SARS-CoV-2 / COVID-19 oder einfach das Coronavirus - die größte globale Herausforderung dieses Jahrhunderts

  • Meine Einrichtung ist bisher gottseidank verschont, aber man merkt es den Bewohner sehr an. Unser Haus fährt momentan kompletten lockdown rein wie raus, nur notwendiges Personal und sonst nicht mal mehr Ärzte ausser im akuten Notfall.


    Sicher sinnig und klar grossteil unserer Bewohner hat noch Kriegszeiten mitgemacht, die sind hart im nehmen was Einschränkungen angeht, aber man merkt wie Streitigkeiten zwischen Bewohnern zunehmen.

    Besonders schlimm ist es aber für einige unserer Dementen, die Bewohner mit Angststörungen und klar die schon palliative bei uns versorgt werden.

  • Was wäre, wenn in ganz Deutschland Maskenpflicht herrschen würde... und keiner geht hin?


    So in etwa der Eindruck heute. Wir waren zunächst in der Innenstadt von Hamburg zwecks eines Notar-Termins, der sich nicht aufschieben ließ - fühlte sich an wie in einem Gangsterfilm. Zwei Autos in der letzten Ebene der Tiefgarage, ein ominöses Schriftstück wird auf die Haube des einen Autos gelegt, der vermummte Fahrer steigt wieder ein. Aus dem anderen Auto steigt ebenfalls ein Vermummter aus, geht zum Schriftstück, unterschreibt mit einem mitgebrachten Stift und steigt dann wieder ins Auto. Während Fahrer 1 das Dokument sichert, fährt Wagen 2 davon... *Edgar Wallace Musik ertönt*


    Jedenfalls sind wir die Alster entlang und man konnte so gut wie nicht erkennen, dass es sowas wie eine Pandemie gibt. Die Leute hocken aufeinander, die Gehwege voll, Jogger laufen im Abstand von 10cm an Personen vorbei. Der Großteil hat gar keine Maske, gefolgt von der Gruppe die zwar eine Maske hat, diese jedoch um den Hals baumeln lässt und dann gibt es wenn man viel sucht hin und wieder tatsächlich noch eine einzelne Person mit Maske.


    Gut, gilt ja nur für Supermarkt kommt einem dann spontan in den Sinn. Da sieht es jedoch genauso krass aus. Nahezu keiner hat eine Maske, von den 5% die eine tragen, hängt sie bei weiteren 80% der 5% wieder nur um den Hals. Ist ja lästig.


    Lockdown scheint es in HH nicht zu geben.


    Und ich will so ein Teil wie Taya. ;(

  • Ja, es ist ein Trauerspiel. Und es wird sich rächen. Die Reproduktionszahl ist jetzt schon wieder gestiegen. Die Leute werden lasch und unvorsichtig, Berlin hat jetzt erst als letztes Bundesland die Maskenpflicht in Geschäften eingeführt - und es gibt bisher nicht mal eine Strafe, wenn man dagegen verstößt.


    Am schlimmsten ist aber, dass (zumindest gefühlt) nicht nur die Zahl der gefährlich Ignoranten, sondern auch die der Verschwörungstheoretiker und die der "Wir glauben nicht, dass es Corona gibt"-Idioten wächst. Es ist nicht zu fassen, und das in einem aufgeklärten Land. Eine Freundin von mir ist Friseurin und hat erzählt, dass mehrere ihrer Kunden sie bestechen wollten, damit sie ihr die Haare schneiden, da sie eh nicht glauben, dass es das Virus überhaupt gibt. Am liebsten würde ich jeden zu mir in die Klinik schleifen, in die Pathologie oder auf die ITS zu den Beatmungsmaschinen und fragen, ob sie mit den Menschen dort, die sich das ja dann wohl alles nur einbilden, tauschen möchten.


    Aber vielleicht sind ja die sogar schlimmer, die sich der Gefahr bewusst sind und dennoch gegen die Hygieneauflagen verstoßen - einfach weil es unbequem ist. Gestern noch für die Krankenschwestern geklatscht und heute schon 2 Menschen angesteckt, welche im Krankenhaus beatmet werden müssen. Schämt euch.

  • Hmm finde es auch ein wenig erschreckend, wie fahrlässig viele jetzt damit umgehen, nur weil wir italienische Verhältnisse vermeiden konnten.. bisher zumindest.


    Gutteil hat sicherlich auch damit zu tun, dass ja jetzt nicht grad wenig Politiker sich ja den "Held der Wirtschaft" Titel sichern wollen. Gut unterstützt von einer Presselandschaft die ja gefühlt sich darin ergeht darzulegen, wie sehr die Deutschen leiden mussten durch gemeinsame Familienzeit, Homeschooling, Homeoffice und den traumatischen Verlust von Grillabenden, Fußballspielen und der brutalen sozialen Isolierung.

  • Ich finde es etwas zu leicht gemacht sich darüber aufzuregen.

    Denn tatsächlich hängen mittlerweile so viele Existenzen an den erhofften Lockerungen. So viele Zukunftsängste kommen mit voller Berechtigung hoch.

    Und natürlich kann es nicht die Lösung zu sein, alle Maßnahmen aufzuheben. Aber wäre es so schlimm offen zu bleiben? Neue Ansätze zumindest zu diskutieren?


    Fakt ist doch: So gut wie kein andere Land hat diese Pandemie so gut im Griff wie wir. Daraus könnte man doch zumindest ein gewisses Grundvertrauen entwickeln, dass es dem System, der Politik und den Menschen durchaus wichtig ist. Und eben nicht jede angesprochene Lockerung sofort als "Euch ist das Leben der anderen ja nur Scheiss-Egal!" zu verteufeln.

  • Dem kann ich grundsätzlich beipflichten Can, keine Frage. Natürlich gibt es für eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Leuten existenzielle Probleme in diesen Zeiten, man denke nur an die Selbstständigen. Und ja, über Mittel und Wege zur Rückkehr zu einem normalen Leben kann und sollte auch geredet werden. Sowas hat es zumindest in unserer Generation halt noch nie gegeben.


    Leider ist das aber heutzutage nicht so einfach.


    Fake-News an jeder Ecke, gezielte Kommunikation seitens Lobby-Verbänden und auch der Politik um ein Ziel zu erreichen, dass eben nicht unbedingt im Sinne aller ist. Da wird eine anfänglich gute Diskussion schnell zu einem einseitigen Gefährt, um möglichst viele davon zu überzeugen, dass ein bestimmter Weg der richtige ist.


    Fakt ist: Wirtschaft, Lobbyisten und Teile der Politik hätten am liebsten gar keinen Lockdown (sofern man das hier im Vergleich zu China überhaupt so nennen kann) gehabt - auch wenn dadurch Leute sterben. Der Mammon ist wichtiger, solange sie nicht persönlich betroffen sind. Und sie arbeiten mit Hochdruck daran, den Virus wegzureden. Dabei werden sie von all denen unterstützt, die sich gerade in ihrer persönlichen Freiheit beeinträchtigt fühlen. Das ignorieren eines potentiell tödlichen Krankheitserregers hat allerdings bei einer Pandemie noch nie funktioniert - man denke an die spanische Grippe.


    Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, Möglichkeiten zu überlegen, wie man wieder zu einer "Normalität" übergehen könnte. Ich gehe auch gerne raus und klar, mich nerft das alles auch. Allerdings müsste es dafür klare Regeln geben, die noch dazu von den Bürgern eingehalten werden. Und dass das nicht passiert, zeigt sich ja hier in Deutschland selbst jetzt schon jeden Tag. Leute treffen sich wie eh und je, Handschläge, Umarmungen, Grillfeste, volle Spazierwege ohne Abstand. Eine klassische "Mich wird es schon nicht treffen" und "das sind doch Freunde, die haben schon nichts"-Mentalität, die eigene persönliche Entfaltung über alles.


    Dumm halt, wenn man zur Risikogruppe gehört und sich gar nicht entziehen kann.


    Auch ist es ja so: Keiner weiß so recht, warum Deutschland bisher so glimpflich davon gekommen ist. Wir wissen immer noch viel zu wenig über das Virus, seine Auswirkungen und inwieweit er andere, harmlose Krankheiten verschlimmert. Die Zahlen von "nur ein paar tausend Toten in Deutschland" da jetzt als Anlass zu nehmen man ist ja eigentlich save, die paar haben eben Pech gehabt, halte ich auch in Hinsicht auf die Globalisierung und weltweites Reisen persönlich für ziemlich fahrlässig. Das kann sich schnell ändern, wenn jegliche Restriktion fällt.


    Am Ende wird es aber wohl genauso kommen: Wir werden nach und nach alles öffnen, der Virus wird sich weiter verbreiten und nicht nur die Risikogruppen dahinraffen.

  • Candy… du hast schon nicht ganz unrecht, aber das ist in dieser Diskussion auch nicht direkt passend. Niemand regt sich darüber auf, dass die Leute Zukunftsängste haben. Aber aus diesem Grund leichtsinnig zu werden oder die Existenz von Covid-19 zu verleugnen ist dumm und gefährlich. Niemand hier verschließt sich, neue Ansätze zu diskutieren und ich glaube selbst der größte Hysteriker weiß, dass man sich überlegen muss, wie man ins normale Leben zurückkehrt. Aber… naja, siehe oben.


    Zitat

    Fakt ist doch: So gut wie kein andere Land hat diese Pandemie so gut im Griff wie wir. Daraus könnte man doch zumindest ein gewisses Grundvertrauen entwickeln, dass es dem System, der Politik und den Menschen durchaus wichtig ist.


    Naja. Also erstens haben wir die Pandemie sicher nicht wegen den fahrlässigen Menschen im Griff, sondern trotzdem. Und wegen denen, die sich daran halten. Und zweitens ksann und muss die Diskussion auch andersherum geführt werden. Wir haben die Pandemie gut im Griff, also könnten die Menschen doch ein wenig Grundvertrauen haben, dass der von den Virologen empfohlene und der Politik eingeschlagene Weg bisher der richtige war, warum also jetzt genau das ändern? Aber nein, es wird argumentiert “he, seht doch, wie wenig Leute bei uns sterben an Covid-19 und das Gesundheitssystem steht auch noch! Alles übertrieben, Maßnahmen aufheben bei diesem kleinen Schnupfen!”


    Sorry, aber ja… über diesen Irrsinn rege ich mich auf.

  • Kurz meine Meinung dazu: die Diskussion wird zwischen den Fronten immer unschöner und mir scheint, beide Lager haben viele Anhänger, die ihre Position nur selten zu Ende denken.


    Klar ist, viele Betriebe können diese Einschränkungen nicht ewig durchhalten... was sie aber auch nicht können ist mit den Folgen einer frühen Lockerung leben. Wenn alle krank sind, können sie auch nicht arbeiten, geschweige denn Kunden sein.


    Die Ansicht, das sich die besonderen Problembereiche Gastgewerbe und der Tourismus erholen, wenn Deutschland formal lockert aber der R(t) um 1 herum dümpelt und immer mal wieder nach oben zieht, halte ich für ausgeschlossen. Die Menschen werden einfach nicht kommen...


    Eigentlich gibt es ja nur drei mögliche Szenarien:


    Herdenimmunität - wird ja oft propagiert und funktioniert ja eh nur, wenn tatsächlich Immunität erreicht wird, was immer noch nicht sicher ist. Ich nenne das Szenario: lasst uns möglichst viele Menschen, möglichst schnell um die Ecke bringen. Ethisch gesehen ist das eine Lösung a la Mengele, und man nimmt deutlich mehr zusätzliche nicht Corona-Todesfälle in kauf, da man das Gesundheitssystem überlastet. Die Herde wird allerdings nicht freiwillig mitspielen, und vermutlich einfach trotzdem zu Hause bleiben. Tourismus und Gastgewerbe könnte man für die nächsten Monate also dennoch vergessen.


    Kontrolle: Versuchen den R(t) nicht über 1 kommen zu lassen, aber keine wirklich drastischen Maßnahmen. Maximales Gejammer, Auswirkung auf Gastgewebe und Tourismus wie oben beschrieben, mehr Ausfall am Anfang, weniger im Rest des Jahres.


    Totaler Crackdown. 3-4 Wochen drastische Maßnahmen, danach wie in Südkorea - alle Neu-Infektionen finden, tracken und sofort mit harten Quarantäneregeln unter Kontrolle bringen. Dann könnten wir in 4 Wochen alles wieder öffnen, müssten aber unsere Freiheit den Rest des Jahres einschränken.


    Fällt euch noch was anderes ein? Nein? Findet ihr auch, dass Kontrolle vermutlich der beste Weg ist? Super dann sind wir uns ja einig. ^^

  • "Die Achsneigung der Erde liege bei 23,4 Grad. Subtrahiere man dies von der Zahl 90, ergebe das 66,6 - wobei Verschwörungstheoretiker und religiöse Fundamentalisten die 666 als Zahl des Teufels fürchten."


    Pssssst..... Wenn man 600 und 60 zusammen addiert, ergebe das 660. Addiert man nun 6 hinzu, erhält man das Ergebnis 666! =O

  • Dieser Artikel liest sich wie ein Fallbeispiel zu paranoider Schizophrenie aus einem Lehrbuch der Psychotherapie - obwohl es selbst dafür recht übertrieben wäre.

  • Sehr schöner Artikel Ryan. Wäre das alles nicht so real und gefährlich, könnte man bei dem Unfug der da von sich gegeben wird sogar lachen.


    Die Waschbären sind ein Knaller. :D