

Erleichterung machte sich in Ethan breit, damit waren sie wohl vorerst aus dem Schneider. Lt. Stark jedoch wurde auf einmal ernst und sah Jessie an.

“Doch die Sache mit dem illegalen Rennen kann ich nicht vergessen. Ms. James, das Bußgeld für so einen Fall beträgt Zehntausend Credits. Pro Person natürlich.
Allerdings bin ich bereit, diesmal ein Auge zuzudrücken. Denn ich habe gerade andere Sorgen als zwei terranische Touristen. Exxod ist hier in der Rennszene einer der ganz Großen. Doch wie Sie vor Ort sicher mitbekommen haben, hat er auch eine Vorliebe für Prostitution. Von den dummen Hühnern, die wir mit ihm festgenommen haben, würde ihn keine verpfeifen. Sie haben alle zuviel Angst.
Doch Sie beide sind nicht von hier. Mit Ihrer Aussage gegen Exxod können wir ihn und seine Bande aus dem Verkehr ziehen. Und dafür vergessen wir das Bußgeld.”

Ethan sah unschlüssig zu Jessie und dann wieder zu dem Officer. So langsam hatte er seine Worte wiedergefunden.

“Heißt das, wir müssen vor Gericht gegen ihn aussagen?”

Stark lächelte.

“Nein das ist nicht nötig. Wir zeichnen Ihre Aussage hier auf. Ich stelle Ihnen ein paar Fragen und damit ist die Sache für Sie erledigt. Dauert keine zehn Minuten und dann können Sie und ihre Verlobte gehen. MIT der Razor natürlich.”

Ethan sah Jessie mit glänzenden Augen an. Das war ihre Chance hier raus zu kommen.

“Schatz, damit können wir den Behörden helfen einen Verbrecher zu verurteilen. Und wir hätten zu Hause etwas aufregendes zu erzählen. Ich bin dabei.”

Taya

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35

13.01.2018, 13:58

Jessies freundliches Gesicht verwandelte sich in mürrische Genervtheit. 10.000 Credits? Für was? Zu schnell fliegen innerhalb geschlossener Ortschaften? Sollte das ein Witz sein? Sie hasste die Erde jetzt schon. Die Latina sah Ethan missmutig an.

"Den Scheiß von wegen 'Schatz' kannst du dir auch sparen, wenn der Lieutenant meine Geschichte nicht schluckt."

Jessica musterte Stark einen Moment. Das ganze ergab immer noch keinen Sinn. Wer zum Henker sollte in so kurzer Zeit die Razor auf ihren Namen angemeldet haben? Und warum? Und nun saßen sie blöde da...

"Also gut, Stark. Wie es aussieht, haben wir keine andere Wahl. Stellen Sie Ihre Fragen und dann lassen Sie uns gehen."


Ethan

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36

13.01.2018, 16:58

“Sehr schön,” antwortete Lt. Stark. “Dann lassen Sie uns direkt mit Mr. Fox beginnen. Sie können gerne hier bleiben, Ms. James.”

Wenige Minuten später war alles vorüber. Die offiziellen Aussagen von Jessie und Ethan waren aufgenommen und im Gegenzug wurde der Verzicht auf jegliche Bestrafung für die Teilnahme an dem illegalen Rennen festgelegt.
Lieutenant Stark begleitete die Beiden noch zu ihren Schiffen und gab sie frei. Dann verabschiedete er sich und ging zurück in sein Büro. Es wartete jetzt eine Menge Arbeit auf ihn und die Anwälte…

Ethan selbst hielt es hier auch nicht länger und er stieg gleich in die Razor, nachdem er sich von Jessica verabschiedet hatte.

“Wir sehen und zu Hause.”

Dann startete er die Triebwerke und flog das kurze Stück zum Landepad der Merchantman, wo er den Racer landete und im Hangar abstellte. Dann ging er in den Aufenthaltsraum, nahm sich ein Glas und eine Flasche 15-jährigen Whiskey und setzte sich erschöpft hin. Die letzten Stunden hatten ihre Spuren hinterlassen.


"Lieber glücklich auf dem Fahrrad, als heulend im BMW."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Ethan« (15.01.2018, 15:07)


37

15.01.2018, 12:01

"Unicon Stallion hören Sie? Sie können jetzt mit dem Landemanöver beginnen. Willkommen in New York!"

"Verstanden Boden Kontrolle, Unicon Stallion setzt jetzt zum Landeanflug an."

Voller Vorfreude, seine erste Tour bald überstanden zu haben, gab der junge Pilot Fionn Masters die entsprechenden Befehle zum Ladeanflug in die Steuerkonsole der Origin 600i ein und lehnte sich zufrieden in seinem Sessel zurück. Konnte man diesen ersten Auftrag seines gerade erst gegründeten Touring- und Escort Unternehmens als Erfolg werten? Nun, zumindest hatten alle überlebt und er war um ein paar Erfahrungen reicher. Doch wenn Fionn mit seinem Unternehmen erfolgreich sein wollte, musste sich schnell manches ändern. Dann wiederum war vor nicht allzu langer Zeit überhaupt nicht abzusehen gewesen, dass er sich über solche Themen überhaupt Gedanken machen musste, damals, als er zum ersten Mal dieses Schiff betreten hatte.

Nachdem Fionn seine Schulzeit hinter sich gebracht hatte, verlangte es ihn danach, etwas zu erleben, den normalen Alltag hinter sich zu lassen und hinaus zu gehen um sich großen Abenteuern zu stellen. Hier unterschied er sich kaum von jungen Menschen seines Alters, doch schon bald, nachdem er den Fuß aus dem elterlichen Haus gesetzt hatte, musste Fionn feststellen, dass er nicht wirklich wusste, was konkret er nun mit seinen Wünschen anstellen sollte. Militärdienst würde ihn zumindest von der Erde wegbringen und die romantisch verklärenden Rekrutierungsvideos versprachen eine actionreiche und abwechslungsreiche Zeit zu bieten. Es schien also der richtige Schritt in die verlangte Richtung zu sein und Fionn hatte nicht gezögert ihn zu gehen, doch dauerte sein Militärdienst nur beinahe zwei Monate, als er sich von der Realität gestellt, nichts sehnlichster wünschte als das starre Korsett des Soldatenlebens so schnell wie möglich abzustreifen und hinter sich lassen zu können.

Objektiv hatte sich seine Situation mit diesem Schritt verschlechtert. Gestrandet auf einem fremden Planeten, ohne Kontakte, ohne sicheren Rückhalt, wenig Ressourcen, nur er selbst, erfüllt von seinen Sehnsüchten und Vorstellungen, von einem großartigen Leben. Er redete sich selbst ein, dass es ja eben diese Unsicherheit sein musste, die zu den Ereignissen führen würde die er suchte, keine Verantwortung, keine Bindungen, immer bereit, die nächste Gelegenheit für ein großes Abenteuer wahrnehmen zu können. Doch machte ihm auch diesmal die Realität einen Strich durch die Rechnung und konfrontierten Fionn mit den Zwängen des zivilisierten Lebens, für Unterkunft und Lebenskosten eigenständig aufkommen zu müssen. Arbeit zu finden war für einen jungen Burschen wie Fionn kein Problem gewesen, nur führten sich schnell einstellende Routinen und die scheinbar unverzichtbaren Demütigungen, denen man sich als träumender junger Mensch ausgesetzt sehen musste, dazu, dass er sich immer weiter von seinen Zielen und Wünschen entfernte. Er war in einen grauen Alltag eingetreten, wie ihn viele erlebten; zwar immer noch auf der Suche nach Farbtupfern, doch stets eingefangen von seiner tristen Existenz und alle Vorstellungen von einen großartigen und erfüllten Leben niedergetreten, von einem Umfeld, dass es nicht erlaubte, sich über diese Ödnis hinweg zu setzen.

Doch da war immer noch ein kleiner Funke jugendlicher Lebensfreude geblieben, der Fionn wach bleiben lies, der ihn davor schütze, in einer allzu tiefen negativen Gedankenwelt zu versinken. Ein Funke, der ihn davor bewahrte sich mit diesem Elend von einem einfachen Leben abfinden zu müssen, ein Funke, der ihn weiter suchen lies…

Es waren dramatische Worte wie diese, die Fionn fortan gebrauchen würde, wann immer er den Probearbeitstagseinen ersten und einzigen Arbeitstag in den RSI-Fertigungsanlagen beschreiben musste. Noch während der Frühstückspause hatte sich Fionn nach einer Alternative umgesehen und war auf ein Gesuch aufmerksam geworden, das alles zu erfüllen schien, was er suchte; die Ausschreibung für die Position einer Expeditionsbegleitperson auf unbestimmter Dauer. Noch am selben Tag hatte er Kontakt aufgenommen und war bei dem Menschen vorstellig geworden der Fionns Leben bald eine ungewöhnliche Wendung geben sollte.

Was schließlich dazu geführt hatte, dass er den Zuschlag für die Position bekam, wusste er nicht. Fionn glaubte, dass es an ihm selbst gelegen haben musste. Schließlich hatte er schon früh in seinem Leben gelernt, dass er offensichtlich eine Erscheinung war, die augenblicklich alle Sympathien einforderte. Freimütige Miene, das ungekünstelte Lächeln, die Aura jugendlicher Unbekümmertheit. Fionn besaß ein makelloses Äußeres, dazu der ruhige Ton seiner Stimme und sanfte Rhythmus seines Sprechens, was jedem eine Wohltat sein musste. Er war von der rechten Art, sprach zumeist bescheiden und widmete jedem, mit dem er es zu tun hatte, seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Möglicherweise lag es aber auch daran, dass Fionn schnell dazu bereit war, auf jede Bezahlung zu verzichten, und sich stattdessen damit zu begnügen, lediglich Mahlzeiten und Unterkunft für seine Dienste zu erhalten.

Sein neuer Boss hieß Kasper. Kasper van Diyck oder auch Kasper der Kaugummi Baron. Ein stark gealterter Industrieller, der es während seiner Schaffenszeit zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht, dabei jedoch auf die schlimmsten Methoden zurückgegriffen hatte, die man sich vorstellen konnte. Überhaupt war jede menschliche Seite an seiner Person verkümmert und alleine die Jagd nach maximallen Profit war ihm Lebensinhalt. Über viele Jahre war er der Schrecken der gesamten Branche. Berüchtigt und gefürchtet. Doch als der Tag kam, da das voranschreitende Alter erste Schwächen erkennen ließen, hatte es nicht lange gedauert und der ehemals unumstrittene Herrscher der Kaugummiindustrie war von einer fingierten Umweltkatastrophe schwer getroffen, in den Ruhestand gezwungen worden. Nun saß er einsam und verlassen auf seinem angehäuften Reichtum, beziehungsweise dass, was nach langwierigen Rechtsstreitigkeiten noch über geblieben war, und wusste nichts mit sich anzufangen. Während es für Fionn die Suche nach dem echten Leben war, die ihm in die Weite des Universums trieb, war es für Boss Kasper die Flucht vor dem einsamen Tod. Er ließ ein Schiff ausrüsten, um zu einer Entdeckungsreise aufzubrechen und noch einmal zu leben. Die Origin 600i war dabei das luxuriöseste Schiff, was auf dem freien Markt zur Verfügung stand. Ein wahres Prachtstück, das es an keinem Komfort mangeln ließ und das mit seinen weiten Panoramafenstern die besten Ausblicke auf die Weite der Sterne ermöglichte und damit jedem von Fionns sehnlichsten Träumen eine passende Kulisse bot.

Fionns Aufgabe für die Expeditionsreise bestand zunächst darin, dass Schiff in Ordnung zu halten. Zudem sollte er seinem Boss bei Ausflügen zur Verfügung stehen; dabei tragen was zu tragen war und zu besorgen was es zu besorgen galt. Insgesamt keine schwierige Sache, insbesondere, da das Schiff über eine große Luftschleuse verfügte, über die Fionn den anfallenden Müll und alles, was die Ordnung störte, einfach in die Weiten des Weltalls pusten konnte. Arbeit entstand erst dann, wenn er mal Durchwischen musste, doch konnte Fionn auch hier den meisten Mühen entgehen, da er seinem Boss glaubhaft vermitteln konnte, dass da ja gar kein Fleck auf der Scheibe zu sehen war, sondern dass lediglich seine Augen wieder etwas trübe waren und ihm falsche Tatsachen vorspielten. Kasper war zu dieser Zeit schon so vom Alter gebeugt worden, dass von seiner ehemals beispielslosen Kampfeskraft nicht mehr viel übrig geblieben war. Und da Fionn stets in großer Unschuld und ohne Vorwurf sprach, konnte er zumeist darauf vertrauen, zu dem Alten durchzudringen und ihn in seinem Sinne zu lenken. Ganz anders reagierte Boss Kasper allerdings auf den dritten Mann am Bord, Marcus Vegas, der ebenfalls die senilen Schwächen seines Vorgesetzten bemerkte, dem jedoch anders als Fionn mit Hohn und Spott begegnete und so schon vom ersten Tag der Reise an, die totale Konfrontation zwischen den beiden Männern herauf beschwor.

Marcus Vegas war ein einfacher Mann. Ein Pilot und Techniker, der es nicht immer einfach im Leben gehabt hatte. Schuld an allem, was ihm im Leben schlimmes widerfahren war, hatten „die da Oben!“, und warum Boss Kasper ausgerechnet ihn engagiert hatte, bei der Katastrophe, die bald folgen sollte, hatte Fionn bis heute nicht recht nachvollziehen können; das heißt er vermutete, dass es wohl daran liegen musste, dass sie sich im ersten Auftreten sehr ähnlich waren. Fester Händedruck, laute Stimme, einfache Ansichten, starre Regeln. Beide waren sich zu jeder Zeit sicher, bei allen Dingen Bescheid zu wissen, wie etwas zu laufen hatte. Passierte etwas anderes, gab es Streit. Entsprechend gab es schon am ersten Tag Unstimmigkeiten darüber, wohin der Kurs gesetzt werden sollte – eigentlich die Sache von Boss Kasper – und darüber, wie das Schiff zu steuern war, dem Metier des Piloten Marcus Vegas.

Aus Streitereien verstand sich Fionn zumeist herauszuhalten, das heißt, er stand nicht zwischen den beiden, sondern abseits. Ein unschuldiges Lächeln und ein verständiges Nicken reichten in der Regel bei beiden Personen aus, um ihnen zu vermitteln, dass sie, die Alten, dem Jungen gerade etwas Neues beigebracht hatten. Fionn war dabei stets flexibel genug seine Aufgaben so zu erledigen, dass er dabei dem genügte, der gerade von beiden anwesend war.

Die Situation eskalierte, als Marcus Vegas nach einigen Tagen bemerkte, dass Boss Kasper manche Dinge vergaß und überhaupt bei vielem von seinem Alter ausgebremst wurde. Anstatt verständig und milde mit dem Alten zu sein, sah Marcus nun seine Gelegenheit, die Vorzeichen umzukehren. Jede Schwäche, jedes Irrtum nutzte er fortan aus, um es „dem da Oben“ heimzuzahlen. Stellte sich Boss Kasper zunächst noch den wütenden Streitereien, gab er bald jeden Widerstand auf und verzog sich in seinem Quartier. Dann, an einem an sich ereignislosen Mittag passierte es. Fionn ging gerade in die Kombüse des Schiffs um das Essen zuzubereiten, als er überraschend Boss Kasper dort antraf.

„Mach nur Junge, bring dem Schwein sein Fressen!“ Nuschelte dieser kichernd, ehe er wieder in seine Kabine verschwand. Nichts ahnend, folgte Fionn dieser Anweisung, nur um wenig später einen entsetzlich dreinblickenden Marcus Vegas an seiner Kehle zu haben, der ihn mit ganzer Kraft gegen die Wand drückte, dabei im Mund schäumte und mit tief roten Tropfen aus den Augen blutete.

„Was hast du getan Junge! Was hast du…“

Fionn wurde panisch wegen der Attacke und des Anblickes. Er röchelte unter dem massiven Druck der kräftigen Hände des Piloten: „Kasper… Kasper!“ und Marcus Vegas verstand. Er ließ von dem Jungen ab, der sich schutzsuchend und wimmernd zusammen kauerte, und taumelte dann zum Quartier des ausgemachten Übeltäters. Fionn hörte noch laute Stimmen, einen Schuss, und dann lange nichts mehr.

Es mussten mehrere Stunden vergangen sein, bis sich Fionn traute von seinem Platz aufzustehen und sich vorsichtig an der Wand gedrückt, dorthin begab, wo seine Reisegefährten übereinander hergefallen waren. Was genau vorgefallen war, konnte Fionn dabei nicht mehr rekonstruieren. Auf jeden Fall waren beide tot, soviel schien sicher. Boss Kasper lehnte mit einem klaffenden Einschussloch an der Schläfe in seinem Sessel zurück und Marcus Vegas lag mit fürchterlich entstellten Gesichtszügen am Boden gekrümmt in einer Lache aus Schaum und Blut.

Der grausige Anblick der beiden Toten versetzte Fionn in absoluter Panik und er stürzte in aller Eile auf den liegenden Marcus Vegas um ihn wieder zum Leben zu schütteln, doch hier regte sich nichts mehr. Boss Kasper war ihm indes keine solche Mühe wert, dass Einschussloch sprach eine zu deutliche Sprache. dennoch näherte er sich dem leblosen Körper und nahm allen Mut zusammen um ihn anzufassen. Sofort schreckte er beim ersten Kontakt zurück und dann direkt ein weiteres Mal, als er gegen eine Konsole stieß, die sich sogleich aktivierte.

"Netzhautscann zur Authentifizierung benötigt!"

Ertönte eine mechanische Computerstimme. Fionn stutzte. Was hatte er da gerade aktiviert? Ein prüfender Blick auf den Monitor der Konsole offenbarte sein ganzes Glück. Alle Scheu und allen Eckel beiseitegelegt, packte er sich den Kopf von Kasper und hielt diesen an die entsprechenden Scanvorrichtung. Fionn musste dabei mehrfach nachfassen, da ihm der leblose Körper, den er mit ziehen musste, sehr schwer war; ebenso musste er dem Toten ins Auge herum fummeln und das Augenlied wegdrücken, um es in die richtige Position zu bringen. Doch sobald der Scan erfolgreich abgeschlossen war und der Monitor offenbarte, was vorher noch verschlossen war, erstarrte Fionn in all seinen Bewegungen und lies Kaspers Körper achtlos zu Boden fallen. Es brauchte einige Momente ehe Fionn begriff und sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht abzeichnete…

Vleit Medane

Mitglied der Gemeinschaft

Wohnort: Recklinghausen

Titel: Concierge Black

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38

15.01.2018, 13:09

Neue Nahrung

Ganz für sich allein saß Vleit Medane auf der Raumschiffbrücke, die im Fall der Deep Draft nur aus einem beengten Raum mit einer Sicht nach draußen und zwei unbequemen Sitzen bestand.

Sol´s goldene Sonne erhellte sein Gesicht. Seine Augen waren auf einen kleinen Bildschirm gerichtet, der in Bild und Ton mediale Nachrichtenbeiträge aus ArcCorp übertrug. Beim Anblick der Berichterstattung hasste er seine Situation mehr als je zuvor. Ein Beitrag erzählte - ungewöhnlich ausführlich - von der Hinrichtung seines Bruders, deren Frau und der Verstümmelung seiner Nichte Faye.

Es begann wie ein Erdbeben. Ein Wutanfall erschütterte seinen Körper und vergewaltigte seine Seele mit brutaler Grausamkeit. Er stand auf uns stolperte zu einem runden Ausguck. Am liebsten hätte er sich hindurch geworfen und ins Nichts gestürzt. Er biss die Zähne zusammen. Seine Gliedmaßen zitterten. Er nahm seinen Kopf in beide Hände. Und dann, plötzlich Stille.

Sein Atem beruhigte sich, als der Wahnsinn aus ihm verschwand. Er taumelte zu einer Wasserflasche und begann gierig zu trinken. Sein Mund war trocken wie Sand. Er sog das Wasser förmlich in sich auf, so als könne es die glühenden Funken in seinem Körper erlöschen.

Eine schwere Last lag auf Vleit. Seine Motive waren stets alles andere als ehrwürdig. Trotzdem hatte sein Bruder ihm ein neues Leben samt Identität verschafft. Vleit schuldete Kelvin alles und er begriff, dass am Ende seines Weges der Tod stand. Seine Familie war praktisch ausgelöscht. Zu verlieren hatte er nichts mehr. Niemand würde um ihn trauern. Es war egal, ob er in einigen Minuten oder einigen Jahrzehnten starb. Niemand würde sich an ihn erinnern.

Vleit Medane dachte an einen jungen Mann mit Selbstmordabsichten zurück. Keinen Tag länger wollte der Mann in der Fabrik von Poseidon Industries arbeiten. Vleit war ihm zufällig in einem Habitatmodul begegnet. Wie ein Kind hatte er geweint. In einer Hand hatte er ein scharfkantiges Metallstück gehalten, um sich damit die Pulsadern aufzuschneiden. So viele hatten diesen Ausweg aus seinem Schmiedewerk gewählt. Es gab nichts, wofür es sich zu leben lohnte, nur die endlose Schufterei für einen gleichgültigen Konzern und einem Lohn, der außerhalb des Werksgeländes kaum einen Wert besaß. Der junge Mann konnte arbeiten, soviel er wollte. Einen Ausweg aus dieser Sklaverei gab es nicht. Und wem diente diese Arbeit? Was war mit dem Ruhm, der einem als Staatsbürger von ArcCorp praktisch garantiert wurde? Wo war dieser Stolz?

Vleit´s Verstand hatte eine Antwort darauf: Wahrer Stolz entsteht aus der Verfolgung großer Ideen. Mit diesen Gedanken begann für Vleit ein weiters Kapitel. Dieser Moment am heutigen Ort definierte ihn.

Mit Leidenschaft schloss sich Vleit einer Sache an, die seine Seele mit Nahrung versorgte, die kein Konzern produzieren konnte. Es war eine Sache des Stolzes, des Grundbedürfnisses eines jeden Mannes, der für seine Familie sorgen will und Zufriedenheit aus dem Wissen zieht, dass seine Arbeit einem größeren Zweck dient. In seinem Leben war Vleit seine Stellung und sein Reichtum zu Kopf gestiegen. Und so hatte er diese Grundbedürfnisse vergessen. Seine Gier kannte keine Grenzen. Er bemerkte nicht die Gefahr, die von den Menschen ausging, deren Bedürfnisse ignoriert wurden. Das, und anderes, brachte ihn an den Abgrund, an dem er heute stand.

Vleit wusste, dass selbst wenn er nun umkehren würde, er niemals im Stande wäre Faye lebend zu erreichen. Wie Aasgeier warteten seine Gegner nur darauf, dass er den Fehler beging sich Faye zu nähern. Allerdings wusste er auch, dass es Wege und Mittel gab, sie in Sicherheit zu bringen und ihr beider Überleben zu sichern. Doch dafür brauchte Vleit Medane Geld, und zwar sehr viel davon - Geld, das er nicht besaß. Das einzige was er aufweisen konnte, waren sein unabdingbarer Wille und Durchhaltevermögen, der ihn am Leben hielt.

Sein Raumschiff steuerte weiter auf die Erde zu. „Auf dieser verdammten Kugel muss es einen Weg geben an Geld zu gelangen." Dachte er.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

Projekt G89

C.R.A.S.H. Corps - Marine Corps

Wohnort: Alfter

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39

15.01.2018, 14:43

Greenville Yard - New York, Erde

Die Sonne schien an dem inzwischen späten Morgen. In den unzähligen Hangars und Lagerhallen dieser eher industriellen Bucht der Stadt waren vereinzelt die verschiedensten Geräusche der Arbeiter zu vernehmen. Vom einfachem Gehämmer bis hin zu Schleif- und Fräsarbeiten.

Inmitten befindet sich auch der Hangar den Pryson für seinen längeren Aufenthalt auf der Erde gemietet hat. Seinen letzten Job hatte er die Tage erledigt, die Lieferung des Titaniums an die verschiedenen Kleinwerkstätten von Boston und New York lief abgesehen von dem havariertem Pärchen ohne große Ereignisse. Im Endeffekt hatte er zwar nicht wirklich was verdient doch das lag mehr an der Tatsache das Pryson bei der letzten Werkstatt ein Upgrade-Kit für die VTOL-Engines für seine Constellation fand.

Das große Hangartor war geöffnet in der einen Hälfte stand ein kleiner Jäger an verschiedenen stellen mit Tüchern verdeckt, doch an den Flügelspitzen sowie der Nasenbewaffnung, klar zu erkennen das es sich hierbei um eine Gladius handeln musste. Um die Gladius herum standen ein paar Wartungsleitern. In der anderen Hälfte des Hangars stand die Constellation umringt von mehreren Transportkisten und auch bei diesem Schiff waren ein paar Bereiche von Tüchern abgedeckt sowie einer der unteren Antriebsgondeln. Doch dort befand sich zusätzlich zu den Werkzeugen und gelösten Verbindungen eine Glasflasche die eher aussah als käme sie aus einem der alten Laborfilmen mit einem langem Hals und unten Kugelförmig. In den Räumlichkeiten der Halle war die Melodie eines Songs mit dem Namen 'Felt Tip Pen' zu hören.

„Wie soll das dahin?“ zwischen den Wartungsschächten der Antriebsgondel kam der Kopf von Pryson zum Vorschein der eine Anleitung auf einem Pad zu deuten versuchte. In seiner nähe war eine Kiste mit zwei neuen VTOL-Engines die scheinbar in diese Gondel sollen. „Ahh ok, ich glaub ich habs“ und sah sich die Verschlüsse unter den Schächten genau an.

Es verging einige Zeit und inzwischen waren drei der acht Engines ausgetauscht. Es fuhr ein alter Thumbril Uni-T vor, ein etwas in vergessen geratener LKW mit vielen Beulen und schrammen, welcher eine größeren Frachtcontainer auf dem Anhänger hatte. Als dieser zum stehen kam und der Motor verstummte stieg ein griesgrämiger alter Mann aus, sein Overall wies einige Ölflecken auf und die obere Hälfte hatte er um die Hüfte gebunden. Als er am Boden ankam nahm er eine leicht zerknitterte Zigarette aus der Packung, die am Gummiband seiner Schutzbrille auf seinem Kopf befestigt war und zündete sich diese an.

„Gene wo steckst du zum Teufel?“ rief der grätige alte Mann als wäre er wegen etwas sauer, während er um den Uni-T herum kam.

Pryson sah über die Panzerluken des oberen Geschützturms der Constellation zum Eingang der Halle „Was gibt es denn Durren?“ rief er verwundert zurück, doch lag keinerlei sorge in seiner Stimme wegen des Tonfall von Durren.

Der alte Mann trat nun um die Front der so anmutend stehenden Constellation um mehr als nur den Kopf von Pryson sehen zu können, doch sorgte das dafür das er das Werkzeug und die herumliegenden teile sah. „Bist du Wahnsinnig Junge?“ entfuhr ihm mit sichtlich schockiertem Blick „Du kannst doch nicht einfach die Valkyrie auseinander nehmen!“

„Ich nehm die Lady nicht auseinander, sie bekommt neue VTOL's“ entgegnete der nun doch verwirrte Pryson, denn nun war das sonst so mürrische und säuerliche Gemurre von Durren einem ernsterem Tonfall gewichen.

„Hast du denn überhaupt eine Ahnung wie man das macht?“ bellte der alte Mann weiter als er die Leiter zu dem Flügel hinaufkletterte. „Du bist doch viel zu grob“

„Also das ist nun nicht wahr, Ich behandel meine Lady immer gut“ gab er mit einem grinsen zurück.

„Wisch dir dein blödes Grinsen aus dem Gesicht, ich hab da was anderes gehört.

Pryson hob verwundert eine Augenbraue „Wer hat dir das denn erzä...?“

„Na Lucy“ antwortete Durren rasch und Prysons blick ging nun noch mehr verwirrt über die Panzerluke zu seiner Gladius

„Aber wie hat sie … und wann hast du?“ ging sein blick wieder zu dem alten Mann der nun mit ihm auf dem kleinem Flügel der Constellation stand.

„Als du neulich weg warst habe ich nach deinem Schiff geschaut und die Triebwerke gewartet“ erzählte der Mann als er sich die vorbereiteten VTOL's ansah. „Lucy meint du würdest sie hart reiten.“

„Soso, aber das sie darauf steht hat sie dir nicht gesagt hmm?“ er lehnte sich kurz zurück und holte die Flasche, die inzwischen etwas von seinem Inhalt eingebüßt hatte hervor, goss etwas in ein kleines Glas das daneben stand und reichte dieses Durren. Man konnte meinen sie würden sich über eine Frau unterhalten wenn man ihnen zuhörte.

„Bist du dir sicher?“ erklang die Stimme des alten Mannes mit dem erstem Grinsen des Tages. Er nahm das Glas entgegen und kippte die rote Flüssigkeit mit einem Zug die Kehle hinab. „Und was ist das?“ er deutete mit dem leeren Glas auf die VTOL's.

„Das sind 45er VTOL's die neueren Modelle der Constellation nutzen keine normalen Impeller mehr, sie nutzen nun eine Mischung aus der Impeller und der Thruster Technik“ erklärte der junge Mann bevor er einen guten Schluck von der Flüssigkeit nahm. „Aber statt zu mosern ich würde meine Damen nicht richtig behandeln … wie wäre es wenn du mir dabei hilfst?“ wandte er sich an Durren und hielt ihm einen Schraubenschlüssel hin.

Durren nahm in seiner mürrischen Art den Schraubenschlüssel an und drückte Pryson dafür das Glas in die Hand. Der alte Mann beugte sich bereits runter um zu gucken. Und so verstrich eine ganze weile in der sich Pryson das Gemecker anhören musste und nun eher wie ein Lehrling daneben stand und dazu verdonnert wurde Durren dabei zu zusehen wie er einen VTOL nach dem anderen wechselte.

Durren war ein alter mürrischer Mann der von den anderen Leuten die hier ihre Hangar hatten gemieden wurde. Viele kamen nicht mit der direkten Art die Durren an den Tag legte klar. Doch Pryson freundete sich vor etwas mehr als einem halben Jahr, als er auf der Erde ankam, mit dem alten Techniker an. Pryson ist den alten Mann begegnet weil er der Verwalter des Greenville Yards und deren Hangar ist. Doch kennengelernt hat er Durren kurz nach seiner Ankunft auf der Erde bei der Wartung seiner Gladius als er aus dem nichts erschien. Er meinte die Geräusche der Triebwerke der Gladius haben ihn gerufen. Seit dem lies Pryson keinen anderen Techniker an seine Schiffe wenn er nicht musste. Doch hin und wieder kamen auch arbeitsfreie Tage in denen sie lediglich im Schatten der Schiffe den von Pryson selbst gemischten Schnaps tranken.

„So das hätten wir, hast du auch genau zugesehen?“ murrte Durren Pryson wieder an nachdem er die Werkzeuge auf den mobilen Werkzeugkasten ablegte.

„Aber ja doch“ antwortete Pryson leicht mit den Augen rollend. „Aber du warst doch bestimmt nicht auf den Weg zu mir um mir bei der Wartung zu helfen.“

Der alte Mann sah Pryson an und sah hinter ihm seinen Uni-T stehen, „Ahh ja, du hast recht … vorhin kam eine Lieferung für dich“

„Eine Lieferung? Was für eine?“ erkundigte sich Pryson und sah ihn fragend an.

„Ach keine Ahnung das war so ne komische Firma A … Ap ... Apo … ich weiß nicht, aber statt mir dumm löcher in den Bauch zu fragen kannst du ja gucken kommen. Ich habe es dir mitgebracht“ und ging in die Richtung seines Transportfahrzeugs.

Pryson folgte ihm hinaus und gingen zum Container und öffneten diesen. Im inneren stand eine saubere neue Aopoa Nox.

Durren sah Pryson fragend an, „Gene was ist denn das jetzt wieder? Ein Schiff kann es nicht sein dafür ist es zu klein … und keines der beiden Damen hat diese Art von Triebwerk.“

„Das ist ein Bike … um genauer zu sein ein Spacebike.“ antwortete Pryson ihm und kletterte in den Container um die Nox heraus zu holen.

Durren hatte deutlich nichts für die neuen Modernen Schiffe übrig. „Na ich weiß ja nicht“ murrte er wieder herum.

Pryson wollte die neue Maschine gerade starten als sein Mobiglas aufblinkte und ihm mitteilte das er eine neue Nachricht hatte.

Er überflog diese es handelte sich um ein Angebot, erst dachte er es war eines dieser Standard Spam Angebote dieser unseriösen Massenfirmen die so viele wie möglich rekrutierten. Doch der Name kam ihm bekannt vor, Outpost 7. Doch irgendwas stimmte in seiner Erinnerung nicht über ein, der Outpost 7 in seiner Erinnerung war eine geplante Militäroperation und nicht der Name einer Firma.

Es war lange her das er die Geschichte gehört hatte. Um genau zu sein war es 2940 im Rahmen seiner Versetzung zur Einheit Cerberus und die dazugehörige Fortbildung. In der wurden unter den sonst so oft erfolgreichen Missionen auch der Schwarze Tag von Cerberus, Fenris und Scirocco drei der SpecOps Einheiten des UEE behandelt. Die Mission hieß es einen Brückenkopf auf Tiber II zu errichten. Fenris sollte sich um Outpost 3 kümmern, Scirocco bekam Outpost 8 und Cerberus sollte Outpost 7 errichten. Doch gab es laut den Informationen die in der Fortbildung weitergegeben wurden keinen Bericht einer Erfolgreichen Errichtung dieses Outposts oder der eines anderen. Pryson wusste nichts von dem Bericht zu der Funkübertragung geschweige den das die Informationssperre dazu aufgehoben wurde. In der Geschichte hieß es das es eine der größten Aufgebote an SpecOps Einheiten in der Geschichte der UEE war, doch diese hätte fast zur absoluten Auslöschung der drei Einheiten geführt. Der Verlust von 90 SpecOps Mitglieder, 30 pro Einheit war ein Verlust den das Militär noch lange spürte.

Fenris jene Einheit die für ihr kaltblütiges Vorgehen und der zersetzenden Geduld bekannt war. Diese Einheit verstand es ihre Ziele zu zermürben und so lange zu beschäftigen bis sie sich ergaben oder alle gefallen waren. Ähnlich wie der eisige Nordwind der sich seine Opfer geduldig einer nach dem anderen holt.

Scirocco benannt nach dem schwarzen Wolf der Wüste der den dortigen Wind beherrschte. Die Soldaten dieser Einheit waren etwas hitzköpfig stürzten förmlich kopfüber in den Kampf. Doch waren sie auch schnell und ließen ihren Zielen kaum zeit zur Erholung wenn sie es schafften den ersten Ansturm zu überstehen.

Cerberus die Einheit die für ihre unübertroffene Verteidigung bekannt war und die Eigenart anstelle von den üblicherweise verwendeten 2er Buddyteams stets im 3er Pack aufzutreten, für jeden Kopf des Namen gebenden Höllenhundes einen. Und auch wie Cerberus die Pforte zur Hölle bewachte, war ein durchkommen durch ein von ihnen bewachter Korridor so gut wie unmöglich. Umso schlimmer kratzte der Misserfolg von Tiber II an der Ehre und dem Ruf von Cerberus.

Pryson las die Nachricht weiter und dachte es sei purer Zufall das der Firmenname Outpost 7 lautete. Er kam zur Signatur der Nachricht und war nun leicht verwundert. 'Carol Danvers' … den Namen hatte er doch die Tage gehört. Er griff sich unterbewusst an die Stirn, an die selbe stelle an der sich das Pflaster befindet, welches ihm die kleine Schwester Cara-Jane Danvers ihm auf die Schramme legte. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen als er an das warme lächeln von Cara-Jane dachte.

„Hey Junge, ist etwas passiert?“

Pryson schreckte aus seinen Gedanken heraus „Häh? Was? … ähm nein es ist ein Jobangebot“ antwortete er nachdem er seine Gedanken wieder gesammelt hatte.

„Und was hast du nun vor?“

„Nun ja die neuen Teile und die Nox haben einiges gekostet … Ich denke ich schaue es mir mal an“ gab er mit einem lächeln zu als er zu Durren aufblickte. „Es ist quasi hier um die Ecke und das treffen soll scheinbar in ein paar Tagen stattfinden. Aber ich schaue mir die Location des Treffens lieber jetzt schon mal an.“ klopfte dabei leicht auf die Nox, war die Erkundung der Location doch eine gute Gelegenheit um die Nox zu testen als sinnlos durch die Gegend zu rasen.

Durren nickte „Vorbereitung ist alles“ stimmte er zu und Pryson nickte bevor er sich kurz in die Constellation zurück zog um sich zu waschen, seine Lederjacke und Helm zu holen sowie seine Pistole, eine sogenannte Präzisionspistole die lediglich mit einer Patrone geladen werden konnte. Sie eignete sich nur bedingt für Schießereien, doch bei einem möglichen Überfall konnte sie mehr als nötig der Selbstverteidigung dienen. Und in einer seiner Gürteltaschen hatte er auch Ersatzmunition dabei.

„Ich mach mich jetzt auf den Weg“

Durren nickte und zündete sich eine Zigarette an während er zur Gladius ging. „Mach das, ich kümmere mich noch etwas um die kleine Dame“

Pryson schüttelte nur lächelnd den Kopf bevor er sich seinen Helm aufsetzte. Kurz darauf ertönte das Wellen ähnliche Summen der Nox Engines und flog Richtung Innenstadt.

Es war noch guter Nachmittag, die Sonne schien hell als er zu der Halle kam wo in einer Woche ~oder eher zwei~ das Treffen stattfinden soll . Er stellte die Nox ab und zog seinen Helm aus „Nanu, bin ich hier überhaupt richtig?“ Er stand vor einem Gebäude in denen deutlich noch ein paar Umbau- und Renovierungsarbeiten gemacht wurden. Er prüfte die Adresse doch er war hier richtig.

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Tanner

RP Charakter Tanner SC

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20.01.2018, 13:56

Apartment-Block 32ASA42B, New York, Erde

Tanner legte die Papiere, über denen er die letzten Stunden gebrütet hatte, beiseite und rieb sich die Augen. Dann warf er einen Blick nach draußen. Das Apartment-Zimmer, das er vorübergehend gemietet hatte, lag im 33. Stock, bot jedoch aufgrund der umliegenden Wohntürme trotzdem nur einen eingeschränkten Blick auf die umliegende Stadt. Trotzdem war es einfacher gewesen, sich für die letzten Termine hier einzumieten statt jeden einzelnen seiner Gesprächspartner auf der "Pegasus" zu empfangen. Letzten Endes war der Platz dort halt doch recht limitiert, und das Apartment lag auch wesentlich zentraler als der Raumhafen.

Er warf einen Blick auf den Chronometer an seinem Arm. Sein letzter Termin würde in Kürze eintreffen. Dieses Gespräch bot eine willkommene Abwechslung zu den zahlreichen anderen heutigen Bewerbungen, von denen leider keine wirklich erfolgsversprechend gelaufen war. Aber das gehörte dazu. Wenn man ein System-weites Inserat aufgab, wurde man zwangsläufig auch mit den übelsten oder weniger vielversprechenden Seiten des Geschäfts konfrontiert. Der Boreaner lehnte sich zurück und überflog noch einmal die Nachricht seines Freundes Brody, auf den sein Besucher offenbar einen guten Eindruck gemacht hatte.

Der Name des Mannes, auf den er jetzt wartete, lautete Kel'Tath, Fischer Kel'Tath. Mirabel hatte den Namen noch nie zuvor gehört. Daher runzelte er auch zunächst irritiert die Stirn, als sein Gast wenige Minuten später pünktlich eintraf. Er hätte schwören können, dass der diesen Mann irgendwann irgendwo schon einmal gesehen hatte, doch so sehr er sich auch bemühte, er konnte ihn nicht einordnen. Sein Gesprächspartner, der einen höflichen Eindruck machte und einen schlichten Anzug trug, ließ jedenfalls kein Erkennen erkennen. Schließlich bat der Captain der Pegasus seine Gast hinein und bot ihm einen Stuhl an dem großen Tisch in der Mitte des Raumes an, während er selbst an die kleine Bar ging.

"Möchten Sie einen Drink?"

Kel'Tath, der sich aufmerksam umsah, lächelte, lehnte jedoch dankend ab. Tanner, der sich selbst ein Glas mit einer gold-braunen Flüssigkeit einschenkte, setzte sich anschließend auf die gegenüberliegende Seite des Tisches und betrachtete seinen Gesprächspartner.

"Sie sind also Mr. Kel'Tath. Mr. Brody schickt Sie mit den wärmsten Empfehlungen. Wie ich gehört habe, sind sie Journalist?"

Der ältere Mann im Anzug lächelte, faltete die Hände ineinander und nickte höflich.

"Das entspricht den Tatsachen. Ich nehme an, Mr. Brody war so gütig, Sie über mein Anliegen zu informieren und gehe ferner davon aus, dass Sie meinem Vorhaben grundsätzlich nicht abgeneigt sind. Schließlich würden Sie mir ansonsten wohl kaum ihre wertvolle Zeit widmen."

Tanner nickte. Er mochte die direkte, aber höfliche Art seines Gegenübers ebenso wie dessen scharfen Verstand. Brody hatte nicht zuviel versprochen. Er nippte an seinem Glas und stellte es anschließend auf den Tisch. Dann legte er die Hände aufeinander und sah seinem Gast aufmerksam an.

"Ich gebe zu, Sie haben mein Interesse geweckt. Ebenso wie Mr. Brody halte ich die Idee, unsere Forschungsreise aufzuzeichnen und für die Nachwelt festzuhalten "grundsätzlich" für eine gute Idee."

Er betonte das Wort "grundsätzlich" bewusst, und ließ es einen kurzen Moment im Raum hängen, doch sein Gegenüber wartete geduldig ab.

"Seit Anbeginn der Archäologie suchen Gelehrte nach Spuren und Aufzeichnungen, die ihnen Einblicke in die Vergangenheit erlauben. Es ist daher nur angemessen, wenn wir späteren Generationen die Arbeit wenigstens etwas erleichtern. Und die Suche nach der Artemis ist schon heute etwas, dass Interesse hervorruft. Allerdings..."

Der Boreaner hob abwehrend eine Hand, bevor er fortfuhr,

"...sollten Sie sich absolut bewusst sein, was das bedeutet. Wir reden hier nicht über eine einfache Story, die sie in ein paar Tagen oder Wochen ihrem Verleger übergeben können. Dieses Projekt, sofern wir in der Lage sein werden, es zu realisieren, wird vermutlich Jahre in Anspruch nehmen, und es wird für alle Beteiligten eine Reise mit Entbehrungen werden. Das würde Sie mit einschließen."

Er blickte den kargen Mann in seinem Anzug eine zeit lang unschlüssig an.

"Wenn Sie wirklich an diesem Projekt interessiert sind, dann muss ihnen klar sein worauf sie sich einlassen: Ein Platz auf einem engen Schiff, karge Rationen, die Einsamkeit des Weltalls, harte Arbeit und jede Menge weiterer Entbehrungen, möglicherweise auf lange Zeit. Auch wenn Sie kein wirkliches Mitglied der Crew sind, so muss doch jeder seinen Teil dazu beitragen. Das würde Sie mit einschließen - insbesondere, da ihre Arbeit sie nicht dauerhaft rund um die Uhr beschäftigen werden wird."

Er räusperte sich.

"Im Gegenzug würden Sie nicht nur das Exklusiv-Recht für diese Geschichte erhalten, sobald unsere Suche erfolgreich abgeschlossen und alle Daten freigegeben wurden - das Museum von Mr. Brody und meine Firma würden ihnen neben Kost und Logie auch ein Budget für ihre Arbeit zur Verfügung stellen. Das Geld dürfte alle Unkosten decken, die ihnen bei der Dokumentation unserer Reise entstehen werden, das 'Ergebnis dieser Arbeit würde Eigentum des Museums."

Es war schwierig, im Gesicht des alten Mannes Hinweise auf seine Gedanken zu lesen, und so fragte er schließlich ganz direkt:

"Also, was denken Sie?"

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